Bei seiner Predigt hat Weihbischof Rolf Steinhäuser deutlich gemacht, dass heute kaum noch jemand den Himmel als Ort "über den Wolken" versteht. Die eigentliche Frage sei vielmehr: Was bedeutet Himmelfahrt überhaupt?
Während die Apostelgeschichte schildere, wie Jesus "vor ihren Augen emporgehoben" wird, betone das Matthäus-Evangelium etwas anderes: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Für Steinhäuser ist das kein Widerspruch. Himmelfahrt bedeute nicht Weggehen, sondern die "Erhöhung des Herrn": Gott gebe dem gekreuzigten Jesus Anteil an seiner Macht und Herrlichkeit. Himmelfahrt hänge eng mit Karfreitag und Ostern zusammen.
Jesus sei "für uns in den Himmel aufgefahren". Entscheidend sei deshalb nicht nur, dass Jesus bei Gott ist, sondern dass mit ihm auch das Menschsein selbst einen Platz bei Gott bekommt. "Mit der Himmelfahrt Jesu findet der Mensch in Gott Raum für immer", sagt Steinhäuser. Das sei etwas unerhört Neues.
Der Himmel beginne nicht erst nach dem Tod, sondern schon jetzt: "Der Himmel beginnt also schon hier auf der Erde." Wer Jesus begegne – im Gebet, in der Eucharistie oder im Mitmenschen –, erfahre bereits etwas davon. Deshalb sei Christi Himmelfahrt "das Fest seiner bleibenden Anwesenheit und Wirksamkeit mitten in unserem Leben".