Frère Roger
Frère Roger
Das Grab von Frère Roger
Das Grab von Frère Roger

16.08.2017 - 09:20

Er brachte der Jugend eine Belebung des Glaubens Todestag von Frère Roger

Er war religiöse Leitfigur und für viele ein Vorbild: Der evangelische Theologe Frère Roger gründete 1949 die ökumenische Gemeinschaft von Taizé. Ziel: Die Versöhnung der christlichen Konfessionen. Am 16. August 2005 wurde Frère Roger ermordet.

Ein ganz normaler Abend im französischen Örtchen Taizé. Die Gäste aus aller Welt feiern in der Versöhnungskirche den täglichen Abendgottesdienst. Eine Frau springt auf einmal aus den betenden Pilgern hervor und stürmt Richtung Altar. Mit einem Messer ersticht die vermutlich psychisch kranke Frau den charismatischen Held der Glaubensgemeinschaft, den 90 jährigen Frère Roger. Die Gläubigen sind schockiert.

Roger Schutz kommt am 12. Mai 1915 im schweizerischen Provence zur Welt. Er ist der Sohn eines reformierten Pfarrers. Doch schon früh lernt der junge Roger bereits den katholischen Glauben kennen: Er ist Kostgänger bei einer katholischen Witwe, die mit der Verpflegung ihren Unterhalt verdient. 1937, also mit knapp 22 Jahren beginnt Roger ein evangelisches Theologiestudium in Lausanne, welches ihn auch nach Straßburg führt.

Taizé - Versteck vor den Nazis

Mai 1940: Die Deutsche Wehrmacht überrumpelt Frankreich und kontrolliert bald weite Teile des Landes. Am 21. August kommt Roger Schutz in den kleinen burgundischen Ort Taizé, wo er sich gemeinsam mit seiner Schwester und Freunden, Juden und Oppositionelle, vor den Nazis verstecken will. Taizé sollte das Leben des jungen Schweizers nachhaltig prägen. In einem Interview berichtet er, wie lebendig die Erinnerungen an die damalige Zeit sind:

"Als ob es gestern wäre. Ich hatte die Wahl zwischen drei Orten. Taizé war der am Meisten verlassene. Ich kam am 21. August gegen Mittag an und eine alte Frau sagte zu mir "kommen Sie zu mir, zum Mittagessen". Ich habe ihr erzählt, was ich vorhabe und sie meinte "Oh, wählen Sie Taizé", die Winter sind so kalt und wir sind so allein." 1942 finden die Nazis das Versteck in einem Haus und verhaften alle Insassen. Roger Schutz ist jedoch derzeit in der Schweiz – wo er bis zur Befreiung Taizés 1944 auch bleibt.

Die "Communauté de Taizé“

Mit Freunden kehrt er nach Taizé zurück und versorgt dort Kriegswaisen und deutsche Kriegsgefangene. Aus dieser Arbeit ging 1949 die "Communauté de Taizé“ hervor, eine ökumenischen Bruderschaft. Am 17. April 1949 legen die ersten Brüder die klassischen Ordensgelübde ab. Sie versprechen Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam. Roger Schutz nennt sich fortan „Frère Roger“. 1951 werden zudem die Regeln von Taizé aufgestellt. Hauptziel: die Versöhnung der christlichen Konfessionen. "Als ich jung war, war ich sehr betroffen davon, dass sich alle Christen auf denselben Gott der Liebe berufen. Sie blieben getrennt und verletzten sich dabei oft noch gegenseitig. Darauf gab es für mich nur eine Antwort: Die Versöhnung."

Die Aktivitäten der Gemeinschaft werden kontinuierlich ausgebaut. Ein besonderes Anliegen ist den Brüdern um Frère Roger die christliche Solidarität mit den Ärmsten der Armen. Aber auch der Jugend gilt seine besondere Beachtung: Im Jahre 1970 kündigt Frère Roger ein Konzil der Jugend an, welches 1974 stattfindet. Diese Treffen machten die Gemeinschaft von Taizé weltbekannt. Frère Roger wird zur charismatischen Leitfigur der Gemeinschaft, Millionen von jugendlichen Pilgern reisen nach Taizé um die Arbeit und den Geist der Bruderschaft zu erleben.

Nachricht: Ermordnung - Schock beim Weltjugendtag

Köln am Abend 16. August 2005. Die Weltjugend hat sich in der Domstadt versammelt um den 20. Weltjugendtag zu feiern. Die Eröffnungsgottesdienste sind gerade vorbei, als aus Taizé schockierende Neuigkeiten die Runde machen. Einer der größten religiösen Vorbilder des 20. Jahrhunderts ist Tod – ermordet. Und auch die Mitbrüder sind schockiert. Frère Alois, Nachfolger von Roger Schutz im Ordensvorsitz, in einem Interview unmittelbar nach der Tat:

"Es ist ein großer Schock natürlich. Dass das Leben von Frère Roger so zu Ende geht, so gewalttätig zu Ende geht, er der sich so für Versöhnung eingesetzt hat, sein ganzes Leben lang."

(dr)