Weihbischof Rolf Steinhäuser beginnt seine Predigt im Pontifikalamt am siebten Sonntag der Osterzeit mit dem Hinweis, dass die vorgesehenen Bibeltexte auf den ersten Blick wenig Handlung bieten. In der Apostelgeschichte ziehen sich die Jünger zurück und bleiben einmütig im Gebet. Im Johannesevangelium gibt es kein Wunder und keine Handlungsanweisung. Dennoch sieht Steinhäuser in beiden Texten eine Spannung: In der Apostelgeschichte sei es die Ruhe vor dem Pfingststurm, im Johannesevangelium die Stunde des Abschieds vor Passion und Tod Jesu.
Im Zentrum steht für Steinhäuser das Gebet Jesu: "Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht." Dieses Wort wirke zunächst fremd, weil der Begriff "Verherrlichung" im heutigen Sprachgebrauch oft eine Überhöhung von etwas meint, das nicht wirklich herrlich ist. In der Bibel habe das Wort jedoch einen anderen Klang. Es verweise auf die Herrlichkeit Gottes, auf seine Heiligkeit, seinen Lichtglanz und seine Macht.
Verherrlichung
Diese Herrlichkeit bleibe dem Menschen meist verborgen, weil er sie nicht ertragen könne. Doch in Wundern, Naturereignissen oder Begegnungen könne etwas davon aufscheinen. Wenn Jesus den Vater um Verherrlichung bitte, dann bitte er um die Erhöhung zur Rechten des Vaters und um die Rückkehr in die Herrlichkeit, die er vor der Welt beim Vater hatte.
Zugleich werde die Verherrlichung des Sohnes zur Verherrlichung des Vaters. Wenn Jesus von den Toten auferweckt und erhöht werde, erkennten die Jünger, dass seine Worte über den Vater wahr seien. Jesus habe den Vater verherrlicht, indem er dessen Namen offenbart und den Menschen gezeigt habe, alles als Gabe des Vaters anzunehmen.
Beginn des Lebens aus Gott
Steinhäuser macht deutlich, dass Johannes in diesem Evangelium einen Blick in die Beziehung Jesu zum Vater eröffnet. Diese Beziehung sei von Einheit und Liebe geprägt. Jesus habe das Werk vollendet, das der Vater ihm aufgetragen habe: den Menschen ewiges Leben zu schenken. Dieses ewige Leben bestehe nach dem Johannesevangelium darin, den einzigen wahren Gott und Jesus Christus zu erkennen.
Damit beginne ewiges Leben nicht erst nach dem Tod. Wer Gott erkenne, seine Worte annehme und aus ihnen lebe, habe schon jetzt Anteil daran. Der biologische Tod sei damit nicht die eigentliche Zäsur. Entscheidender sei der Beginn des Lebens aus Gott.
Jünger, Maria und Pfingsten
Zugleich bleibe der Mensch in der Welt. Steinhäuser erklärt, dass "Welt" bei Johannes nicht einfach die Erde meint, sondern eine Wirklichkeit, die sich Gott widersetzt. Jesus kenne die Bedrohung seiner Jünger und die Macht des Bösen. Deshalb vertraue er sie dem Vater an, bevor er zum Vater geht.
In der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten werde deutlich, wie der Vater auf diese Bitte Jesu antworte: Der Vater und der erhöhte Sohn senden den Heiligen Geist. Dieser Geist gebe den Jüngern in Bedrängnis die rechten Worte und führe sie in die Wahrheit.
Zum Schluss greift Steinhäuser das Bild der einmütig betenden Jünger auf, die um Maria versammelt sind. Dieses Bild lade dazu ein, gerade in den Tagen vor Pfingsten um den Heiligen Geist zu bitten. Der Geist sei Gabe Gottes – aber eine Gabe, die immer neu erbeten werden wolle.