Mitrovica ist bis heute ein Symbol für die Spaltung des Kosovos. Der Fluss Ibar trennt die Stadt in zwei Teile: Im Süden leben mehrheitlich Kosovo-Albaner, im Norden Serben. Eine Fußgängerbrücke verbindet beide Seiten. Bis heute wird sie von Soldaten der KFOR-Schutztruppe bewacht, denn selbst nach dem Kriegsende kam es hier immer wieder zu Gewaltausbrüchen.
Eine Stadt, zwei Welten
Unterschiedliche Sprachen, Währungen, Bildungssysteme – in Mitrovica existieren zwei Realitäten nebeneinander. Auf der einen Seite Moscheen, auf der anderen orthodoxe Kirchen. Selbst die Verwaltung ist geteilt; es gibt zwei Bürgermeister. "Im serbischen Teil wird das kyrillische Alphabet verwendet, die Autos haben serbische Kennzeichen. Man ist außerdem gut beraten, ein paar serbische Dinare in der Tasche zu haben", sagt Martin Lenz, Leiter der Abteilung Projektarbeit beim Osteuropa-Hilfswerk Renovabis.
Viele Menschen überqueren die Brücke nur ungern. "Das Misstrauen in der Bevölkerung sitzt tief. Man hat sich wechselseitig zu viel angetan", so Lenz.
Die Wurzeln des Kosovo-Konflikts
Die Spannungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern reichen weit zurück. Nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren eskalierten die politischen und ethnischen Konflikte. Während des Kosovo-Kriegs 1998-99 starben rund 13.000 Menschen, Hunderttausende mussten fliehen. Erst eine Intervention der NATO im Jahr 1999 beendete die Kämpfe. Seitdem ist eine internationale Schutztruppe im Land stationiert.
Obwohl die Balkan-Republik 2008 ihre Unabhängigkeit erklärte, betrachtet Serbien den Kosovo weiterhin als Teil seines Territoriums. Auch Russland, China und fünf EU-Mitglieder erkennen den Kosovo als Staat nicht an. Der politische Status bleibt also umstritten.
Vom Zuhause vertrieben
Die Kosovo-Albanerin Teuta Kurti war elf Jahre alt, als der Krieg begann. Sie lebte mit ihrer Familie im Norden von Mitrovica und erinnert sich noch gut daran, wie die ersten Bomben fielen und die Essensvorräte knapp wurden. Kurz nach dem Krieg kam es zu gewaltsamen Enteignungen, von denen auch ihre Familie betroffen war: "Serbische Zivilisten kamen in unsere Wohnung und sagten: Das ist nicht mehr euer Zuhause. Mein Vater hatte den Kühlschrank vor die Tür gerückt, doch sie waren bewaffnet und brachen die Tür auf".
Die Erinnerungen an die Flucht und Gewalt begleiten die 39-Jährige bis heute. Teuta hat einen Weg gefunden, mit der Vergangenheit umzugehen. Sie studierte Musik, wurde Sängerin, trat im Fernsehen auf. Heute unterrichtet sie an der Don-Bosco-Schule in Pristina und gibt ihre Erfahrungen an die nächste Generation weiter. "Als Musikerin kannst du die traurigsten Momente in etwas Schönes verwandeln", sagt die Lehrerin und dreifache Mutter.
Bildung als Hoffnungsträger
Die Don-Bosco-Schule, betrieben vom Salesianer-Orden, genießt in der Hauptstadt einen guten Ruf. Eltern campieren teils tagelang, um ihre Kinder dort anzumelden. So groß ist die Nachfrage.
Denn Bildung ist in dem wirtschaftlich abgehängten Land ein hohes Gut. In internationalen Vergleichsstudien wie PISA schneiden die kosovarischen Schüler regelmäßig schlecht ab. Gleichzeitig ist Korruption ein großes Thema. Schmiergelder für gute Noten sind an staatlichen Einrichtungen keine Seltenheit. Die kirchlich getragene Institution lehnt Bestechung dagegen strikt ab und setzt sich für transparente und soziale Bildungsstandards ein. "An dieser Schule zählt nicht das Geld der Eltern, sondern die Motivation der Kinder", betont Renovabis-Referent Martin Lenz.
Eine junge Generation zwischen Aufbruch und Zweifel
Der Kosovo ist ein junges Land – auch demografisch. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 30 Jahren. Viele Jugendliche haben klare Ziele: Sie wollen studieren, ihr Land nach vorne bringen. Doch gleichzeitig denken viele über Auswanderung nach. Zu unsicher erscheinen die Perspektiven im eigenen Land. In den vergangenen 15 Jahren hat ein Drittel der Bevölkerung das Land verlassen.
Der 13-jährige Noar will bleiben. Der Don-Boso-Schüler hofft sehr, dass sein Land "eines Tages ein Land ist, wie alle anderen – erfolgreich und gut ausgebildet".