Hörer und Moderator: Dompropst Dr. Norbert Feldhoff
Domprobst Norbert Feldhoff vor "seinem" Dom

27.03.2013 - 09:20

Dompröpste und ihre Aufgaben Dompropst

Deutschland ist in 27 Bistümer unterteilt, die Leitung hat der jeweilige Bischof – so weit so klar. Aber hat der Bischof auch Hausrecht in seinem Dom? Hat er nicht. Denn ob ein Bischof die Kathedrale betreten darf – darüber entscheidet ein anderer: der Dompropst.

Wie so häufig bei Begriffen aus dem kirchlichen Bereich hat auch die Bezeichnung Dompropst lateinische Wurzeln: praepositus heißt erst mal nichts anderes als vorgesetzt. Domus ist das Haus. Somit heißt Dompropst wörtlich übersetzt Vorgesetzter des Hauses. In der Kirche ist der Dompropst der Amtsträger, der im Dom das alleinige Hausrecht ausübt. So wie Norbert Feldhoff, Dompropst in Köln:

"Ich finde es schon eine große und schöne Verantwortung, diesen Dom, der DIE Touristenattraktion Deutschlands ist, als Gotteshaus zu verteidigen und dafür einzutreten, dass den Menschen bewusst ist: Hier ist ein Ort wo gebetet wird, wo Gottesdienste gefeiert werden, wo Sakramente gespendet werden, dass es nicht NUR eine Touristenattraktion ist."

Gewöhnlich steht der Dompropst an der Spitze des so genannten Domkapitels. Das Domkapitel wiederum ist die Körperschaft von Geistlichen an einer Domkirche. In Deutschland bestehen sie meist aus den Domdekanen, den Domkapitularen und natürlich dem Dompropst. Sie halten den Gottesdienst im Dom und bilden den Rat des Bischofs. Das Domkapitel schlägt den Bischof vor oder wählt ihn, wobei der Papst ihn bestätigen muss oder einen anderen ernennt.

Viel Zeit verbringt ein Dompropst mit nüchterner Verwaltungsarbeit, denn er ist der Dienstvorgesetzte aller haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter des Doms. Somit steht auch die gesamte Domhütte, zur Instandhaltung der Kathedrale, unter seiner Verwaltung.

Im Mittelalter war es nicht notwendig, dass der Propst selbst Geistlicher war. Häufig wurde das Amt von Adligen übernommen, da es mit großen Pfründen, also Einkommen, verbunden war. Eine der wichtigsten Propsteien bildete das St.-Cassius-Stift an der Bonner Münsterkirche. Dessen Propst war der mächtigste Mann nach dem Erzbischof, und seine Einkünfte überstiegen die des Kölner Dompropstes um das Doppelte. Und die seines Mainzer Kollegen um das Vierfache. Nicht zuletzt deshalb gab es unter den Stiften einen fortdauernden Kampf um die Vorherrschaft.

Als bedeutender Dompropst ist der Berliner Bernhard Lichtenberg in die Geschichte eingegangen. Er zeigte öffentlich Widerstand gegen das NS-Regime. Nach der Reichskristallnacht 1938 sagte er in einer Predigt:

„Was gestern war, wissen wir. Was morgen ist, wissen wir nicht. Aber was heute geschehen ist, haben wir erlebt. Draußen brennt der Tempel. Das ist auch ein Gotteshaus.“

Fortan betete Lichtenberg täglich für die Juden. Aber schon bald verhaften ihn die Nazis, und 1943, auf dem Transport ins KZ Dachau, stirbt der Dompropst unter ungeklärten Umständen. 1996 sprach Papst Johannes Paul der Zweite Lichtenberg selig.

Auf ganz anderem Weg kommt Heinz Werner Ketzer zu Ruhm. Abgesehen von dem Gegensatz zwischen seinem Namen „Ketzer“ und seinem Amt als Kölner Dompropst sorgte er mit seinen Predigten für Erheiterung. Der Rat, den er den Kölner Fußballklubs einst gab, ist unvergessen:

„Sie sollen zur heiligen Rita für aussichtslose Angelegenheiten beten, dann werden wir ja sehen.“

1981 wurde er in Aachen zum 32. Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst berufen. Denselben Orden bekam Jahre später auch Bernard Henrichs, ebenfalls Dompropst in Köln. Humor hatte für ihn eine zentrale Bedeutung:

„Humor ist eigentlich das, was aus dem Augenblick heraus all das ein wenig glättet, was schwierig ist, das es von der guten Seite sieht [sic], und was also für Nerven und Seele durchaus den besseren Bereich abgibt.“

Und mit diesem Rezept hat er auch viel Anerkennung bekommen, nach seinem Tod wurde er für seinen Humor, seine Schlagfertigkeit sowie den gelebten „Rheinischen Katholizismus“ gefeiert.