Geklaute Schädelreliquie muss aus Betonblock befreit werden

Kirche verschärft Schutz für Reliquie

Nach dem spektakulären Diebstahl der Schädelreliquie der heiligen Zdislava von Lämberg hat die Polizei den Schädel sichergestellt. Tschechische Experten befreiten die wertvolle Reliquie vorsichtig aus einem massiven Betonblock.

Blick auf den Seitenaltar, von dem der Schädel der Heiligen Zdislava in der Laurentiuskirche von Jablonne v Podjestedi entwendet wurde. Ihr historischer Wert sei unschätzbar, teilte die Polizei mit.  / © Marek Kuntoš (dpa)
Blick auf den Seitenaltar, von dem der Schädel der Heiligen Zdislava in der Laurentiuskirche von Jablonne v Podjestedi entwendet wurde. Ihr historischer Wert sei unschätzbar, teilte die Polizei mit. / © Marek Kuntoš ( dpa )

Der mutmaßliche Täter soll den Schädel darin eingegossen haben. Restauratoren hätten das wertvolle Stück mechanisch freigelegt, da chemische Verfahren die historische Substanz zerstört hätten, heißt es in Medienberichten vom Wochenende. 

Die Nachricht von der erfolgreichen Rettung wurde von Gläubigen als "Wunder" bezeichnet. Die Reliquie soll nun restauriert werden. Die Kirche kündigte zudem deutlich strengere Sicherheitsmaßnahmen an. Sollte die Reliquie künftig erneut öffentlich ausgestellt werden, dann nur hinter Panzerglas und mit elektronischer Sicherung.

Geplante Versenkung im Fluss

Ein 35-jähriger Mann hatte die Reliquie am 12. Mai in der Basilika im nordtschechischen Jablonne v. Podjestedi gestohlen. Während der Vorbereitung eines Abendgottesdienstes schlug er die Schutzgläser des Reliquiars ein und flüchtete mit dem Schädel der mittelalterlichen Heiligen. Wenige Tage später wurde der Mann gefasst. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft. 

Laut Angaben der Polizei gestand er, die Reliquie in Beton eingegossen zu haben, um sie anschließend in einem Fluss zu versenken. Der Mann erklärte den Ermittlern, er habe nicht aus finanziellen Motiven gehandelt. Vielmehr habe er gegen die Ausstellung der Gebeine protestieren wollen. Kirchenvertreter widersprachen jedoch der Darstellung eines "edlen Motivs" und verwiesen auf die jahrhundertealte christliche Tradition der Verehrung von Reliquien. 

Erzbischof Stanislav Pribyl / © Šulová Kateøina/CTK (dpa)
Erzbischof Stanislav Pribyl / © Šulová Kateøina/CTK ( dpa )

Der Prager Erzbischof Stanislav Pribyl hatte zuvor den Diebstahl als "verheerend" bezeichnet. "Ich kann nicht fassen, dass jemand am helllichten Tag einen Raub begeht, um aus einer Kirche eine Reliquie zu stehlen, deren Wert vor allem historischer Art ist."

Was sind Reliquien?

Reliquien - vom lateinischen "reliquiae" abgeleitet - sind die sterblichen Überreste von als heilig verehrten Personen. Primäre Reliquien sind dabei die Leichname von Seligen oder Heiligen, größere Körperteile von diesen oder die komplette Asche ihrer verbrannten Körper.

Ein Reliquiar in Gestalt einer Reliquienprozession aus dem Jahr 1893 / © Oliver Berg (dpa)
Ein Reliquiar in Gestalt einer Reliquienprozession aus dem Jahr 1893 / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
KNA