Costa Ricas neue Präsidentin hält Bibel bei Amtsübergabe

"Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist"

Die rechtskonservative Wahlsiegerin Laura Fernández ist neue Präsidentin Costa Ricas. Bei der Amtsübergabe hielt sie eine Bibel. Sie will das Land mit harter Hand regieren. Die Opposition fürchtet ein Abgleiten in eine Autokratie.

Autor/in:
Tobias Käufer
Luftaufnahme der Flagge von Costa Rica im Coronado-Park in San Jose / © Gianfranco Vivi (shutterstock)
Luftaufnahme der Flagge von Costa Rica im Coronado-Park in San Jose / © Gianfranco Vivi ( shutterstock )

Gott, harte Hand und Reformen: Costa Ricas neue rechtskonservative Präsidentin Laura Fernández (39) hat in ihrer Rede zur Amtseinführung am Wochenende die Leitlinien ihrer Amtszeit offengelegt.

"Wir stehen kurz davor, eine 'dritte Republik' aufzubauen", sagte sie in der Hauptstadt San José. Das bedeute, institutionelle Strukturen zu überdenken und Entscheidungen zu treffen, die jahrelang vermieden wurden.

Co-Kathedrale von San José de Tadó im Departement Choco / © oscar garces (shutterstock)
Co-Kathedrale von San José de Tadó im Departement Choco / © oscar garces ( shutterstock )

Genau das löst bei der Opposition Sorgen aus, die ein schleichendes Abgleiten in eine Autokratie befürchtet. Fernández hält dagegen: "Das wird natürlich niemals einen Verstoß gegen die Gewaltenteilung bedeuten – das würde ich niemals tun."

In Anlehnung an das weltweit bekannte und umstrittene Hochsicherheitsgefängnis Cecot in El Salvador versprach Fernández, sie werde sehr bald ebenfalls ein Mega-Gefängnis und eines der modernsten Polizeiaufsichtszentren der Welt einweihen.

Vorwürfe der Opposition

Im Wahlkampf hatte El Salvadors Präsident Nayib Bukele Costa Rica besucht. Empfangen hatte ihn Präsident Rodrigo Chaves, der wegen einer Amtszeitbegrenzung nicht wiedergewählt werden konnte. Er wechselt in eine Schlüsselposition des Kabinetts seiner Wunschnachfolgerin Fernández. Die Opposition wirft der Regierung vor, Chaves damit eine Immunität gegen mögliche strafrechtliche Verfehlungen im Amt zu verschaffen.

Ihm wird auch vorgeworfen, hinter einer Sanktionsmaßnahme gegen die Tageszeitung "La Nación" zu stehen. Er habe die USA bewogen, Visa für die Direktoren des Medienhauses zu entziehen. Die Zeitung hatte über die Amtszeit von Chaves in den vergangenen Jahren kritisch berichtet und ihm einen autoritären Regierungsstil vorgeworfen.

Mileis Kettensäge als Vorbild

Neben El Salvador dient auch Argentinien als Vorbild für Fernández. Dort führte der libertäre Präsident Javier Milei einen radikalen Sparkurs ein, dem auch zahlreiche Institutionen zum Opfer fielen. "Wir können nicht mit 335 öffentlichen Einrichtungen weitermachen, Einrichtungen, die ihren Weg verloren haben. Diejenigen, die bestehen bleiben, werden qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen", kündigte Fernández eine Art Kettensäge an.

Laura Fernández / © Francisco Canedo/XinHua (dpa)
Laura Fernández / © Francisco Canedo/XinHua ( dpa )

Bei der Amtsübergabe hielt sie laut lokalen Medienberichten eine Bibel mit dem Spruch "Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist" (Psalm 33,12) in der Hand.

Politik der harten Hand angekündigt

Lange galt Costa Rica als Urlaubsparadies und die "Schweiz" Mittelamerikas. Doch die zunehmende Gewalt durch Drogenbanden sorgt auch im einst so sicheren Costa Rica für politische Debatten. Laura Fernández hatte im Wahlkampf eine Politik der harten Hand versprochen, die wegen der steigenden Kriminalität und des wachsenden Einflusses des Drogenhandels bei den Wählern auf großen Anklang traf.

Mit der neuen Präsidentin füllen eine ganze Reihe an Frauen ranghohe Positionen in Politik und Wirtschaft aus. Die Abgeordnete Abril Gordienko López (Christlich-Soziale Partei) kommentierte in den sozialen Netzwerken: "Ab dem 8. Mai werden wir in drei der vier Staatsgewalten der Republik Präsidentinnen an der Spitze haben. Auch die Generalrechnungsprüferin und die Ombudsfrau sind Frauen. Und zum ersten Mal in der Geschichte stellen wir in diesem Haus die Mehrheit: 30 Parlamentarierinnen."

Übrigens könnte bald eine weitere Frau aus Costa Rica eine herausragende Position bekleiden. Im März 2026 schlug Costa Rica Rebeca Grynspan als Kandidatin für den Posten der UN-Generalsekretärin und damit Nachfolgerin von António Guterres vor. Die Wirtschaftswissenschaftlerin bekleidete in ihrer Heimat in den 1990er Jahren verschiedene Ministerposten, ehe sie zur UN und anderen internationalen Institutionen wechselte. Sie ist seit 2021 Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung UNCTAD.

Quelle:
KNA