Entweder überall Herzen, üppige Blumensträuße und feine Pralinen oder Augenrollen und Verständnislosigkeit mit dem Hinweis auf Konsum, Kitsch und Kommerz. Am Muttertag scheiden sich die Geister – doch nicht nur das. Er wird längst nicht überall wie in Deutschland am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen Überblick zum Muttertag weltweit.
Mütter werden seit Jahrtausenden geehrt. Der Ursprung des modernen und heute bekannten Muttertags liegt aber in den USA. Als Begründerin gilt Anna Marie Jarvis (1864-1948), die aus dem US-Bundesstaat West Virginia stammte und in einer kinderreichen methodistischen Familie aufwuchs. Mit einem besonderen Tag wollte sie ihre Mutter Ann Maria Reeves Jarvis feiern, denn diese setzte sich für eine bessere medizinische Versorgung von Müttern, Kindern sowie Kriegsheimkehrern ein.
Nah am Sterbedatum der geliebten Mutter
Offiziell wurde der Festtag erstmals am 10. Mai 1908 mit einem Gedenkgottesdienst begangen. Das Datum war zufällig gewählt und hatte doch einen konkreten Grund. Drei Jahre zuvor war Jarvis Senior an einem 9. Mai gestorben. Der Muttertag sollte möglichst dicht am Sterbedatum liegen.
Bis daraus ein nationaler Feiertag wurde, dauerte es aber noch ein paar Jahre. Am 8. Mai 1914 erließ der Kongress schließlich die "Joint Resolution Designating the Second Sunday in May as Mother's Day".
Der Ursprungsgedanke war jedoch im Vergleich zu heute ein anderer und erinnert mehr an den 8. März, den Internationalen Frauentag. Frauen sollten am Muttertag Solidarität untereinander und Flagge gegen Kriegsdienste zeigen.
Doch es hätte auch anders kommen können. Anna Marie Jarvis war nicht die erste, die einen Muttertag einführen wollte. Julia Ward Howe, bekannt als Verfasserin der "Battle Hymn of the Republic", war Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin. 1870 – wenige Jahre nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs und zu Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs – forderte sie einen "Muttertag des Friedens". Gefeiert werden sollte dieser stets am 2. Juni. Doch das Datum setzte sich nicht durch.
Am liebsten am zweiten Sonntag im Mai
Ob in Australien, den Niederlanden, Brasilien, auf den Philippinen oder in der Türkei: Am zweiten Sonntag im Mai wird in mehr als 50 Ländern weltweit Muttertag begangen. In Deutschland etablierte ihn tatsächlich ab 1923 der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber und nicht erst die Nazis, obwohl diese ihn zweifelsohne für sich nutzen.
Anders ist es in Frankreich, wo die Fête des Mères fast immer am letzten Sonntag im Mai gefeiert wird; in diesem Jahr allerdings erst am 7. Juni. Wenn Pfingsten auf das letzte Maiwochenende fällt, verschiebt sich der Muttertag um eine Woche.
Ähnlich wie in den USA gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Versuche, Ehrentage für Mütter, die während des Ersten Weltkrieges Männer und Söhne verloren hatten, einzuführen. Per Gesetz wurde der Tag aber erst 1950 festgelegt. Das Datum haben einstige Kolonien übernommen.
Feiern, wenn alles blüht
Nach US-amerikanischem Vorbild wurde auch der mors dag in Schweden eingeführt, und zwar von Cecilia Baath-Holmberg. Zunächst sollte im Juni gefeiert werden. Doch dann wurde es ab 1919 der letzte Sonntag im Mai, egal, ob Pfingsten ist oder nicht. Die Begründung ist einfach: Es ist eine herrliche Jahreszeit, in der alles blüht.
Das wäre auch für den norwegischen Nachbarn ein Argument. Doch mitnichten. Der morsdag wurde erstmals am 9. Februar in einer methodistischen Kirche in Bergen begangen. Landesweit bekanntgemacht haben ihn anschließend Dorothea Margrethe Schjoldager und Karen Platou. Dass vielerorts zu dieser Zeit noch Schnee liegt, störte nie. Und warum nicht der Mai? Neben dem Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt und Pfingsten im Mai und Juni wird am 17. Mai auch noch der Verfassungstag gefeiert. Man wollte nicht noch einen Feiertag in den Mai legen.
Ein Besuch der "Mutterkirche"
Der Mothers's Day – auch Mothering Sunday – in Großbritannien steht hingegen in fester Verbindung mit dem Kirchenkalender und ist viel älter als jener aus den USA. Bereits ab dem 16. Jahrhundert soll er begangen worden sein; eine genaue Jahreszahl gibt es nicht. Er fällt stets auf den 4. Sonntag in der Fastenzeit und damit auf den Laetare-Sonntag. An diesem Tag besuchten Menschen ihre "Mutterkirche". Der Gottesdienst dort symbolisierte das Zusammenkommen der Familien.
Auch erhielten Landarbeiter an diesem Sonntag einen freien Tag. Sie sollten die Möglichkeit haben, ihre Mütter zu besuchen und in die Kirche zu gehen. Da anglikanische Missionare bereits 1842 nach Nigeria kamen und somit lange, bevor das heutige Staatsgebiet britische Kolonie wurde, wird in dem westafrikanischen Staat ebenfalls am vierten Sonntag in der Fastenzeit Muttertag gefeiert – zumindest ein bisschen.
Nigerias Katholiken verschieben Muttertag
Die Bevölkerung – etwa 240 Millionen – des Riesenstaates teilt sich in Muslime und Christen. Es gibt Tausende Kirchen, die gerne ihr eigenes Ding machen. Während also Anglikaner am Laetare-Sonntag Mütter hochleben lassen, machen es Katholiken am Sonntag nach dem 25. März, dem Hochfest der Verkündigung des Herrn. Das war in diesem Jahr schwierig; es war Palmsonntag. Und da weder an diesem, noch an Ostern oder dem Weißen Sonntag Muttertag gefeiert werden sollte, entschied sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Lucius Iwejuru Ugorji, kurzerhand für den 19. April.
Hari Ibu – Muttertag in Indonesien. Gefeiert wird dieser am 22. Dezember. Das Datum erinnert an den ersten Frauenkongress, der am 22. Dezember 1928 in Jakarta stattfand.
Die Mutter am Frühlingsbeginn feiern
In arabischen Ländern wird der Ehrentag hingegen am 21. März begangen und somit am Frühlingsanfang. Die Idee des Muttertages in Anlehnung an die amerikanische Tradition brachte Journalist Mustafa Amin nach Ägypten. Er soll jahrelang die Werbetrommel für die Einführung des Muttertages gerührt haben, der schließlich 1956 erstmals offiziell zelebriert wurde. Von dort aus hat sich das Datum in der ganzen Region ausgebreitet.
Wer braucht schon einen Muttertag, wenn es den Internationalen Frauentag gibt? In den Ländern Osteuropas war es lange Standard, Mütter ebenfalls am 8. März zu ehren; auch in der ehemaligen DDR wurde er nicht begangen.
In Russland führte der frühere Präsident Boris Jelzin den Muttertag schließlich 1998 per Erlass ein. Es ist der letzte Sonntag im November. Das nahm sich wohl Nachfolger Wladimir Putin 23 Jahre später zum Vorbild. Seit 2021 feiert Russland immer am 17. Oktober den Vatertag – eingeführt ebenfalls per Dekret.