Seelsorgereferent tritt zurück - Seelsorger wird suspendiert

Münchner Erzbistum reagiert

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat jetzt auch im Erzbistum München-Freising personelle Konsequenzen. Am Montag nahm Erzbischof Reinhard Marx einen Rücktritt entgegen entgegen, ein Seelsorger wurde suspendiert.

 (DR)

Nach einer Mitteilung des Ordinariats übernahm der 65-jährige Domkapitular Josef Obermaier, der Leiter des Seelsorgereferats I im Ordinariat, damit die Verantwortung für "gravierende Fehler in der Wahrnehmung seiner Dienstaufsicht". Zudem wurde ein wegen sexuellen Missbrauchs seit 1986 vorbestrafter Tourismusseelsorger mit sofortiger Wirkung suspendiert.

Der Obermaier unterstellte Geistliche habe sich nachweislich nicht an Auflagen gehalten, hieß es. Auch als Kur- und Tourismusseelsorger sei er verbotenerweise in der Kinder- und Jugendarbeit tätig gewesen. Hinweise auf einen neuerlichen sexuellen Missbrauch lägen dem Ordinariat dagegen weiterhin nicht vor. Obermaier war seit zehn Jahren Leiter des Referats für Allgemeine Seelsorge im Münchner Ordinariat.

Publik geworden war der Missbrauchsfall am Freitag durch Recherchen der "Süddeutschen Zeitung". Unmittelbar danach hatte das Ordinariat "schwere Fehler" im Umgang mit dem Geistlichen eingeräumt, für die der damalige Generalvikar Gerhard Gruber (81) die persönliche Verantwortung übernahm.

Eklat nach Bekanntwerden des Falls
Die Erzdiözese hatte 1980 einen Kaplan aus dem Bistum Essen aufgenommen, der sich in München einer Therapie unterziehen sollte. Abweichend von einem Ordinariatsbeschluss unter Vorsitz des damaligen Münchner Erzbischofs Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., setzte Gruber den Priester in der Gemeindeseelsorge in einer Münchner Pfarrei ein, ab 1982 in Grafing, wo er Minderjährige missbrauchte. Nach der Verhängung einer Bewährungsstrafe und der Auflage einer erneuten Therapie wurde der Täter von 1987 bis 2008 erneut in der Pfarrseelsorge in Garching/Alz eingesetzt.

Nach einem vom neuen Münchner Erzbischof in Auftrag gegebenen forensischen Gutachten wurde der Priester aus der Gemeinde abgezogen und unter Auflagen mit der Seelsorge an Touristen und Kurgästen in Bad Tölz betraut. In der Kurstadt sorgte das Bekanntwerden des Falls am Sonntag im Gottesdienst laut Zeitungsberichten für einen Eklat.