Vor sieben Jahren gab das Erzbistum Berlin den Sakralbau im Zuge einer Gemeindefusion auf. Nun erwarb König, einer der bekanntesten Berliner Galeristen, das frühere Gotteshaus samt Gemeinde- und Kitaräumen. Statt Messen und Andachten sollen dort künftig nun Ausstellungen zeitgenössischer Kunst stattfinden. Im April kann König die Immobilie übernehmen. Dann will er bereits einen Entwurf für die Umgestaltung vorlegen.
"Er ist einfach ideal für Ausstellungen", meint König über den Betonbau, der in den 1960er Jahren nach einem Entwurf des renommierten Architekten Werner Düttmann in den kubischen Formen des "Neuen Bauens" entstand. Eigentlich war der 30-Jährige, der seit zehn Jahren eine Galerie in der Hauptstadt unterhält und derzeit rund 20 internationale Künstler vertritt, vor zwei Jahren auf der Suche nach einer Eigentumswohnung. Doch ein Architekt machte ihn auf die entwidmete katholische Kirche unweit des Jüdischen Museums aufmerksam, die zwischenzeitlich an eine freikirchliche Gemeinde vermietet war.
König erkannte sofort das Potenzial der massiv wirkenden, dreischiffigen Basilika. Auch das angrenzende, eher triste Hochhausviertel schreckte ihn nicht. Er konnte sich schließlich gegenüber den Mitbewerbern durchsetzen und mit Vertragsverhandlungen beginnen. Maßgeblich daran beteiligt war das "D:4 Büro für Kirche und Kultur", das sich unter anderem auf die Umnutzung früherer Kirchenimmobilien spezialisiert hat. Im vergangenen Dezember unterzeichneten König und die zuständige Sankt Bonifatiusgemeinde den Vertrag. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.
Wohl drei Millionen Euro nötig
Das Erzbistum musste in den vergangenen Jahren rund 20 Kirchen aufgeben. Es begrüßt die "würdige Nutzung" des früheren Gotteshauses als Galerie. Auch Gemeindepfarrer Ulrich Kotzur freut sich. Unter den gegebenen Nutzungsmöglichkeiten sei die nun gefundene Lösung "ziemlich gut". Wehmut über die Entwicklung spürt er nicht in seiner Gemeinde. Sie habe schon bei der Entwidmung ihres Gotteshauses Abschied genommen. Kotzur ist Realist: Schon wegen der hohen Investitionskosten hätte die Gemeinde den Bau nicht halten können. Nicht zuletzt daran scheiterte der Verkauf an die freikirchliche Gemeinde, die ihn zwischenzeitlich nutzte.
Jetzt ist es an König zu investieren. Er rechnet mit rund drei Millionen Euro. Ein großes Problem ist der teilweise durchnässte Stahlbeton, aus dem der Frost kleine Teile herausgesprengt hat. Doch der Galerist hat sich dabei ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Bereits im kommenden Jahr - möglichst im Frühling - will er aus seinen bisherigen Räumen in einer ehemaligen Druckerhalle unweit des Martin-Gropius-Baus umziehen. Bis dahin gibt es jedoch noch viel zu tun: Möglichst mit einem Berliner Architekten, der mit dem städtischen Umfeld vertraut ist, will er den denkmalgeschützten, rund 800 Quadratmeter großen Kirchenraum behutsam umgestalten.
Obwohl König "als typisches Kind der 68-er Generation" nicht getauft und religiös erzogen ist, empfindet er sein neues Domizil als etwas Besonderes. Sein Wunsch ist es, dass in seinem neuen Standort - wie bei der ursprünglichen Nutzung - auch sonntags Leben herrscht. Er möchte die Galerie auch an diesem Tag öffnen und die Arbeiten seiner Künstler, die ihre Werke schon auf der "documenta" in Kassel und der Biennale in Venedig gezeigt haben, präsentieren. Vielleicht können die Besucher anschließend in einem Cafe oder Restaurant in dem Gebäudekomplex entspannen. König hofft, solche Einrichtungen, aber auch Buchläden für den ungewöhnlichen Standort zu begeistern.
In Kreuzberg wird eine Kirche zum Kunsttempel
Galerie statt Gotteshaus
Wenn Johann König von "seiner Kirche" spricht, gerät er ins Schwärmen. Helligkeit und Großzügigkeit seien einfach phantastisch. Die frühere Sankt-Agnes-Kirche in Berlin-Kreuzberg schätzt er nicht aus der Sicht eines Gottesdienstbesuchers. Er will sie zur Galerie machen.
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