Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf
Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf

16.07.2017 - 09:20

911 Jahre Bruch zwischen Ost- und Westkirche Das Morgenländische Schisma

Die Glaubensspaltung am 16. Juli im Jahre 1054 war ein ganz markantes Ereignis in der Kirchengeschichte: Die Katholische Kirche spaltete sich in die lateinische Kirche des Westens sowie in die griechische Kirche des Ostens.

Die Spaltung der Katholischen Kirche wird formell über 900 Jahre anhalten wird.

Blanko-Bannbulle und gescheiterte Verhandlungen

"So übergebe ich euch hiermit diese Bannbulle, auf ewig seiet ihr und all die, die euren Irrlehren folgen, exkommuniziert. Ihr gehöret mit dem heutigen Tag nicht mehr der Heiligen Katholischen Kirche an."

Besagt die päpstliche Bannbulle, die, Kardinal Humbert von Silva Candida eigenmächtig ausgestellt hat.

Papst Leo IX. hat seinem Unterhändler eine Blankourkunde mitgegeben. Den Ausgang der Verhandlungen erlebt der schwerkranke Papst schon nicht mehr, er stirbt am 19. April in Rom, drei Monate vor der Übergabe der angeblich päpstlichen Bannbulle.

Vorgeschichte

Bereits im Jahre 451 kommt es wegen der von Konstantinopel geforderten Gleichstellung zu Rom, zum Streit. Papst Leo I. verweigert dem Patriarchen die Rechte wie sie der Bischof von Rom inne hat.

In den kommenden Jahrhunderten kommt es zu gegenseitigen Exkommunikationen, die allerdings nur von kurzer Dauer sind. Im Jahr 1053 steht der bis dahin schwelende Konflikt endgültig vor dem Ausbruch.

Streit um Heiligen Geist – Schließung von Kirchen und Klöstern

"Hiermit ordne ich, Michael Kerullarios, Patriarch von Konstantinopel und Oberhaupt der Orthodoxen Christenheit an, dass alle Lateinischen Kirchen und Klöster in Konstantinopel sofort zu schließen sind."

Dogmatische und Liturgische Unterschiede haben dem Patriarchen die Argumente für diesen Affront gegen Rom geliefert.

Scharf kritisiert Kerullarios die römische Auffassung, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn und nicht vom Vater durch den Sohn ausgehe.

Außerdem wendet er sich dagegen, dass römische Priester nicht heiraten dürfen, wie es in der ost-römischen Kirche erlaubt ist.

Dialogus verschärft Lage

Kardinal Humbert da Silva Candida, der spätere Unterhändler des Papstes, antwortet in einer Schrift, die er ausgerechnet Dialogus betitelt, mit scharfen Gegenvorwürfen.

Die Ehe von Priestern bezeichnet er als Ehebruch, die orthodoxe Auffassung vom Heiligen Geist als Irrlehre.

Der Bruch

Den verbalen Attacken folgt 1 Jahr später, am 16. Juli des Jahres 1054, die endgültige Trennung der beiden Kirchen.

Aufgehoben wurde die Trennung offiziell am 7. Dezember 1965 zur gleichen Stunde in Rom und Konstantinopel.

911 Jahre nach der päpstlichen Bannbulle, die eigentliche keine päpstliche war.