domradio.de: Entscheiden sich deutsche Arbeitgeber tatsächlich so oberflächlich oder liegt es nicht vielleicht auch daran, dass muslimischen Bewerbern notwendige Qualifikationen fehlen, wenn sie keinen Job finden?
Dr. Jürgen Miksch: Es geht überhaupt nicht um die Qualifikationen, sondern einfach um das Wissen über Muslime - und andere Ausländer übrigens auch, das bezieht sich ja nicht nur auf Muslime. Hier ist es tatsächlich so, dass Untersuchungen gezeigt haben: Wenn man einen anderen Namen hat, das gilt nicht nur für muslimische Namen, das kann auch ein buddhistischer Vorname sein, dann hat man wirklich weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt jetzt erste Unternehmen, die das gemerkt haben, weil ihnen da teilweise auch sehr motivierte und gute, qualifizierte junge Arbeitnehmer entgangen sind. Aber das sind ganz wenige Firmen, bei denen das der Fall ist und die dem auch etwas entgegensetzen wollen.
domradio.de: Sie fordern die Politik zum Handeln auf. Was wollen Sie genau?
Miksch: Entscheidend ist, dass bei Bewerbungen möglichst auf Namen kein Bezug genommen werden kann, das heißt, dass Regelungen getroffen werden, die ermöglichen, sich zu bewerben, ohne direkt am Namen als Ausländer erkannt zu werden.
domradio.de: Es gibt ja schon Initiativen, dass man sich ohne Angabe von Geschlecht und Alter bewirbt, um nicht beispielsweise als Frau Anfang 30 aussortiert zu werden, weil man vielleicht Kinder bekommen möchte. Jetzt ein weiterer Schritt, dass man sich auch unabhängig vom Namen bewerben kann?
Miksch: Genau.
domradio.de: Die Deutsche Islamkonferenz ist ja ein Gremium, dass sich mit solchen Themen eigentlich beschäftigen könnte. Allerdings hat man den Eindruck, die Konferenz beschäftigt sich lieber mit sich selbst. Sehen Sie das auch so? ist die Politik da so ein bisschen handlungsunfähig?
Miksch: Das ist tatsächlich der öffentliche Eindruck, denn das was medial von der Deutschen Islamkonferenz herüberkommt, sind diese negativen Botschaften. Die sind natürlich auch immer die interessanteren Botschaften. Aber tatsächlich beschäftigt sich die Deutsche Islamkonferenz auch mit ganz unterschiedlichen Themen, die eben dann medial kaum beachtet werden. Allerdings: Diese ganze Frage ist dort noch nicht behandelt worden, die gesamte Situation von Jugendlichen oder die besondere Situation von Frauen. Das sind Themen, die zwar auf der Tagesordnung vorgesehen sind, aber bisher noch nicht zur Sprache kamen.
domradio.de: Wie hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Äußerung von Innenminister Friedrich, wenn er sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland?
Miksch: Na ja, wir haben ja gemerkt, dass das allgemein ziemlich negativ aufgefallen ist, dass man gesagt hat, das passt eher in seine Parteienlandschaft in Bayern. Das ist sicher eine wenig hilfreiche Äußerung gewesen, man sollte sie eigentlich gar nicht wiederholen, denn das ist eigentlich nur eine peinliche Stellungnahme, und Persönlichkeiten wie der Bundespräsident und andere haben sich ja da klar dagegen ausgesprochen. Ich hoffe, dass diese Formulierung irgendwann einmal vergessen werden wird, weil sie tatsächlich in der Deutschen Islamkonferenz nur Verärgerung ausgelöst hat und dazu beiträgt, dass unser Miteinander nicht gerade leichter wird.
Interkultureller Rat fordert namenlose Bewerbungen
Nachteile bei der Jobvergabe
Wer Aziz, Ibrahim oder Özer mit Nachnamen heisst, dessen Bewerbung wird schneller aussortiert. Das haben Studien ergeben. Und wer ein Kopftuch trägt, der wird bei der Jobvergabe auch benachteiligt. Im Interview mit domradio.de fordert Dr. Jürgen Miksch vom Interkulturellen Rat in Deutschland Konsequenzen.
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