Wie ein jüdisches Musikfestival Menschen zusammenbringen möchte

Wenn die FC-Hymne auf dem Schofar erklingt

Der 25-jährige israelische Musiker Bar Zemach spielt ein uraltes Blasinstrument, welches in der jüdischen Tradition eine große Rolle spielt. Im September tritt er mit dem Schofar beim jüdischen Musikfestival im Kölner Dom auf.

Autor/in:
Dagmar Peters
Bar Zemach / © Ricki Sofer
Bar Zemach / © Ricki Sofer

Der Schofar, ein uraltes und außergewöhnliches Blasinstrument ohne Ventile, das große Kontrolle über Mund und Lippen erfordert, hat Bar Zemachs Großvater ihm geschenkt, als er 18 Jahre alt wurde. Er wird aus einem langen, gedrehten Horn eines Kudus, also einer afrikanischen Antilopenart, gefertigt. Zemach spielte schon professionell Waldhorn, als er das Geschenk bekam. Er ist Solo-Hornist in Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra. Aufgrund dieser Voraussetzungen hat er schnell herausgefunden, wie er das traditionelle Instrument spielen kann.

Als sein Großvater starb, suchte er eine Synagoge auf, um in den Schofar zu blasen. Von da an hat er viel geübt, sodass er das Instrument heute virtuos beherrscht. Er spielt den Schofar nicht nur als Soloinstrument, sondern bringt die traditionellen jüdischen Klänge auch mit anderen Musikrichtungen zusammen. So spielt er zum Beispiel die "FC-Hymne" auf dem 3000 Jahre alten Instrument.

"Höchster Ausdruck des interreligiösen Dialogs"

Im Rahmen des Festivals SHALOM-MUSIK.KOELN im September gibt Zemach zusammen mit Domorganist Winfried Bönig ein Konzert für Schofar und Orgel im Kölner Dom. Darauf freut er sich schon ganz besonders.

Professor Winfried Bönig spielt zum Auftakt Bossi, Mozart, Dupré und Lemare / © Beatrice Tomasetti (DR)
Professor Winfried Bönig spielt zum Auftakt Bossi, Mozart, Dupré und Lemare / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Domorganist Winfried Bönig

"Ich empfinde große Dankbarkeit und kulturelle Verantwortung und freue mich ganz besonders auf das Spielen im Kölner Dom. Das ist für mich ein großer Meilenstein und auch höchster Ausdruck des interreligiösen Dialogs, den ich mit jedem Ton anstrebe."

Bar Zemach ist Residenzkünstler bei SHALOM-MUSIK.KOELN und wird im September mit seinem Instrument in der Stadt präsent sein. Dafür ist er sehr dankbar: "Ich fühle mich als Residenzkünstler hier wirklich zuhause, weil ich meinen kulturellen Hintergrund auf eine ganz eigene Weise mit den Menschen teile – und genau dort gehört mein Herz hin."

Ein Botschafter alter Klänge

Der Musiker betrachtet sich als Botschafter alter Klänge. Beim Musikfestival im September wird an vielen Orten in der Stadt jüdische Musik auch außerhalb von Synagogen gespielt werden. Das Motto des Festivals "Zuhören" ist nicht nur ein Titel, sondern eine kulturelle Haltung. Das Festival möchte in einer Zeit, in der jüdisches Leben in Deutschland wieder unter Druck steht, Raum schaffen für Dialog und Begegnung.

Das Festival SHALOM-MUSIK.KOELN findet vom 1. bis zum 10. September 2026 statt. 

Juden in Deutschland

Jüdisches Leben auf dem Gebiet der Bundesrepublik gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 321 aus Köln. Vor der nationalsozialistischen Machtergreifung lebten 1933 auf dem Gebiet des Deutschen Reiches rund 570.000 Juden. In der Folge des Holocaust wurden etwa 180.000 von ihnen ermordet, sehr viele flohen. 1950 gab es nur noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Eine Zukunft jüdischen Lebens im Land der Täter schien unwahrscheinlich und war innerjüdisch umstritten.

Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine (shutterstock)
Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine ( shutterstock )
Quelle:
DR

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