Der Briefwechsel eines Ehepaares aus dem Zweiten Weltkrieg nun im Archiv des Erzbistums

"Wenn Gott dich mir zurückgibt ..."

Nahezu 2.000 Briefe haben sich die tief gläubigen Eheleute Anna und Willi Hausen in den Kriegsjahren 1939 bis 1944 geschrieben. Ihre Korrespondenz ist fast komplett erhalten und wurde nun dem Erzbischöflichen Archiv Köln übergeben. Es ist eine bewegende, intensive Liebesgeschichte ohne Happy End: Der Soldat Will fällt 1944 in Polen.

Autor/in:
Cornelia van Schewick
 (DR)

Was tun, wenn der Krieg sich zwischen zwei junge Liebende drängt? Durchhalten und den Glauben nicht verlieren. So ähnlich lautet die Antwort der Eheleute Anna und Willi Hausen. Die beiden lernen sich in den 1930er Jahre kennen und heiraten 1941. Die kaum drei Jahre ihrer Ehe verbringen sie bis auf wenige Wochen in Trennung voneinander. Willi wird als junger Soldat zunächst nach Danzig versetzt und schließlich an die Ostfront geschickt. Anna bleibt zurück in Köln und kümmert sich um die Kinder. Dennoch verlieren sie sich nicht aus den Augen - fast täglich schreiben sie sich Briefe.

Mit nahezu 2.000 Briefen aus den Jahren 1939 bis 1944 ist ihre Korrespondenz fast komplett erhalten - und damit ein seltenes geschichtliches Zeugnis für die räumliche Trennung von Ehepaaren in der Kriegszeit. Existenzielle Ängste um den anderen, Sorge vor dem Zerbrechen der Liebe, zermürbende Lebensumstände - die Schreiben spiegeln die Gefühlslage vieler Menschen damals auf authentische Weise wider. Wegen ihres historischen Wertes wurde die Sammlung am Dienstag in Köln in Auszügen der Presse vorgestellt.

Helbach: "Absoluter Glücksfall"
Adelheid Hausen, die Tochter von Anna und Willi, findet 1987 nach dem Tod ihrer Mutter den gesamten Briefwechsel in deren Nachlass. Ihr Vater, der vier Monate vor ihrer Geburt einer Kriegsverletzung erliegt, hat jeden Brief seiner Frau mit seiner Antwort zurückgeschickt. Als «absoluten Glücksfall» bezeichnet der Direktor des Historischen Archivs des Erzbistums Köln, Ulrich Helbach, die Vollständigkeit des Briefwechsels. Der «rein private Gedankenaustausch ohne politische Ambition» soll in die Sammlung des kirchlichen Archivs übergehen.

Denn nicht zuletzt der feste Glaube an Gott bildete in dieser schweren Zeit für das junge Paar eine Lebensstütze, wie eindrucksvoll aus den Briefen hervorgeht. «In den kommenden Tagen wollen wir gemeinsam um den Geist der Stärke flehen, damit wir mit der Gnade als Schwere, das Gott über uns schickt, im rechten Sinne tragen können», macht Willi seiner Anna Mut. So oft wie möglich besuchen beide die Messe - und so wird die Liturgie zu einer Verbindung über die Distanz hinweg, erklärt Adelheid Hausen.


Katholisches Weltbild
Anna bewegt die Furcht vor Entfremdung: «Du bist so sehr gereift, dass ich dich nicht mehr erreichen kann», schreibt sie ihrem Mann.
«Nur wenn Gott dich mir zurückgibt, werde ich dir mit deiner Hilfe nahe kommen.» Willi sieht sich in einem inneren Konflikt zwischen soldatischer Pflichterfüllung und Nächstenliebe: «Unsere Pflicht geht nur so weit, wie sie der Liebe nicht entgegensteht». Bemerkenswert findet Helbach, dass Willi Hausen als Soldat Unmenschliches als Unmenschliches wahrgenommen habe. Sein katholisches Weltbild habe ihn in dieses moralische Dilemma gestürzt.

Das Thema Tod wird erst im allerletzten Brief Willi Hausens angerissen - in einem an seine Mutter adressierten Schreiben. Darin bekundet er zwei Tage vor seinem Tod die Freude auf den Nachwuchs - gemeint ist Tochter Adelheid - «ohne Rücksicht darauf, ob ich nach Hause zurückkomme oder nicht». Von dem Tod ihres Mannes erfährt Anna Hausen erst, als Schreiben von ihr mit der Aufschrift «An Absender zurück. Empfänger gefallen» wieder nach Hause kommen.

Hinweis: Am kommenden Dienstag (1. September) werden zum 70.
Jahrestag des Kriegsbeginns Auszüge aus dem Briefwechsel der Öffentlichkeit präsentiert. Die szenische Lesung unter dem Titel «Wenn Briefe bleiben - eine Ehe im Krieg (1939 - 1944)» findet um 17 Uhr im Domforum statt.