Bolivien will für seinen Lithium-Schatz eine gute Dividende

Schwierige Partnersuche

Rund fünf Millionen Tonnen Lithium sollen im Salar de Uyuni liegen, einer Salzwüste im Südwesten Boliviens, zugleich eine der bedeutendsten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten des Landes. Gesucht wird nun ein strategischer Partner, der hilft, den Schatz zu heben.

Autor/in:
Tobias Käufer
 (DR)

Boliviens Präsident Evo Morales drückte vor versammelter Medienschar aufs Tempo: "Wir müssen so früh wie möglich mit dem Bau einer Pilotanlage für Lithium-Batterien beginnen, um danach für die Großindustrie fertigen zu können." Von allen eingegangenen Angeboten habe "das chinesische die größten Vorteile"; aber auch Finnland sei "noch nicht aus dem Rennen". Das klingt, als seien die Verträge schon beinahe unter Dach und Fach. Doch hinter den Kulissen wird weiter hart verhandelt. Erst 2012 will die Regierung in La Paz offiziell ihre Entscheidung bekanntgeben, wer dem südamerikanischen Land beim Lithium-Abbau helfen darf.



Gesucht wird ein strategischer Partner, der den Bolivianern hilft, den Schatz zu heben und zu veredeln, der das Land in eine goldene Zukunft führen soll. Das Objekt der Begierde liegt auf 3.600 Metern Höhe im Salar de Uyuni, einer Salzwüste im Südwesten der Andenrepublik, die zugleich zu den bedeutendsten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Boliviens gehört. Rund fünf Millionen Tonnen Lithium, laut US Geological Survey die Hälfte der weltweiten Reserven, werden hier vermutet. Damit ist Bolivien für die Lithium-Gewinnung, was Saudi-Arabien fürs Öl ist.



"Öl der Zukunft"

Von Morales ist der Satz überliefert, dass Bolivien die weltweite Lithium-Nachfrage für die "nächsten 5.000 Jahre abdecken" könne. Er will vom "Öl der Zukunft" ordentlich profitieren. Die Nachfrage nach dem Alkalimetall, das zur Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus benötigt wird, steigt stetig. Dafür sorgen nicht nur die Handy- und Laptop-Akkus, sondern besonders der steigende Absatz von Elektroautos mit Batterie.



Alid Cabrera, Wirtschaftsjournalist von "La Epoca" aus La Paz, rechnet vor: "Vor zehn Jahren kostete Lithium 300 Dollar pro Tonne. Heute sind es 3.000 Dollar - und die Preise steigen weiter. Lithium kann der Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung Boliviens werden." Nach Schätzungen des nationalen Bergbauverbandes Comibol liegt der Wert allein für den Verkauf des Rohstoffs bei mehr als 400 Milliarden Dollar (Tageskurs 280 Milliarden Euro). Wenn es gelingt, eine weiterverarbeitende Industrie im Land zu etablieren, winkt ein Vielfaches - und vor allem Arbeitsplätze. Allein: Es fehlt an der Infrastruktur in dem bitterarmen Land.



Das "weiße Gold" lagert unter einer gewaltigen Salzschicht. Tonnen von Gestein müssen bewegt und für den Abtransport des flüssigen Stoffes Pipelines im großen Stil errichtet werden. Hierfür wie auch für die Weiterverarbeitung fehlen Bolivien Knowhow und Kapital. "Wir brauchen die Technologie, um Lithium-Batterien zu fertigen. Und weil wir dabei Lichtjahre hinterher sind, brauchen wir einen strategischen Partner", meint Freddy Beltran aus dem Bergbauministerium realistisch.



Schwieriger Balanceakt

Die Verhandlungen sind ein schwieriger Balanceakt. Zwar stehen internationale Konsortien Schlange, um beim "Goldrausch" Boliviens mit dabei zu sein. China und Finnland, aber auch Japan, Südkorea, Venezuela, Iran und Brasilien haben Interesse bekundet. Für Bolivien gilt es nun vor allem, die historische Chance zu nutzen und keine alten Fehler zu wiederholen. Die Silbermine von Potosi ist das Symbol der Ausbeutung des Kontinents durch die spanischen "Conquistadores". Millionen vorwiegend indigene Arbeiter ließen dort ihr Leben. Und der aus der Erde geholte Reichtum floss zu größten Teilen außer Landes.



Ein solches Szenario will Morales auf jeden Fall verhindern. Für den linksgerichteten Präsidenten kommt eine alleinige Ausfuhr des Rohstoffs ohne den Aufbau lokaler Industrie unter gar keinen Umständen in Frage. Sogar von einem "Lithium-Toyota made in Bolivia" träumt der frühere Koka-Bauer.



Bolivien will das Knowhow der ausländischen Partner. Aber die Gewinne sollen der Staatskasse zugute kommen, verspricht das erste indigene Staatsoberhaupt Lateinamerikas. Es könnte ein Vermächtnis seiner Präsidentschaft werden. Bislang verfügt Bolivien nur über die Vision. Ab 2012 soll sie Realität werden.