Wiener Erzbischof mahnt beim ESC zu Besonnenheit

Nach ESC-Streit um Israel

Seit 70 Jahren begeistert der Eurovision Song Contest seine Fans, spaltet aber auch die Gemüter. Denn zuletzt geriet der europäische Gesangswettbewerb vermehrt zur politischen Bühne - zum Bedauern des Wiener Erzbischofs.

Eurovision Song Concert / © railway fx (shutterstock)

Mit Blick auf die Proteste gegen Israels Teilnahme am Eurovision Contest (ESC) ruft der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl zu Besonnenheit auf. "Musik ist eine Sprache, die die ganze Welt versteht und über religiöse Grenzen hinweg verbindet", sagte Grünwidl am Montagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom.

Er hoffe, dass der ESContest "auch in diesem Sinn völkerverbindend ist", so der neue Leiter von Österreichs Hauptstadtbistum. Zur Frage eines Ausschlusses Israels von dem Musikwettbewerb, dessen 70. Ausgabe am Wochenende in Wien ausgetragen wird, wollte sich Grünwidl nicht äußern. Man müsse das nüchtern und differenziert betrachten.

"Entschieden gegen Antisemitismus"

Eindeutig sei die katholische Kirche in der Frage, wie mit wachsender Judenfeindlichkeit umzugehen ist, so Grünwidl; Antisemitismus sei "ganz entschieden entgegenzutreten". In Österreich gebe es Platz für jüdisches Leben - "und dafür sind wir sehr dankbar".

Weiter verwies der Erzbischof auf den Rat der Religionen in Wien, in dem alle großen Religionsgemeinschaften vertreten sind. Er sei persönlich auch in gutem Kontakt mit dem Oberrabbiner, mit dem Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinschaft.

Für den ESC stellten alle Religionsgemeinschaften Österreichs gemeinsam ein spirituelles Angebot bereit, sagte Grünwidl. Man sei vertreten in einem Zelt, wo Menschen "mit Vertretern der verschiedenen Religionen ins Gespräch kommen und Fragen stellen können". Da werde es vielleicht auch um Israel, den Konflikt im Gazastreifen und überhaupt die Stellung Israels gehen. "Dann haben wir Gelegenheit, die Haltung der Kirche deutlich zu machen", so der Erzbischof.

"Für ESC-Musik ein bisschen zu alt"

Grünwidl (63), der neben Theologie auch Orgel studiert hat und Klavier spielt, bezeichnete sich als Fan klassischer Musik, etwa von Bach, Schubert, Beethoven oder Mozart. "Da fühle ich mich zu Hause - und das ist Musik, die mir Kraft gibt und die ich gut verstehen kann", sagte er. "Für die Musik, die beim ESC aufgeführt wird, bin ich schon ein bisschen aus dem Alter heraus." Das sei freilich keine Abwertung, "sondern einfach mein persönlicher Musikgeschmack".

Quelle:
KNA