Schüler des Berliner Canisius-Kollegs beschuldigen die beiden damaligen Ordensgeistlichen Peter R. (69) und Wolfgang S. (65) sexueller Übergriffe. Wolfgang S. werden nach seinem Wechsel an die damals von Jesuiten geleitete Hamburger Sankt-Ansgar-Schule
(1979-1982) und das Jesuitengymnasium Sankt Blasien im Schwarzwald (1982-1984) weitere Übergriffe vorgeworfen. Dasselbe trifft auf Peter R. zu, der von 1982 bis 1995 als Mitglied der Göttinger Jesuiten-Niederlassung im Bistum Hildesheim Seelsorger war.
Bistum Hildesheim: Zwei Fälle
Das Bistum Hildesheim teilte mit, dass in der Diözese mittlerweile zwei Fälle von Missbrauch durch Peter R. konkret bekannt seien, in mindestens einem Fall handle es sich dabei um eine Minderjährige. «Aus heutiger Sicht haben wir die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt», räumte der damalige Bischof Josef Homeyer am Dienstag ein. «Ich bedaure dies zutiefst.»
Nach Angaben des Bistums informierte eine Mutter Homeyer im Oktober 1993, dass Peter R. ihre 14-jährige Tochter unsittlich berührt habe. Daraufhin habe das Bistum dem Priester die Jugendarbeit untersagt, dieses Verbot aber nicht konsequent durchgehalten. 1997 seien Peter R. weitere sexuelle Belästigungen vorgeworfen worden. Daraufhin sei er aus der Gemeinde versetzt worden.
Der Bischöfliche Beauftragte für Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Hildesheim, Domkapitular Heinz-Günter Bongartz, betonte, das Bistum gehe heute jedem Verdacht entschieden nach und setze sich intensiv mit Opfer und Täter auseinander. Derzeit prüft das Bistum, ob Peter R. weitere Menschen sexuell missbrauchte. Im Herbst 1982 hatte ihn sein Orden vom Canisius-Kolleg in die Jesuiten-Niederlassung Göttingen versetzt. Dort übernahm er die Aufgaben des Dekanatsjugendseelsorgers. Bei der Einstellung war dem Bistum nach eigenen Angaben nichts über Verfehlungen des Priesters bekannt.
Berliner Kardinal "bestürzt" - Lob für Aufklärung
Auch der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky zeigte sich «bestürzt und überrascht» über die Vorfälle am Berliner Canisius-Kolleg. Im RBB-Fernsehen rief er dazu auf, die Kinder in der Sexualerziehung über Missbrauch aufzuklären. Man müsse ihnen sagen, dass sie sich den Eltern anvertrauen müssten, wenn ihnen etwas Merkwürdiges passiere.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters lobte unterdessen im RBB den Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, dafür, mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Sie wandte sich zugleich gegen Forderungen, die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit abzuschaffen. Sexuellen Missbrauch gebe es auch in Organisationen, die keinen Zölibat hätten.
Der Elternbeiratsvorsitzende des Kollegs St. Blasien im Schwarzwald, Jürgen Braun, erklärte, es sei sehr positiv, dass die Schulleitung schnell und offen auf das Bekanntwerden der Vorfälle der 1980er Jahre reagiert habe. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Eltern und Schule sei nicht infrage gestellt.
Jesuiten entschuldigen sich erneut wegen Missbrauchsfällen - Auch Bistum Hildesheim betroffen
Weitere Fälle und Reaktionen
Der Jesuitenorten hat auch die Missbrauchsopfer von Ordensmitgliedern in Hamburg und St. Blasien um Verzeihung gebeten. "Diese Opfer tragen belastende Erinnerungen mit sich und erheben jetzt ihre Stimme. Ich danke ihnen dafür", erklärte der ranghöchste Jesuit in Deutschland, Pater Stefan Dartmann, am Dienstag in München. Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky zeigte sich "bestürzt und überrascht".
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