Die derzeit unklare Lage im Land sei nicht gut, urteilte Mulack. Es sei wichtig, ein Ergebnis zu haben, dass bei den Afghanen Anerkennung finde. Die Prüfung der Beschwerden könnte aber Monate dauern.
Von knapp 19.000 Wahlstationen gab es mehr als 2.450, in denen ein Kandidat 90 Prozent oder mehr der Stimmen erhalten habe, sagte der Direktor des Deutschen Orient-Instituts am Donnerstag in Berlin. In vielen Wahllokalen sei die Zahl der abgegebenen Stimmen größer als die Zahl der erfassten Wähler gewesen, so dass sich bisher ein Überschuss von bisher 138.000 Stimmen ergebe. Anderswo seien Wahlurnen verschwunden.
Die afghanische Wahlkommission hat auf Grundlage der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen bereits die deutliche Führung von Karsai gegenüber Abdullah verkündet. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Beschwerdekommission (ECC) hat jedoch die afghanische Wahlkommission (IEC) angewiesen, beanstandete Stimmen zu überprüfen und erneut auszuzählen. Vorher darf kein amtliches Endergebnis verkündet werden. Eine Nachzählung und Prüfung der Beschwerden könnte aber Monate dauern, sagte Mulack. Auch für eine Stichwahl zwischen Präsident Karsai und Herausforderer Abdullah Abdullah sei keine Bereitschaft zu erkennen.
Mulack sagte weiter, leider gebe es auch unter den gebildeten Afghanen sehr viel Resignation und Demokratieverdrossenheit. So lange die alten Machthaber in Afghanistan die Richtung bestimmten, werde die Hoffnung auf Demokratie weiter beschränkt bleiben. Zugleich mahnte er zu Geduld. Nach 30 Jahren Krieg seien allzu schnelle Entwicklungen nicht zu erwarten. Es dauere noch mindestens eine Generation, bis die Demokratie Fuß fassen könne.