DOMRADIO.DE: Wie war die Aktion in der Citykirche in Mönchengladbach?
Ute Ganser-Koll (Friseurmeisterin und Mitglied der Barber Angels): Die Aktion war sehr gut. Wir hatten viele Gäste da, darunter dieses Mal erstaunlicherweise auch ein paar Jugendliche. Die Gästen sind immer unheimlich dankbar und haben schon auf uns gewartet. Die standen schon vor der Tür.
DOMRADIO.DE: Können Sie es in Zahlen fassen, wie viele Leute waren da?
Ganser-Koll: Wir waren gestern 36 Gäste und vier Angels, darunter auch ein Gast-Angel.
DOMRADIO.DE: Was sind das für Gespräche, die Sie mit den Gästen führen?
Ganser-Koll: Hinter jedem Gast steckt ein Schicksal. Wir kommen schon sehr nah an die Gäste heran, die uns ein bisschen ihren Lebensweg erzählen. Man erfährt auch immer, wie schnell man in die Obdachlosigkeit abrutschen kann. Dies gilt speziell auch in der jetzigen Situation, in der man sich eine Wohnung nicht mehr leisten kann oder wenn ein Schicksal die Leute aus der Bahn wirft.
Es ist schon erstaunlich, viele Geschichten gleichen sich. Man darf nicht sagen, mir kann es nicht passieren. Doch, es kann jedem Menschen passieren.
DOMRADIO.DE: Seit zehn Jahren gibt es die Barber Angels schon. Was motiviert Sie, weiterzumachen?
Ganser-Koll: Die Dankbarkeit der Gäste. Wir sind oft die Einzigen, die so nah an die Gäste herankommen, dass Berührungen zugelassen werden, was auf der Straße so gar nicht passiert. Alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht und vor allen Dingen kommt immer wieder: "Boah, jetzt fühle ich mich wieder als Mensch."
Das ist einfach nur toll, das sind tolle Momente, die man da erlebt. Einige Gäste sieht man dann auch wieder. Sie freuen sich, dass wir vor Ort sind und fragen auch schon, wann wir das nächste Mal kommen.
DOMRADIO.DE: Und wann kommen Sie das nächste Mal?
Ganser-Koll: Wir haben ganz viele Standorte in Nordrhein-Westfalen, mittlerweile auch in Europa und weltweit. Wir haben einen gewissen Rhythmus, sodass wir alle drei Monate zu den einzelnen Standorten gehen.
Wenn man bedenkt, wie klein das alles angefangen hat. Mittlerweile sind wir weltweit mehr als 2.500 Angels und das mit einem stetigen Anstieg. In Deutschland machen alleine 325 Friseure mit. Das ist schon eine fantastische Sache, wobei wir immer noch Leute brauchen können.
Das Interview führte Carsten Döpp.