Politiker Kretschmann hat keine Angst vor dem Tod

Glaubenswandel mit dem Alter

Der bekennende Katholik Winfried Kretschmann spricht immer wieder über das Christentum. Sein Glaube habe ihm viele Ängste genommen, so der Grünen-Politiker. Das gelte auch mit Blick auf das Ende seines Lebens.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht ein Grußwort zur 17. Württembergischen Evangelischen Landessynode.  / © Gottfried Stoppel
Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht ein Grußwort zur 17. Württembergischen Evangelischen Landessynode. / © Gottfried Stoppel

Winfried Kretschmann (77), Grünen-Politiker und scheidender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat laut eigenem Bekunden keine Angst vor dem Tod. Wer an Gott glaube und an die Hoffnung der Auferstehung, der könne dem Tod ins Gesicht schauen - ohne wegzugucken, sagte Kretschmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Sein Glaube habe ihn auch in seiner Karriere als Politiker getragen, sagte der bekennende Katholik. Als Politiker könne man immer scheitern, "und zwar richtig". Aber der Glaube habe ihm die Gewissheit gegeben, trotzdem nicht in einen Abgrund zu stürzen. "Wenn man politisch scheitert, scheitert man noch lange nicht als Mensch."

Glaube gibt Kraft

Ähnlich hatte sich Kretschmann zuvor bereits im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) geäußert: Sein Glaube habe ihn von Angst befreit. Mit dem Alter wandle sich der Glaube, sagte der Politiker nun der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Man beschäftige sich mehr mit Gott als mit Kirchenstrukturen.

Zwiefalten: Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht im Münster Unserer Lieben Frau bei einem Trauergottesdienst anlässlich des Zugunglücks von Riedlingen / © Bernd Weißbrod (dpa)
Zwiefalten: Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht im Münster Unserer Lieben Frau bei einem Trauergottesdienst anlässlich des Zugunglücks von Riedlingen / © Bernd Weißbrod ( dpa )

Außerdem habe er erst relativ spät bewusst wahrgenommen, dass man sich in Gottesdiensten sehr oft bei Gott bedanke, fügte der baden-württembergische Ministerpräsident hinzu. "Da wurde mir klar: Ohne eine Grunddankbarkeit kann man einfach nicht zufrieden sein, das ist völlig unmöglich."

Die Welt deuten

Auf die Frage, warum viele Menschen ihren Glauben verlören, antwortete Kretschmann, das liege am hermeneutischen Wesen des Menschen. "Nur indem wir die Welt deuten, bekommt sie Sinn für uns. Viele Menschen lassen sich auf das Hermeneutische im Glauben aber nicht ein, sie bleiben irgendwann stehen", so der Politiker. "Doch seinen Kinderglauben zu bewahren, klappt natürlich auch nicht, und dann verlieren sie den Glauben."

Glaube müsse Sinn ergeben, betonte Kretschmann. "Das ist den Kirchen aber etwas verloren gegangen - in einer Welt, wo der Glaube oder die Religion nur noch eine Option ist."

Quelle:
KNA