16.05.2013 - 09:20

Aus Wut wurde Hilfe für Äthiopien Menschen für Menschen - Karl-Heinz Böhm

In einem Landrover durchquert Karl-Heinz Böhm das erste Mal Äthiopien. Er sieht wunderschöne Landschaften aber vor allem: Tausende Menschen, die dem Tode nahe sind. Karl-Heinz Böhms Wut über die Ungerechtigkeit auf dieser Welt und der Wille, etwas tun zu wollen, besiegen seine Ohnmacht und Verzweiflung. Bei der Umsetzung seiner Ideen hilft ihm vor allem der griechische Philosoph Sokrates.

"Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das ist für mich der entscheidende Lehrsatz eigentlich meines ganzen Lebens immer gewesen, denn lernen kann man ja alles und ich hab einfach meine Augen weit aufgemacht. Ich hab beobachtet, ich hab gesehen, ich hab mich gefragt "Warum sind diese Menschen so arm? Was hat sie daran gehindert, sich zu entwickeln? Was sind die Ursachen? Was brauchen sie tatsächlich und warum? Was sind sie in der Lage selber zu entwickeln?""

Auf dem Weg zu einem Lager im Babile, 560 km von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, fährt Karl-Heinz Böhm im Oktober des Jahres 1981 durch das Erratal, ein grünes und fruchtbares Tal, das er aber fast menschenleer vorfindet. Verwundert und gleichzeitig begeistert über die Möglichkeiten die dieses Land bietet, kommt er in Babile an und trifft Mohammed Ali:

"Damals, kurze Zeit nach dem Krieg zwischen Äthiopien und Somalia ging es mir und meiner Familie sehr schlecht. Wir hatten nichts mehr zu essen und waren so sehr geschwächt, dass wir unsere Arbeit als Bauern nicht mehr ausüben konnten. Als Karl-Heinz Böhm 1981 kam waren wir sehr glücklich, er kam auf uns zu mit offenen Armen und er half uns mit Medikamenten und Nahrung, die schlimmste Zeit zu überstehen. Er hat uns das Leben gerettet und vor allem hat er uns wieder eines gegeben - Hoffnung. Hoffnung auf einen Neuanfang."

Auch Alis Tochter Saan erhält eine Chance auf einen Neuanfang. Als sie das erste Mal Karl-Heinz Böhm begegnet, ist sie noch ganz klein:

"Ich war noch ein Baby als Karl zu uns kam, aber als ich groß war habe ich gesehen, was er hier getan hat. Er hat Wasserpumpen für uns gebaut und auch die Schulen hat er gebaut. Dadurch haben wir gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen und für uns selbst zu sorgen. Den Erfolg sehe ich nun an meinen eigenen Kindern. Durch die Hilfe von Gott und Karl haben sie jetzt eine Zukunft."

Mittlerweile lebt Saan mit ihren Kindern im Dorf Nagaya, was Frieden bedeutet. Insgesamt 4 Dörfer sind inzwischen im Erratal entstanden, in Nagaya, Biftu, Eva und Abdi wohnen jetzt 4.000 Menschen. Karl-Heinz Böhms Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" ist längst nicht mehr vor Ort aus gutem Grund.

"Ich glaube, die Menschen müssen endlich mal eine Möglichkeit haben, sich selbst zu entwickeln und das ist, was ich versuche: den Menschen die Möglichkeit zu geben, eine Äthiopische Entwicklung zu machen, keine die vom Deutschen oder Österreichischem oder Schweizer Geld geprägt wird. Obwohl wir ihnen natürlich eine Möglichkeit geben, die sie aufgrund ihrer Armutssituation selbst nicht durchführen könnten. Aber, es muss immer so sein, dass sie es selbst tragen."

Bereits die zweite Generation Äthiopier trägt nun Verantwortung in den Projektgebieten von "Menschen für Menschen". Einen Traum hat Karl-Heinz Böhm allerdings immer noch:

"Ich wünschte mir, dass es dahin kommt, dass eines Tages in Äthiopien die verantwortlichen Regierungsleute zu mir sagen, dass sie mich nicht mehr brauchen. Das wäre die Erfüllung meines größten Wunsches."