Illustration unerfüllter Kinderwunsch
Das Kind ist laut Katechismus das "vorzüglichste Geschenk der Ehe"
Angesichts der Reproduktionsmedizin und neuer Familienkonstellationen muss auch die Zuordnung von Kindern zu Eltern neue Regeln finden.
Angesichts der Reproduktionsmedizin und neuer Familienkonstellationen muss auch die Zuordnung von Kindern zu Eltern neue Regeln finden.

10.03.2018 - 11:28

Das päpstliche Lehrschreiben "Donum Vitae" Mutter, Vater – Kind?

In die katholische Ehe gehören Kinder. Wenn das nicht klappt, hilft die "Instruktion Donum Vitae über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung" der deutschen Bischöfe vom 10.03.1987.

Kinder sind einer der beiden Hauptzwecke der katholischen Ehe. So versteht es die Kirche ganz offiziell. Im Katechismus, dem Handbuch zu Grundfragen des christlichen Glaubens, steht: "Durch die Vereinigung der Gatten verwirklicht sich der doppelte Zweck der Ehe: das Wohl der Gatten selbst und die Weitergabe des Lebens."

Wer diese beiden Werte der Ehe voneinander trennt, beeinträchtigt damit nicht nur das geistliche Leben des Ehepaares, sondern der stellt sogar die Güter der Ehe und die Zukunft der Familie aufs Spiel, wird im Katechismus gewarnt. Die Bedeutung von Kindern in der Ehe ist enorm: Sie sind ein Geschenk, sagt der Katechismus und zwar das "vorzüglichste Geschenk der Ehe".

Keiner hat ein Recht auf ein eigenes Kind

Das bedeutet aber auch: Es gibt nach katholischem Verständnis kein Recht auf ein eigenes Kind. Das trifft vor allem die Paare, die biologisch keinen Nachwuchs bekommen können. Ihre Ehe ist deswegen nicht ungültig – sofern sie miteinander geschlafen, die ehe also "vollzogen" haben. Der Katechismus betont in dem Zusammenhang, dass körperliche Unfruchtbarkeit kein absolutes Übel sei und weiter: "Eheleute, die, nachdem sie alle berechtigten medizinischen Hilfsmittel ausgeschöpft haben, weiterhin an Unfruchtbarkeit leiden, werden sich dem Kreuz des Herrn anschließen, dem Quell aller geistlichen Fruchtbarkeit."

Damit erkennt die Kirche zum einen an, dass eine ungewollte Kinderlosigkeit ein Leiden ist, wirft aber auch eine Frage auf, die seither viel diskutiert wird: Was sind die "berechtigten medizinischen Hilfsmittel"? Eine Antwort darauf gibt das päpstliche Lehrschreiben "Donum Vitae", vom 22. Februar 1987 – und die nur wenige Wochen später dazu veröffentlichte Übersetzung der Deutschen Bischofskonferenz.

Was geht und was geht nicht?

Künstliche Samenübertragung oder Befruchtung werden in dem Schreiben von der Kirche jedenfalls abgelehnt, denn: "Sie trennen den Geschlechtsakt vom Zeugungsakt. (…) Somit vertraut man das Leben und die Identität des Embryos der Macht der Mediziner und Biologen an und errichtet eine Herrschaft der Technik über Ursprung und Bestimmung der menschlichen Person". So raube man der Fortpflanzung ihre eigene Vollkommenheit, lautet der vertretene Standpunkt in Donum Vitae.

Das Kind hat ein subjektives Recht auf natürliche Zeugung. Künstliche Befruchtung widerspricht demgemäß der Gleichwertigkeit von Eltern und Kind. Die Kirche spricht hier von einer "personellen Ordnung", die einzuhalten ist und die künstlichen Eingriffen in die Fortpflanzung einen moralischen Riegel vorschiebt.

Warum ist die Kirche gegen künstliche Hilfen?

"Diese Eingriffe sind nicht etwa deshalb abzulehnen, weil sie künstlich sind. Insofern zeigen sie die Möglichkeiten ärztlicher Kunst auf, aber man muss sie aus moralischer Sicht bewerten, indem man sie auf die Würde der menschlichen Person bezieht, die gerufen ist, die göttliche Berufung zum Geschenk der Liebe und zum Geschenk des Lebens zu verwirklichen", heißt es in dem Lehrschreiben dazu.

Außerdem führt die künstliche Befruchtung noch zu einem anderen, ethischen Problem: Denn es werden grundsätzlich immer mehrere Eizellen befruchtet - nach deutschem Recht höchstens drei. Es werden auch alle der Frau eingepflanzt, aber manchmal bleiben befruchtete Eizellen, übrig – und müssen entsorgt werden.

Auch Techniken, die durch das Einschalten einer dritten Person, also durch eine Ei- oder Samenspende oder in Form einer Leihmutterschaft aus dem Kinderwunsch Wirklichkeit machen können, lehnt die Kirche ab. In Donum Vitae heißt es dazu: "Diese Techniken verletzen das Recht des Kindes, von einem Vater und einer Mutter abzustammen, die es kennt und die miteinander ehelich verbunden sind. Sie verletzen ebenso das Recht beider Eheleute, "da[ss] der eine nur durch den anderen Vater oder Mutter wird."

Auf einer Linie mit dem Gesetz

Das sieht der deutsche Gesetzgeber übrigens genauso: Die Leihmutterschaft ist hierzulande wie in den meisten europäischen Ländern verboten und für die Beteiligten sogar strafbar. Der Grund sind auch auf rechtstaatlicher Ebene ethische und rechtliche Bedenken. Eine Mutterschaft kann nicht verliehen werden, denn - nach deutschem Recht - ist und bleibt grundsätzlich nur die Frau, die das Kind austrägt, auch die rechtmäßige Mutter.

Außerdem befürchtet der Gesetzgeber eine Kommerzialisierung; das Geschäft mit dem geliehenen Bauch hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen. Bis zu mehrere zehntausend Euro zahlen Eltern für eine Leihmutter.

Die Vertretung der katholischen Bischöfe auf EU-Ebene, COMECE, weist zudem auf eine weitere Gefahr der Leihmutterschaft hin: "Leihmutterschaft führt zu einer Ökonomisierung des Kindes. Diese (...) verletzt das Verbot, den menschlichen Körper und Teile davon als solche zur Erzielung von Gewinnen zu nutzen. (...) Gezwungene Leihmutterschaft  ist außerdem eine neue Form des Menschenhandels, dessen Opfer die Leihmütter und die Kinder sind", heißt es in einer Stellungnahme der Kommission aus dem Jahr 2015.

Man verurteilt einen "Fortpflanzungstourismus" und appelliert an die Politik, den Markt für Leihmutterschaften nicht als gegebene oder unumkehrbare Sache anzunehmen.

Fünf Eltern und trotzdem Waise

Rechtlich hat das in Europa schon zu skurrilen Fällen geführt, wie etwa mit einem Jungen, an dessen Zeugung fünf Menschen beteiligt waren: Ein Samenspender, eine Eizellenspenderin, eine Leihmutter und ein schwules Pärchen, das gerne Eltern werden wollte.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in einem Grundsatzurteil in diesem Fall das nationale Leihmutterschaftsverbot verteidigt, mit dem Ergebnis: Der Junge hat keine Eltern. Er ist ein Waisenkind und lebt heute bei einer Pflegefamilie.

Und was rät die Kirche?

Die katholische Kirche weiß um das Leid, der ungewollten Kinderlosigkeit, daher empfiehlt sie Ehepaaren, die ihr Leben trotz Unfruchtbarkeit mit einem Kind teilen möchten: "Sie können ihre Großmut zeigen, indem sie verlassene Kinder adoptieren oder anspruchsvolle Dienste an anderen erfüllen." 

Eine katholische Familie könnte auf diese Weise dann auch geboren werden, aber den Kinderwunsch der Betroffenen scheint das nicht zu treffen. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen, Experten zufolge hat die Anzahl der Angebote etwa für Leihmutterschaften in den letzten Jahren in Deutschland und in Europa deutlich zugenommen.

Marion Sendker

(DR)