In seiner Predigt am Freitag der vierten Osterwoche stellt Domkapitular Markus Bosbach den heiligen Josef als Vorbild für ein christliches Verständnis von Arbeit in den Mittelpunkt. An dessen Gedenktag hebt er drei zentrale Aspekte hervor, die Josef den Gläubigen lehren könne.
Zunächst betont Bosbach, dass Arbeit vom Gebet durchdrungen sein solle. Josef habe in seinem Alltag stets offen für Gottes Eingebungen gelebt und eigene Pläne zurückgestellt: "Josef hörte. Und war aufmerksam für das, was Gott ihm sagte." Arbeit werde erst dann fruchtbar, wenn sie im Dienst Gottes geschehe und der Mensch zulasse, dass Gottes Anspruch auch die eigenen Pläne "durchkreuzen darf". So werde deutlich: "Dann beherrscht nicht die Arbeit unser Leben, sondern wir arbeiten … vor Gott."
Als zweiten Punkt hebt Bosbach hervor, dass Josef seine Arbeit durch ihren Einsatz für andere heilige. Arbeit könne Ausdruck von Nächstenliebe werden, wenn sie dem Wohl anderer diene und nicht nur dem eigenen Erfolg. Entscheidend sei die Liebe: "Was vor Gott zählt, ist die Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht."
Drittens unterstreicht Bosbach den asketischen Wert der Arbeit. Josef habe sich den täglichen Pflichten gestellt und sei ihnen nicht ausgewichen. Das geistliche Leben führe nicht aus dem Alltag heraus, sondern bewähre sich gerade in ihm. In Anlehnung an die monastische Tradition erinnert Bosbach: "Müßiggang ist aller Laster Anfang." Arbeit helfe, den Menschen zu formen und sich selbst besser zu erkennen, etwa wenn im Tun "aufwühlende Gedanken, Ärger oder Wut" sichtbar würden.
Abschließend betont Bosbach, dass Arbeit kein Gegensatz zum Glauben sei, sondern eine Hilfe auf dem Weg zu Gott. Wer um die eigene Begrenztheit und zugleich um seine Würde vor Gott wisse, bleibe "demütig und bescheiden". Mit einem Gebet bittet er den heiligen Josef, den Menschen zu helfen, "die Arbeit in ihrem tiefen Sinn zu erkennen, zu schätzen und auch lieben zu lernen."