Ein Ehepaar: Martin Luther und Katharina von Bora
Ein Ehepaar: Martin Luther und Katharina von Bora

29.01.2017 - 09:20

Eine Nonne heiratet den Kopf der Reformation Katharina von Bora

Katharina von Bora und ihr Mann, Martin Luther, galten besonders im 18. Jahrhundert als der Prototyp einer protestantischen Pfarrfamilie. Sozusagen die "First Family" des Protestantismus. Vermutlich am 29. Januar 1499 wurde sie geboren.

Am 13. Juni 1525 heiraten ein Mönch und eine Nonne: Martin Luther und Katharina von Bora. Eine Skandalhochzeit in Wittenberg! Selbst engste Vertraute des berühmten Theologen warnen Luther vor der Heirat. Ein Freund Luthers, Philipp Melanchthon, spricht aus, was viele denken: "Luther ist doch ein Narr. Er ist den weiblichen Reizen erlegen. Das wird unserer Reformation nur schaden!" Nicht nur er weiß, dass die Glaubwürdigkeit des Reformators aufrgund der Heirat auf dem Spiel steht. Wieso muss es eine ehemalige Nonne sein? Wer ist diese Frau?

Eine sächsische Adelstochter

Katharina von Bora wird vermutlich am 29. Januar 1499 in der Nähe von Leipzig geboren. Als ihre Mutter stirbt, kommt sie mit fünf Jahren in ein Kloster. Dort lernt sie Lesen und Schreiben. Sie übt sich in der Hauswirtschaft, der Gärtnerei und der Heilkunst. Mit 16 Jahren legt sie ihr Gelübde als Nonne ab: Armut, Keuschheit und Demut. Von der Außenwelt bekommt sie neben dem strengen Klosterleben wenig mit. Doch trotzdem gelangen die Schriften von Martin Luther in ihre Hände. Der Reformator kritisiert unter anderem den Papst in Rom und seinen Ablasshandel. Diese offenen Worte des Theologen beeindrucken sie. In der Osternacht 1523 flieht Katharina zusammen mit elf weiteren Nonnen aus dem Kloster. Ihr Ziel ist Wittenberg. Martin Luther selbst heuert die Fluchthelfer an. Die Nonnen hatten ihn um Hilfe gebeten. Werden sie erwischt, droht ihnen der Tod. Doch die Flucht gelingt.

Ein neues Zuhause in Wittenberg

Schon bald sind alle ehemaligen Nonnen unter der Haube. Als Ehefrauen ist ihr Auskommen gesichert. Auch Katharina ist verliebt. Aber die Familie des Verlobten verbietet eine Hochzeit. Zu skandalös und mittellos sei Katharinas Herkunft. Unglücklich verliebt, verteilt sie nur noch Körbe. "Der ist mir zu alt. Der ist zu geizig. Und der ist mir zu stolz. Wenn ich schon heirate, dann entweder dich, Nikolaus, oder den Herrn Doktor Luther selbst.", soll sie gesagt haben.  Ihre Wahl fällt nicht auf den Pfarrer Nikolaus, sondern auf Luther. Und der ist zunächst nicht begeistert. Wie kommt diese Frau dazu, ihn zu wollen? Er findet sie zu stolz und hochmütig. Gegen das Zölibat ist Luther schon, aber gleich eine Ehe? "Der Weiber Regiment nimmt selten ein gut' End.", das ist des Reformators Wahlspruch. Doch nach der Heirat mit Katharina schreibt er in seinen Briefen ganz anders über die Ehe und vor allem über seine Katharina. "Gott hat mir Käthe geschenkt, drum will ich um Frankreich und Venedig willen, sie nicht wieder hergeben. (…) In häuslichen Dingen füge ich mich Käthe. Im Übrigen regiert mich der Heilige Geist.", schreibt Martin Luther. Und noch mehr. Er nennt Katharina liebevoll "Morgenstern von Wittenberg", "allerheiligste Frau Doktorin" oder auch "Herr Käthe".

"Herr Käthe"

Katharina von Bora stellt Luthers Zuhause auf den Kopf. Sie macht das ehemalige Augustinerkloster zu einem wohnlichen Zuhause. Das Bett des Reformators, ein fauler Strohsack, wirft sie auf den Müll. Sie kauft Vieh und Land dazu, legt einen Garten an und bekommt vom Kurfürst die Erlaubnis Bier zu brauen. Luther ist der bestbezahlteste Professor Wittenbergs. Aber bald verdient seine Käthe mit dem Ausbau des Klosters zu einem Internat genau so viel. Es ist eine Ehre bei der Familie Luther zu wohnen. Ranghohe Gäste kommen zu Besuch. Etwa König Christian II. von Dänemark. In Wittenberg versammelt sich was Rang und Namen hat und für die Reformation ist. Auch dabei hilft Katharina. Sie schafft es den Familienbetrieb unabhängig zu führen. Sechs Kinder bringt sie zur Welt. Als Martin Luther 1546 stirbt, schreibt sie verzweifelt an ihre Schwägerin: "Wer sollte nicht billig betrübt und bekümmert sein wegen eines solchen teuren Mannes, wie es mein lieber Herr gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einem Land, sondern der ganzen Welt viel gedient hat."

Welche Bedeutung hatte sie für die Reformation?

Nicht viel ist aus ihrer eigenen Hand überliefert. Wohl weil es nicht wichtig genug erschien, ihre Briefe und Reden aufzuheben. Doch im Nachlass Luthers hinterlässt sie Spuren. Dessen Testament ist leider nicht so eindeutig. Katharina muss um ihr Erbe und ihre Kinder kämpfen. Dreimal flieht sie vor dem Krieg und der Pest aus Wittenberg. Bei einem Kutschenunglück stürzt sie vom Wagen und stirbt an ihren Knochenbrüchen am 20. Dezember 1552. Die Reformation hat sie mitgetragen und Luthers Ansichten, nicht nur über die Ehe, mitbestimmt. Sie gilt als eine der ersten protestantischen Unternehmerinnen ihrer Zeit.

Beatrice Steineke