Zweites Vatikanisches Konzil
Zweites Vatikanisches Konzil

28.10.2017 - 09:10

Beschluss im Zweiten Vatikanum legt Grundstein für Interreligiösen Dialog Christlich-Jüdische Verständigung in "nostra aetate"

Die Feindschaft zwischen Juden und Christen hat über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen den Religionen getrübt. Ein Beschluss im Zuge des Zweiten vatikanischen Konzils ändert das.

Rund zehn Jahre nach Kriegsende und Holocaust geht die katholische Kirche einen bedeutenden Schritt. Zwischen 1962 und 1965 verfassen die Bischöfe auf dem zweiten Vatikanischen Konzil eine allgemeine Neuausrichtung des kirchlichen Lebens. Darin nimmt die Erklärung nostra aetate (lat. "in unserer Zeit") eine besondere Rolle ein:

"Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet."

Aufforderung zur Teilhabe

Der damalige Papst Johannes XXIII. meint es ernst mit dem Kirchendialog. Im Vorfeld des Konzils fordert er Fakultäten und Theologen in der ganzen Welt auf, Vorschläge für die Diskussionen des Konzils zu machen. In vier Sessionen zu jeweils zwei bis drei Monaten wird im Petersdom über die brennenden Fragen der Moderne beraten: neue Kommunikationsmittel, die Rolle der Laien in der Kirche und nicht zuletzt der Umgang mit anderen Religionen. Im Jahr 1963 allerdings nimmt der Verlauf des Konzils eine unerwartete Wendung: Johannes XXIII. stirbt und das Konzil droht zu scheitern.

Kirche in der Moderne

Mit Paul VI. wird aber glücklicherweise ein Unterstützer des Vatikanums zum neuen Papst gewählt. Er ist der erste Papst, der Israel besucht.- Währenddessen arbeitet das Konzil revolutionäre Neuerungen der katholischen Kirche aus. Die Volkssprachen der einzelnen Länder lösen das Lateinische endgültig offiziell als Gottesdienstsprache ab. Die wissenschaftliche Erforschung der Bibel wird gestattet: Damit wird die Kirche zu einer Pilgerstädte der Gläubigen, die Mitverantwortung in ihren Gemeinden tragen sollen. Dazu kommt die Versöhnung mit den anderen Religionen – speziell die Würdigung des Judentums. Vorher hatte es seit mehr aus tausend Jahren geheißen: "extra ecclesia non salus" – außerhalb er Kirche kein Heil.

Anhaltende Wirkung

Im Zuge vom nostra aetate öffnet sich die Kirche anderen Glaubensrichtungen. Sie erkennt das Judentum als Ursprung der christlichen Religion an und regelt auch das Verhältnis zum Kreuzestod Christi:

"Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen."

Die Zeichen stehen auf Versöhnung und Anerkennung. Bis heute hält dieser Gedanke an: die katholische Kirche steht im ständigen Dialog mit Zentralrat der Juden. Das Verhältnis zum Judentum bleibt besonders im Vergleich mit denen zu anderen Religionen: das Christentum hat seinen Ursprung im jüdischen Glauben und ist daher besonders eng mit ihm verbunden.

 

Moderation: Pia Steckelbach