Bischöfe regeln Priesterausbildung in Deutschland neu

Verbindliche Standards festgelegt

Deutschlands Bischöfe reformieren die Priesterausbildung, denn immer weniger Männer entscheiden sich dafür. Geplant sind mehr Praxis außerhalb des Seminars, mehr Verantwortung für Frauen und ein stärkerer Blick auf persönliche Reife.

Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari (KNA)
Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari ( KNA )

Mehr Frauenbeteiligung, psychologische Eignungsprüfung und ein neu strukturierter Ausbildungsweg: Die deutschen Bischöfe haben neue Regeln für die Ausbildung von Priestern veröffentlicht. Die neue "Ratio Nationalis Institutionis Sacerdotalis" ersetzt die bisherige Ordnung für Deutschland aus dem Jahr 2003. Im März wurde das Papier vom Vatikan bestätigt.

Die neuen Regeln legen verbindliche Standards für die Priesterausbildung in den deutschen Bistümern fest. Künftig sollen persönliche Reife, Dialogfähigkeit, Leitungsverantwortung und Zusammenarbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen im Mittelpunkt der Priesterausbildung stehen.

Rolle von Frauen

Deutlich verändert wird die Rolle von Frauen. Während sie in der bisherigen Ordnung kaum institutionell vorkamen, sollen sie künftig systematisch an Ausbildung und Auswahl beteiligt werden. Vorgesehen sind Teams aus Frauen und Männern. Zudem sollen qualifizierte Frauen an sogenannten Skrutinen mitwirken, also an Verfahren zur Entscheidung über die Zulassung zu Diakonat und Priesterweihe.

Seminaristen bei der Priesterweihe (Archiv) / © Corinne Simon (KNA)
Seminaristen bei der Priesterweihe (Archiv) / © Corinne Simon ( KNA )

Ein weiterer Schwerpunkt ist Prävention. Psychologische Begleitung wird von der Ausnahme zum Regelfall. Ziel sind frühzeitige Eignungsprüfungen, die Erkennung problematischer Entwicklungen und ein professionellerer Umgang mit Machtmissbrauch. Erstmals nennt das Regelwerk auch geistlichen Missbrauch ausdrücklich.

Zölibat

Neu akzentuiert wird zudem das Thema Sexualität. Verlangt werden Kenntnisse über Sexualität, Partnerschaftsdynamiken und psychoaffektive Reife. Kandidaten sollen sich mit der eigenen sexuellen Biografie auseinandersetzen und ihre Lebensform im Blick auf den verpflichtenden Zölibat reflektieren.

Auch der Ausbildungsweg wird neu gegliedert. Am Anfang steht das ein- bis zweijährige Propädeutikum außerhalb des Priesterseminars zur Klärung von Berufung und persönlicher Eignung. Es folgt eine Phase der Jüngerschaft mit Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung. In der Phase der Gleichgestaltung während des Theologiestudiums sollen Spiritualität und priesterliche Identität wachsen; dazu gehört auch ein Freijahr außerhalb des Seminars. Den Abschluss bildet die pastorale Phase mit der unmittelbaren Vorbereitung auf Diakonen- und Priesterweihe.

Rückgang von Studierenden

Priesterseminar Steyler Missionare St. Augustin (Steyler Missionare)

Der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, Bischof Michael Gerber, betonte die Bedeutung der persönlichen Entwicklung. "Die Ausprägung einer dialogischen Existenz ist wesentlich für einen Priester. Deshalb soll die Ausbildung nicht allein den Erwerb einzelner Fertigkeiten, sondern vor allem die Persönlichkeitsentwicklung fördern."

Die Reform erfolgt unter erheblichem Druck. Die Zahl der Priesterweihen sank in Deutschland von 131 im Jahr 2003 auf 25 im Jahr 2025. Auch Ausbildungsstandorte und Studierendenzahlen gingen deutlich zurück.


 

Quelle:
KNA