Der Leiter des Frankfurter Priesterseminars Sankt Georgen, der Jesuit Axel Bödefeld, fordert die deutschen Bischöfe zu mutigen Entscheidungen über die Zukunft der Priesterausbildung auf. Ein großes Problem sei, dass es viele Priesterseminare, aber nur wenige Kandidaten gebe, sagte Bödefeld am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Kleine Ausbildungsgruppen hätten oft weniger konstruktive Dynamiken als größere. "Es braucht Mut, die Anzahl der Priesterseminare deutlich zu reduzieren, um zu einer großen, lebendigen Gruppe zu kommen", so der Jesuit. Das Priesterseminar Sankt Georgen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
Die kürzlich von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung bezeichnete Bödefeld als anregend und hilfreich. Zugleich warnte er: Bleibe es bei der bisherigen Form, junge Männer im akademischen Vollzeitstudium, sei in wenigen Jahren "nichts mehr zu ordnen in der Priesterausbildung" - auch nicht in anderen pastoralen Berufen.
Neue Rahmenordnung
Perspektiven sieht der Jesuit in berufsbegleitenden Qualifikationen, nebenberuflichen Tätigkeiten und zeitlich befristeten Beauftragungen "zur Ausübung der Weihevollmachten". Zugleich plädiert er dafür, geistliche Berufungen von Frauen stärker zu berücksichtigen: "Wir müssen als Kirche anfangen, uns mit den Berufungszeugnissen dieser Frauen ernsthaft auseinanderzusetzen." Derzeit nehme er dabei sehr viel Angst und Zurückhaltung wahr.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat mit der neuen Rahmenordnung kürzlich die bisherigen Regelungen von 2003 ersetzt; die vatikanische Klerusbehörde bestätigte sie am 11. März. Künftig soll die Ausbildung stärker auf die Reifung der Persönlichkeit ausgerichtet sein sowie theologisch fundiert, kontextbezogen und unter Einbeziehung humanwissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen.