Missbrauchskommission in Speyer fordert eine zentrale Täterdatei

Zur Identifizierung und Kontrolle

Personalverantwortliche im Bistum Speyer sollen in einem Zentralregister erfahren, wer Missbrauch oder sexualisierte Gewalt verübt hat. Das fordert die unabhängige Aufarbeitungskommission. Opferschutz gehe hier vor Datenschutz.

Speyerer Dom / © Julia Steinbrecht/KNA (KNA)
Speyerer Dom / © Julia Steinbrecht/KNA ( KNA )

Die Aufarbeitungskommission für Missbrauch und sexualisierte Gewalt im Bistum Speyer hat eine zentrale Täterdatei gefordert, die Informationen zu Missbrauchstaten und durch das Bistum ausgesprochene Sanktionen zusammenführt. 

Diese Daten sollten für die Personalverantwortlichen in Pfarreien, im Bistum und in katholischen Einrichtungen zugänglich sein, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Zwischenbericht der Kommission. Unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften sei dies datenschutzrechtlich möglich: "Hier gilt Opferschutz vor Datenschutz."

Bislang gebe es bei den Personalverantwortlichen oft Informationslücken, was weitere Missbrauchstaten begünstigen könnte, kritisiert die Kommission. Entscheidend sei deshalb, transparent und in einer zentralen Datei über Beschäftigungsverbote, Auflagen und Versetzungen zu kommunizieren.

Identifizierung und Kontrolle

Die Kommission betont, die zentrale Täterdatei solle keine Details nennen, sondern nur darüber informieren, ob es bei der betreffenden Person "Erkenntnisse" zu Missbrauch gebe. Ein solches Register diene der "Identifizierung und Kontrolle entsprechender Personen", beispielsweise auch bei Bewerbungen in anderen Gemeinden, Bistümern oder im Ausland.

Die Forschung zeige, dass gerade Missbrauchstäter häufig ihren Arbeitsplatz und Wohnort wechselten. In der Vergangenheit hätten Täter erneut übergriffig werden können, weil der neue Arbeitgeber nicht über zuvor verübte Taten informiert gewesen sei, heißt es in dem Bericht. Das betreffe nicht nur Pfarrer, sondern auch sonstige Angestellte der Kirche wie Chorleiter, Pädagogen, Lehrer, Kita-Mitarbeiterinnen sowie ehrenamtlich Engagierte.

Aufklärung in Pfarreien vor Ort wichtig

Die Kommission spricht sich für weitere Informationsveranstaltungen zu Missbrauch und sexualisierter Gewalt in den Kirchengemeinden aus. Erste Termine hätten gezeigt, dass viele Katholiken sich nicht über etwaige eigene Fehler als Mitwisser von Missbrauchstaten bewusst seien.

Weil Missbrauchstäter häufig charismatisch und manipulativ handelten und so Menschen stark für sich einnehmen könnten, hätten in einigen Fällen Gemeindemitglieder auch eindeutig überführte Täter vehement als unschuldig verteidigt.

Abschlussbericht soll noch 2026 kommen

In der im Juni 2021 gegründeten Aufarbeitungskommission arbeiten Betroffenenvertreter, Juristen und ehemalige Polizisten zusammen. Je ein Vertreter wurde von den Ländern Saarland und Rheinland-Pfalz berufen. Die Kommission arbeitet unabhängig vom Bistum Speyer.

Der neue Zwischenbericht datiert vom Januar 2026, er wurde aber erst jetzt online veröffentlicht. Die Kommission will noch in diesem Jahr ihren formellen Abschlussbericht vorlegen, dann aber noch bis 2027 weiterarbeiten; erst dann werde der zweite Teil einer in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie zu Missbrauch im Bistum Speyer fertig, hieß es.

Bistum Speyer

Das Bistum Speyer ist eine der ältesten deutschen Diözesen. Das Bistum zählt 423.000 Katholiken und erstreckt sich auf einer Fläche von 5.893 Quadratkilometern. Es umfasst die Pfalz im Bundesland Rheinland-Pfalz und den Saarpfalz-Kreis im Saarland. In seinen heutigen Grenzen besteht das Bistum seit 1817. 

Blick auf den Kaiserdom in Speyer / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Blick auf den Kaiserdom in Speyer / © Frank Rumpenhorst ( dpa )
Quelle:
KNA