In dem Exzellenzcluster "Religion und Politik" arbeiten rund 150 Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen zusammen. Der vor zwei Jahren eingerichtete Forschungsverbund ist der bundesweit größte dieser Art, von den 37 Exzellenzclustern in Deutschland der einzige zum Thema Religion.
Christen haben keinen Grund, sich zurückzulehnen, findet der Sprecher des Forschungsverbundes, Gerd Althoff. Religiös motivierte Gewalt habe es auch im Christentum gegeben, und das nicht nur zu Zeiten der Kreuzzüge. Von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg in der Neuzeit seien biblische Texte herangezogen worden, um Gewalt zu rechtfertigen. Kämpfern seien dabei ganz ähnliche Heilsversprechen gemacht worden, von denen heute Islamisten sprechen. Diese Themen stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Reihe" Denkmuster christlicher Legitimation von Gewalt", mit der das Exzellenzcluster in dieser Woche an die Öffentlichkeit gegangen ist.
"Wir arbeiten das auf"
Mit dem Vergleich zwischen Christentum und Islam werde zwar der islamistische Terror nicht besser, betont der Historiker. "Für den interkulturellen Dialog ist es aber wichtig, zu wissen, dass es auch in der eigenen Religion ein solches Potenzial gibt", unterstreicht er. Nach Auffassung des Historikers kann der Dialog nur gewinnen, wenn auch Christen sich zu ihrer eigenen dunklen Vergangenheit bekennen. Dann könne das durchaus als ein nachahmenswertes Beispiel dienen: "Wir arbeiten das auf und versuchen, diese Fehler der Missinterpretation nicht mehr zu machen."
Das Thema Religion hat heute wieder Konjunktur, findet auch der katholische Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der auch Koordinator des Zentrums für Wissenschaftskommunikation ist. So würde immer wieder das Phänomen Rätsel aufgeben, dass zwar Religion wiederkehre, die Bindung an traditionelle Kirchen jedoch nachlasse. Religion sei auch immer dann berührt, wenn der Staat Grundwerte schaffen wolle wie beispielsweise die Generationengerechtigkeit.
Fachübergreifend
In einem solchen Verbund können Themen fachübergreifend von verschiedenen Perspektiven angegangen werden, schwärmt Althoff. In dem Cluster arbeiten deshalb Historiker, Theologen, Juristen, Ethnologen, Sozial- und Literaturwissenschaftler eng zusammen. Ingesamt sind es rund 150 Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen und elf Ländern.
Seine Themen will der 2007 eingerichtete Forschungsverbund nicht nur in hermetisch abgeschlossen Zirkeln unter Akademikern diskutieren. Es gehe nicht darum, in einem Elfenbeinturm zu forschen, betont Althoff. "Wir wollen damit an die Öffentlichkeit." Kernstück sind vor allem öffentliche Vorlesungs- und Diskussionsreihen, die ausdrücklich auch Nicht-Akademiker einladen. Die Wissenschaftler sollen außerdem nicht nur trockene Studien schreiben, sondern auch Artikel für die Feuilletons der Zeitungen.
Teil eines gewaltigen Förderprogramms
Das Projekt ist Teil des gewaltigen Förderprogramms von Bund und Ländern, der Exzellenzinitiative, mit der der Wissenschaftsstandort Deutschland gestärkt werden soll. Gefördert werden Graduiertenschulen für Doktoranden, Exzellenzcluster für einzelne Forschungsgebiete sowie Zukunftskonzepte für bereits erfolgreiche Hochschulen an Eliteuniversitäten
Das Spektrum der knapp 100 Forschungsprojekte in Münster reicht von der Antike bis zur Gegenwart und von Lateinamerika bis Europa. Es ist der bundesweit größte Forschungsverbund dieser Art und der einzige von den deutschlandweit 37 sogenannten Exzellenzclustern zum Thema Religionen. Bund und Länder fördern das Vorhaben bis 2012 mit 37 Millionen Euro.
Bundesweit einzige Forschungsverbund über Religion und Politik sucht die Öffentlichkeit
Forschung in die Feuilletons
Spätestens wenn die Bilder eines neuen Terroranschlags von Islamisten über die Fernsehbildschirme flimmern, ist das Thema Gewalt und Religion in aller Munde: Gibt es einen Zusammenhang von Religion und Gewalt? Fördert der Islam den Terrorismus? An der Universität Münster will man darauf Antworten finden.
Share on