Papst Johannes XXIII. mit Roger Schütz, Prior der Gemeinschaft von Taizé
Papst Johannes XXIII. mit Roger Schütz, Prior der Gemeinschaft von Taizé

25.11.2018 - 20:00

Der Übergangspapst, der keiner war Geburtstag von Papst Johannes XXIII.

Heute ist der Geburtstag von Papst Johannes XXIII.. Der Roncalli-Papst hat weitreichende Reformen innerhalb der katholischen Kirche auf den Weg gebracht - bekannt unter dem Namen "Zweites Vatikanisches Konzil".

Rom, 28. Oktober 1958. Rund 300.000 Menschen haben sich auf dem Petersplatz versammelt, gespannt warten sie seit Stunden auf eine weiße Rauchfahne über der Sixtinischen Kapelle, die die Wahl eines neuen Papstes verkündet.

Nicht ganz unerwartete Wahl

Dann ist es soweit, um 17.00 Uhr steigt weißer Rauch auf und eine Stunde später ruft Kardinaldiakon Cornali von einem Balkon der Peterskirche den Gläubigen zu:

"Ich verkünde euch eine große Freude, Habemus Papam, wir haben einen Papst und zwar den durchlauchtigsten und ehrwürdigsten Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli, der sich den Namen Johannes XXIII. gegeben hat."

Wer bei den italienischen Buchmachern auf den Bauernsohn aus dem kleinen Dorf Sotto il Monte in der Nähe von Bergamo gewettet hat, wird kein reicher Mann.

Kardinal Roncalli ist neben dem armenischen Kardinal Agagianian einer der großen Favoriten für die Papstwahl gewesen. Der Doktor der Theologie aus Oberitalien wird nicht nur in der Öffentlichkeit als unscheinbarer Übergangspapst gehandelt, das Wahlgremium sieht es ähnlich.

Ein Papst voll wahrhaftiger Nächstenliebe

Der bereits 77-jährige Roncalli, der Patriarch von Venedig, soll nach dem 19 Jahre dauernden Pontifikat Pius XII. für eine Verschnaufpause sorgen, doch Kirche und Weltöffentlichkeit werden schnell eines Besseren belehrt:

"Ich muss doch alle die kennenlernen, die in meiner Umgebung mit mir arbeiten."

Mit diesen Worten besucht der neue Papst schon wenige Tage nach seiner Wahl die Büros des Senders Radio Vatikan, unangemeldet. Papst Johannes XXIII. hat die Herzen der Menschen schnell erobert. Er hebt das übliche Besuchsverbot für die Vatikanischen Gärten auf, das besteht wenn er selbst dort spazieren geht und er sagt nicht "wir" wenn er von sich selbst spricht.

Saat der Erneuerung

"Entscheidend ist der Eifer des guten Hirten. Bereit zu jedem noch so kühnen aber geheiligten Unternehmen, geradlinig und stetig auch unter dem größten Opfer."

Papst Johannes XXIII. wird trotz seiner nicht einmal fünf-jährigen Amtszeit einige kühne Unternehmen auf den Weg bringen. Er gibt eine neue Fassung des Kirchlichen Gesetzbuches in Auftrag, verlässt als erster Papst nach fast 100 Jahren wieder den Vatikan für eine Reise, was ihm den Spitznahmen "Johnny Walker" einbringt. Er sucht den Kontakt zu den Ländern des Kommunismus und empfängt im März 1962 Tochter und Schwiegersohn Nikita Chruschtschows.

Neuanfang der Ökumene

Doch seine bedeutendste Handlung ist die Einberufung eines großen ökumenischen Konzils:

"Wir wollen nicht aufzuzeigen suchen, wer Recht oder Unrecht hat, die Verantwortung ist geteilt. Wir wollen nur sagen 'kommen wir zusammen, machen wir den Spaltungen ein Ende'."

Betrauerter Hirte

Papst Johannes XXIII. hat für das Zweite Vatikanische Konzil drei Monate veranschlagt, es werden drei Jahre daraus. So viel Zeit bleibt dem schwerkranken Mann aus Oberitalien nicht mehr, er stirbt am Pfingstmontag dem 3. Juni 1963. Kein Papst ist so von den Menschen betrauert worden wie Angelo Giuseppe Roncalli, der wegen seiner liebevollen Art und Volksnähe von den Gläubigen "Johannes der Gute" genannt wird.