Holocaust-Mahnmal in Berlin
Holocaust-Mahnmal in Berlin

25.06.2017 - 09:20

Ergebnis von 15 Jahren Diskussion um ein angemessenes Gedenken Entscheidung über das Berliner Holocaust-Mahnmal

Als am 25. Juni 1999 der SPD-Abgeordnete Wolfgang Thierse im Bundestag die Debatte eröffnet, geht es um eine geschichts-politische Frage ersten Ranges, nämlich darum ob, wie, wo und in welcher Form Deutschland den jüdischen Opfern des Holocaust gedenken sollte.

Abwägung der Argumente

"Es gibt sehr achtenswerte Argumente auf der Seite derjenigen, die einem solchen Denkmal grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen, denn immerhin berührt der Holocaust die Grenzen unseres Verstehens und die mehrfachen Auslobungsverfahren bezeugen ja die Schwierigkeit, einen künstlerischen Ausdruck für das Unfassbare zu finden, für die Monstrosität der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, für den Genozid an den europäischen Juden.

Kann deshalb die Antwort heißen: heute auf die Entscheidung für ein Denkmal zu verzichten? Ich sage ganz entschieden, nein!"

Vorläufiger Höhepunkt einer mehr als 10-jährigen Diskussion. Die Idee kam 1988 von einer Bürgerinitiative unter der Führung der Publizistin Lea Rosh und dem Historiker Eberhard Jäckel.

Schwieriges Gedenken

Gleich zu Beginn der Streit: wem wird gedacht? Allein den Juden oder auch Sinti und Roma, Behinderten, Homosexuellen und Zeugen Jehovas, sie alle ebenfalls Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

Nächster Streit: wie wollen wir gedenken? Ein erster Entwurf - eine Fußballfeld große Betonplatte mit den Namen der Ermordeten kritisieren viele als gigantomanisch.

Einigung auf Form

Unzählige Debatten, Wettbewerbe und Überarbeitungen später wird es das Stelenfeld von Peter Eisenman. Rund 2700 wellenförmig angeordnete Betonquader, unter ihnen ein Dokumentationszentrum, der sogenannte Ort der Information.

Diesem ebenfalls umstrittenen Entwurf stimmt der Bundestag am 25. Juni 1999 mit 314 zu 209 Stimmen schließlich zu.

Schwierige Bauphase

Ein Streit über die Kosten verzögert die Bauarbeiten, die erst am 30. Oktober 2001 endlich beginnen.

2003 dann der Baustop, die Firma Degussa liefert den Graffitischutz für die Betonstelen, doch es wird bekannt, dass eine Tochterfirma das tödliche Giftgas Zyklon B für die Vernichtungslager hergestellt hatte. Der Kuratoriumsvorsitzende Wolfgang Thierse führt schließlich an:

"Degussa ist schon mit einem Produkt im Fundament des Denkmals vertreten und deswegen hat dann ein Kuratoriumsmitglied gesagt: ein bisschen Degussa, das geht nicht."

Einweihung mit 15 Jahren Vorlaufzeit

Am 10. Mai 2005 kann das Mahnmal endlich feierlich eingeweiht werden. Rückblickend sagt die Initiatorin Lea Rosh: "Yad Vashem hat über 10 Jahre gebraucht, das Holocaust-Museum in Washington hat 10 oder 11 oder 12 Jahre gebraucht. Also, wir brauchen 15, aber das Thema ist doch auch sehr gewaltig. Wir hatten ein paar Verzögerungen, aber ich finde das absolut nachvollziehbar und hinnehmbar."

Leben mit dem Mahnmal

Neues Ungemach folgt bereits wenige Jahre später. Mehrfach wird das Holocaust-Mahnmal von Neonazis geschändet, außerdem bilden sich schon nach kurzer Zeit Haarrisse im Beton der Stelen, eine Sanierung wird nötig.

Doch das Volk nimmt diesen Ort zwischen Brandenburgertor und Potsdamerplatz schnell an. Bereits im ersten Jahr kommen 3,5 Millionen Besucher.