Marienfeld
Marienfeld

21.08.2018 - 09:20

Ein Stück Land wird zum Feld christlicher Begeisterung Der legendäre WJT-Gottestdienst auf dem Marienfeld bei Köln

Er sollte ein riesiges Glaubensfest werden, der zwanzigste Weltjugendtag in Köln. Auf alle Fälle war es eine große Begegnung gläubiger Jugendlicher, die mit dem größten Gottesdienst, den es je in Deutschland gegeben hat, abgeschlossen wurde, am 21. August 2005.

"Ich wäre ja gerne mit dem Papa-Auto kreuz und quer durch das ganze Gelände gefahren um möglichst jedem Einzelnen ...", sagt der Papst 2005.

Der Jubel ist groß als der Papst den Abschlussgottesdienst auf dem Marienfeld beginnt, vor einer Millionen Jugendlichen, rund 20 km Luftlinie vom Kölner Dom entfernt.

Rückblende: der Initiator der Weltjugendtage Papst Johannes Paul II. verspricht trotz seines schlechten Gesundheitszustands, auch beim 20. Weltjugendtag mit dabei zu sein, doch so weit wird es nicht mehr kommen. Der Papst stirbt vier Monate vor der Jugendbegegnung. Ein neuer Papst wird gewählt. Für den Neuen, Papst Benedikt XVI., wird Köln seine erste offizielle Auslandsreise als Oberhaupt der Katholischen Kirche. Er freut sich:

"Eine solche Begegnung, wo man zu hunderttausenden miteinander Glauben erlebt, ist was Besonderes. Ich hab so viele junge Menschen getroffen die z.B. in Paris waren, die in Rom dabei waren, die in Toronto dabei waren und für die war es alle sozusagen etwas was über ihre Erwartungen und Vorstellungen hinausging plötzlich in einer solchen großen Gemeinschaft zu sein, in einer so fröhlichen Gemeinschaft zu sein, das Erlebnis der Gegenwart Gottes zu haben, das ist etwas so großartiges das man sich das auf keinen Fall entgehen lassen darf."

Die Krönung seines Besuchs ist der Abschlussgottesdienst in Frechen bei Köln. Hunderttausende Jugendliche hatten schon am Vorabend auf dem Marienfeld die Vigil, die Nachtwache, gefeiert und anschließend auf Isomatten auf dem Feld übernachtet.

"Man ist nicht wirklich zur Ruhe gekommen, aber es war auch nicht weiter schlimm. Ich hab ein bisschen einen Spaziergang gemacht, nach hinten weiter ins Feld rein und je weiter man nach hinten kam desto größer war die Party eigentlich," erzählt ein Teilnehmer.

"Eine einzigartige Erfahrung"

Das 260 Hektar große Marienfeld ist ein ehemaliger Braunkohletagebau. Das Feld ist zwar nur zweite Wahl, aus Naturschutzgründen fiel die erste Wahl, ein Flugplatz bei Bonn, heraus, im Nachhinein betrachtet hat sich das Marienfeld aber bewährt.

Am Morgen des Abschlussgottesdienstes sind überall Großleinwände und Lautsprecher aufgestellt damit die eine Millionen Jugendlichen aus 197 Nationen die Messe mitverfolgen können. Für die meisten Jugendlichen eine einzigartige Erfahrung:

Der Papst zelebriert den Gottesdienst auf dem zehn Meter hohen Papsthügel, der künstlich aufgeschüttet wurde und auch später nicht abgetragen wird. Auf dem Hügel mit einer Plattform von dreieinhalb Quadratkilometern steht auch der gastgebende Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner:

"Heiliger Vater, im Januar dieses Jahres sind wir mit 350 Jugendlichen aus 70 Nationen hier zum Marienfeld gepilgert und jeder brachte aus seinem Land ein Säckchen Heimaterde mit. Sie haben dann die Erde ihres Landes hier an dieser Stelle ausgeschüttet wo wir dann diesen Berg errichtet haben."

Zu dem Gottesdienst begrüßt der gastgebende Bischof Kardinal Meisner auch rund 10.000 Geistliche, darunter auch viele Kardinäle und Bischöfe. Die Predigt hält Papst Benedikt XVI. und beklagt darin eine seltsame Gottvergessenheit.

Die Begeisterung für den Glauben die sich der Papst durch den Weltjugendtag erhofft hat, lässt sich wissenschaftlich schlecht messen, es gab jedenfalls keinen sprunghaften Anstieg der deutschen Priesteramtskandidaten vielmehr zeichnet sich hier eine rückläufige Tendenz ab. Andererseits sind die Jugendbewegung "Night Fever" und die Taizé-Treffen in Köln aus dem Weltjugendtag hervorgegangen, vielleicht zwei Möglichkeiten der neuen Begeisterung.