Politiker und Experten fordern Verbot des rechtsextremistischen Vereins "Heimattreue Deutsche Jugend"

"Geistige und seelische Vergewaltigung"

Nach der Auflösung eines Kinder- und Jugendlagers des Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) fordert nun auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), ein Verbot der rechtsextremen Organisation. "Der Bundesinnenminister dürfte sich schwer tun, Gründe zu finden, diesen Verein nicht zu verbieten", sagte Edathy der "Frankfurter Rundschau". Der Rechtswissenschaftler Prof. Günther Frankenberg wirft der HDJ vor Kinder "geistig und seelisch zu vergewaltigen".

 (DR)

Edathy kündigte an, die Koalition werde in Kürze ein Verbot beantragen. Ein solches hatten in den vergangenen Tagen auch Politiker von SPD, CDU, Linke und FDP in Mecklenburg-Vorpommern verlangt.

Frankenberg räumt im domradio-Interview einem Verbotsverfahren gute Chancen ein. Zwar würde die Organisation mit Sicherheit gegen ein Verbot vorgehen, aber anders als bei Parteiverbotsverfahren, sei die Rechtslage hier eindeutiger. Die Organisation könne mit guten Gründen für eine "Neuauflage der Hitler-Jugend" gehalten werden. Den Eltern wirft der Rechtswissenschaftler vor, die Kinder bewusst in solche Ferienlager zu schicken.

"Beschulung" mit Nazi-Gedankengut
Das Lager war am Freitag in der Nähe der Gemeinde Hohen Sprenz (Landkreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern von der Polizei aufgelöst worden. Dort hatten den Polizeiangaben zufolge 39 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren unter Anleitung von rund 50 Erwachsenen Verhaltensweisen und Lebensformen des Nationalsozialismus praktiziert. Die Kinder seien mit nationalistischem Gedankengut «regelrecht beschult» worden. Zudem fand die Polizei Geschirrhandtücher, Schriftstücke, Liedtexte und Tagebücher mit Hakenkreuzen. Wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen laufe ein Ermittlungsverfahren. Trotz sichtlicher Verärgerung hätten die Teilnehmer nach Bekanntgabe der Verfügung das Zeltlager abgebrochen, hieß es vonseiten der Polizei. Die Kinder seien ihren Eltern übergeben worden.

Die HDJ ist aus dem bereits in den 1950er Jahren gegründeten Bund Heimattreuer Jugend hervorgegangen und hat sich 2001 als eigenständige Organisation mit Sitz im schleswig-holsteinischen Plön abgespaltet. Der Verein beschreibt sich als «aktive, volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 25 Jahren».