Nach ICE-Unfall in Köln werden Züge überprüft

Staatsanwaltschaft ermittelt

Zehntausende von Bahnreisenden waren am Freitag bundesweit von Zugausfällen bei der Deutschen Bahn betroffen. Die Behinderungen sollen noch bis Anfang nächster Woche dauern.

 (DR)

Nach einem ICE-Unfall am Mittwoch in Köln überprüft die Bahn einen Großteil seiner ICE-3-Züge. Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. "Wie haben einen Anfangsverdacht der Gefährdung des Bahnverkehrs", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln am Freitag den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten. Bei dem Unfall am Mittwoch im Kölner Hauptbahnhof war ein ICE-3 aus Frankfurt am Main wegen einer defekten sogenannten Radsatzwelle aus den Schienen gesprungen und hatte über Stunden den gesamten Zugverkehr blockiert. Personen waren nicht zu Schaden gekommen. Der Vorgang wird derzeit von einem Gutachter untersucht.

Dem Nachrichtenmagazin "Spiegel Online" zufolge sollen die Räder oder Achsen des Zuges schon deutlich früher beschädigt gewesen sein, womöglich sogar schon bei Verlassen des Bahnhofes am Frankfurter Flughafen. Passagiere sollen sich mehrfach bei Zugbegleitern über verdächtige Geräusche beschwert haben. Möglicherweise sei der Zug mit Rad- oder Achsendefekt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Köln gefahren, wo Geschwindigkeiten von bis zu 330 Kilometer pro Stunde erreicht werden.

Die Deutsche Bahn dementierte den Bericht. "Der in dem Bericht erweckte Eindruck, das Fahrpersonal des ICE 518 habe am 9. Juli nicht auf Hinweise von Fahrgästen über atypische Fahrgeräusche reagiert, ist schlichtweg falsch", teilte das Unternehmen mit. Das Fahrpersonal sei entsprechenden Kunden-Hinweisen nachgegangen und habe gemäß den Vorschriften die notwendigen Maßnahmen ergriffen. "Konsequenz dieses korrekten Verhaltens war, dass der ICE 518 durch das Personal am vergangenen Mittwoch um 16.11 Uhr bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof gestoppt und somit möglicher Schaden abgewendet wurde", hieß es weiter.

Behinderungen im Fernverkehr
Unterdessen müssen Bahnkunden seit Freitag im Fernverkehr Behinderungen hinnehmen, da die Deutsche Bahn ihre ICE-3-Züge zu zusätzlichen technischen Überprüfungen in die Werkstätten zurückgerufen hat. Von den ingesamt 67 ICE-3-Zügen würden 61 in den Werkstätten in München, Dortmund oder Frankfurt am Main überprüft. 6 ICE-3-Züge seien erst jüngst überprüft worden. Bei der Aktion handle es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, betonte das Unternehmen.

Wie viele Züge am Freitag ausfielen, konnte die Bahn nicht sagen. Einschränkungen habe es vor allem im Ruhrgebiet, Köln und Frankfurt am Main sowie bei der ICE-Verbindung Frankfurt-Paris gegeben. Der "überwiegende Teil" der deutschen Fernverbindungen sei von den Zugausfällen aber nicht betroffen gewesen. Für aktuelle Informationen über Fahrplanänderungen stünden die kostenlose Telefonauskunft unter der Nummer 08000/996633 und die Internetadresse bahn.de/aktuell zur Verfügung.