Ein Vatikan-Orden für den iranischen Botschafter sorgt derzeit für Aufregung in internationalen Medien und im Netz. Mohammad Hossein Mokhtari, seit 2023 Botschafter der Islamischen Republik Iran beim Heiligen Stuhl, hatte am Dienstag den Pius-Orden erhalten - zusammen mit zwölf weiteren Diplomaten. Unter anderem berichteten italienische Tageszeitungen und das US-Portal "The Pillar" über den Vorgang.
Iranische Medien hatten das Ereignis als persönliche Würdigung des Papstes für die Politik des Landes bezeichnet. "Die Auszeichnung und die Verurteilung der Aggression durch den Papst stehen in engem Zusammenhang mit den laufenden Bemühungen der iranischen Botschaft beim Vatikan, Botschaften des Friedens, der Gerechtigkeit und des Widerstands gegen Kriegstreiberei zu verbreiten", schrieb ein iranisches Medium. Zudem wurden Berichte über die Verleihung mit einem Foto von 2025 von Leo XIV. zusammen mit dem Diplomaten veröffentlicht.
Innerhalb weniger Stunden eskalierte die Empörung in Sozialen Medien. Unter anderem verurteilte der Verband Iranischer Demokratischer Frauen die hochrangige Auszeichnung "aufs Schärfste".
Klarstellung durch Vatikan-Sprecher
Darauf stellte der Heilige Stuhl klar, dass der Orden nicht vom Papst, sondern wie üblich von dem im Staatssekretariat zuständigen Erzbischof Paolo Rudelli überreicht wurde. Unterzeichnet hatte die Urkunde Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Der Pius-Orden wurde 1847 von Papst Pius IX. (1846-1878) gestiftet.
Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte, der Pius-Orden sei eine Auszeichnung, die "traditionell allen Botschaftern verliehen wird, die nach zweijähriger Dienstzeit beim Heiligen Stuhl akkreditiert sind, in der Regel am Jahrestag des Pontifikats des Papstes". Zusammen mit dem iranischen Botschafter erhielten zwölf weitere Diplomaten das Großkreuz des Päpstlichen Pius-Ordens. Laut Vatican News erfolgte die Verleihung zum ersten Jahrestag der Papstwahl von Leo XIV.
"Unverhofftes PR-Geschenk" für Iran
Dennoch stellen Beobachter die Frage, ob die Auszeichnung derzeit ein falsches Signal setze. Die "Jüdische Allgemeine" nannte die Ehrung in einem Kommentar "ein unverhofftes PR-Geschenk" für Mokhtari. Er vertrete ein Regime, das etwa bei einem Massaker im Januar mehr als 35.000 Menschen getötet habe. Es sei "empörend", dass "Papst Leo und sein diplomatisch versierter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ausgerechnet den Repräsentanten dieses Regimes mit einer Auszeichnung" bedacht hätten, hieß es.