Die Krypta von Montecassino mit der Grabstätte des Benedikt von Nursia
Die Krypta von Montecassino mit der Grabstätte des Benedikt von Nursia

11.07.2017 - 09:20

Anno Domini: Der Vater der Mönche Benedikt von Nursia

Am 11. Juli feiert die Kirche das Fest des Heiligen Benedikt von Nursia. Er ist der Begründer des Benediktiner-Ordens.

Das Kloster als Ort des Gebetes und der Besinnung: Schon früh hat der Mensch die Abgeschiedenheit vom hektischen Treiben der Welt als den idealen Ort erkannt für die Suche nach Gott.

Ora et labora

Beten und arbeiten in festgelegten Zeiten – ein klarer Tagesablauf in der Gemeinschaft der Ordensbrüder – was bis heute die tragenden Säulen für ein klösterliches Leben sind, wurde bereits im 6. Jahrhundert zu Grunde gelegt – von einem Mann, der heute als Vater der Mönche gilt: Benedikt von Nursia.

Um das Jahr 540 - Nursia verfasste die Regula Benedicti

Die Kloster-Regel, die zur Grundlage für den Benediktinerorden wurde und bis heute jedes klösterliche Leben prägt.

"Constituenda est ergo nobis dominici schola servitii  ...

Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. Dabei hoffen wir, nichts Schweres festzulegen. Sollte es jedoch etwas strenger zugehen, dann lasst euch nicht sofort von Angst verwirren, flieht nicht vom Weg des Heils, er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im klösterlichen Leben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes."

Zunächst ist sie nur als Regel für seine eigene Gemeinschaft gedacht, die er auf dem abgelegenen Montecassino gegründet hat.

Regelwerk entstand aus verwehrtem Rückzug

Angewidert vom lasterhaften Leben im nahe gelegenen Rom, hat Benedikt von Nursia sich nach Montecassino zurückgezogen.

Zunächst lebt er völlig alleine in einer Höhle. Später in einem Kloster, doch die Mönche dort sind disziplinlos.

Benedikt gründet eine eigene Gemeinschaft.

Seine Regel will das klösterliche Leben in rechte Bahnen lenken

Nursias Regel stellt vor allem zwei Dinge in den Mittelpunkt: Das Leben in der Gemeinschaft und das Gebet.

Das Stundengebet, das noch heute unter Ordensleuten und Priestern gebetet wird, geht in seiner Struktur auf die Regel Benedikts zurück. Es zieht sich wie eine Richtschnur durch den Tagesablauf im Kloster. Zwischen den festgelegten Gebetszeiten will Benedikt keine Ruhephasen haben, denn:

"Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit körperlicher Arbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein."

Abtrennung von der Welt

Nichts soll die Mönche abhalten von der ungestörten Hingabe an Gott. Darum wählt Benedikt die Abgeschiedenheit.

Mit einer Mauer ist der Klosterbereich von der Welt getrennt, und die Brüder bleiben dort, in der Stätte der beständigen Geborgenheit.

Vor Benedikt zeichneten sich das Mönchsleben vor allen Dingen durch Ruhelosigkeit und ein ständiges Umherziehen aus.

Der Organisator

Benedikts Regel hat das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt.

Den Ordensleuten wird jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden.

Doch Benedikts Regel schafft nicht nur Ordnung. Wichtig ist ihm die Nächstenliebe und die gegenseitige Nachsicht innerhalb der Klostergemeinschaft.

Benedikt hat auch die organisierte klösterliche Pflege begründet. Von seinem Namen Benedikt von Nursia leitet sich darum das englische Wort für Krankenschwester nurse ab.

Vom Kloster in die Welt

Benedikts Regel wird im beginnenden Mittelalter auch außerhalb des Klosters als Gesellschaftsmodell angenommen.

In die Unruhe und Auflösungstendenzen der damaligen Zeit brachte er das Prinzip der Beständigkeit, das Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen.

Dazu kam, dass in den Klöstern alle Menschen aufgenommen wurden und als gleich galten. Der Unterschied zwischen zivilisierten Römern und barbarischen Germanen war aufgehoben.

Alle Menschen sollten brüderlich miteinander umgehen. Das Klosterleben nach Benedikts Regel war dafür das Modell.

Bedeutende Benediktiner

Aus Benedikts Gemeinschaft auf dem Montecassino ist der größte christliche Orden weltweit geworden – die Benediktiner.

Durch Benedikts Regel wurden die Klöster zur Keimzelle der geistigen und sozialen Entwicklung im Mittelalter. Darum wird der Heilige Benedikt von Nursia heute als Patron Europas bezeichnet, denn seine Regel gilt als das erste perfekte Produkt des christlich-abendländischen Geistes.