Bei der Erziehung sind Paare unterschiedlicher Konfession besonders herausgefordert

Eine Frage der Überzeugung

Jede dritte kirchlich geschlossene Ehe bringt zwei Partner zusammen, die verschiedenen Konfessionen angehören. "Mischehen" nannte man das früher despektierlich - heute neigt man zum positiven Begriff "konfessionsverbindende Ehe". Bei der Erziehung der Kinder kann das Probleme mit sich bringen.

 (DR)

Dass diese Paare besonders in der Erziehung ihrer Kinder vor einer Fülle von Problemen stehen, wird "in der Öffentlichkeit konsequent verschwiegen" - das jedenfalls meint eine Forschergruppe um die beiden Tübinger Religionspädagogen Friedrich Schweitzer (evangelisch) und Albert Biesinger (katholisch).In einer Mischung aus Analyse und Ratgeber versucht das Team in einer neuen Publikation, die Knackpunkte bei der Kindererziehung aufzuzeigen und Wege vorzuschlagen, wie Paare eigenverantwortlich zu Lösungen kommen. Grundlage sind Tiefeninterviews mit 24 konfessionsverschiedenen Elternpaaren aus Baden-Württemberg.Die Frage der ÜberzeugungDer Hintergrund verschiedener Kirchen ist dann ein geringeres Problem, wenn die Partner das Profil ihrer jeweiligen Konfession eher distanziert betrachten. Schwierig wird es, wenn etwa eine treue Katholikin mit ihrem Nein zu künstlicher Verhütung und der Verpflichtung, gemeinsame Kinder katholisch taufen zu lassen, einen überzeugten Protestanten ehelicht, der in solchen Fragen andere Ansichten hat. Doch solche Ehen dürften ohnehin die Ausnahme sein, denn je profilierter das eigene Konfessionsverständnis, desto geringer die emotionale Neigung zu Menschen mit einem anderen Gesangbuch.Gerade die Geburt eines Kindes konfrontiert die Eltern neu mit Glaubensfragen. In manchen Familien lebt das Tischgebet wieder auf, wenn ein Kleinkind mit am Tisch sitzt (und das Gebet stirbt nicht selten, wenn dieses Kind in die Pubertät kommt). Entscheidungen über Taufe, Religionsunterricht und religiöse Freizeitgestaltung bringen die Eltern in Zugzwang. Und auch die "großen Fragen" von Kindern - etwa danach, wo Menschen nach ihrem Tod sein werden - fordern Mütter und Väter heraus, ihren religiösen Standort neu zu bestimmen."Wo lassen wir unser Kind taufen?"Die Autoren der Tübinger Studie legen konfessionsverschiedenen Eltern nahe, sehr genau über die Wegmarken der religiösen Biografie ihrer Kinder nachzudenken. Beispielsweise könne es sinnvoll sein, die Frage "Wo lassen wir unser Kind taufen?" auch danach zu beantworten, wie gut die jeweiligen Angebote in Kinder- und Jugendarbeit einer Konfession vor Ort sind. Weniger ratsam sei es, in der Tauffrage dem Druck der Verwandtschaft nachzugeben, obwohl das vergleichsweise häufig vorkomme.Dass die katholische Kirche verbietet, mit Protestanten gemeinsam zum Abendmahl gehen, wird von konfessionsverschiedenen Paaren häufig als Last empfunden. Doch das ist nur eine Hürde im gemeinsamen Glaubensleben. Die Studie fordert Kirchengemeinden auf, sich endlich der Realität in ihren eigenen Reihen zu stellen und Eltern mit verschiedenen Gesangbüchern in Ehevorbereitung, bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder und selbst bei der Gestaltung des Sonntags zu unterstützen.Buchhinweis: Friedrich Schweitzer/Albert Biesinger: Religiöse Erziehung. In Zusammenarbeit mit Anne Bausenhart, Gabriele Conrad und Cornelia Rink, Herder-Verlag (Freiburg), 140 Seiten, 12,95 Euro.

Autor/in:
Marcus Mockler