Am Samstag hatten wir in Köln zu tun und sind also am frühen Vormittag hingefahren. Zunächst zu unseren Schwestern im fertig renovierten Haus, um noch einige Dinge anzuschauen, zu notieren, zu planen. Da war es ganz ruhig und angenehm. Dann bin ich schnell zum Hauptbahnhof gelaufen, um dort etwas zu besorgen und war schon verblüfft, wie viele Menschen schon unterwegs waren und wie trubelig es war. Und dann sind wir kurz vor Mittag in die Innenstadt gegangen, um einige Einkäufe zu machen, die in unserem kleinen Städtchen nicht so gut gehen.
Aber diese vielen Leute, der viele Verkehr, die vollen Geschäfte. Zwischendurch mussten wir echt lachen, weil es so laut war und wir überhaupt nicht mehr klarkamen. Und dann haben wir uns, völlig unlogisch, bei einem Café an einen Außentisch gesetzt und Cappuccino bestellt und etwas zum Mittagessen. Und da saßen wir, mitten im Trubel, bei laufendem Verkehr und vielen Touris und Fußballfans, die zum Spiel am Nachmittag wollten, haben die Sonne genossen und tiefenentspannt alles beobachtet, geplaudert und die Pause sehr angenehm erlebt.
Da ist mir bewusst geworden, was den Unterschied macht zwischen genervtem Ertragen und entspanntem Erleben. Es ist die eigene innere Verfasstheit. Wenn ich selbst entspannt, geduldig und ohne Druck bin, kann ich alles andere ringsum gut haben und den lieben Gott einen guten Mann, eine gute Frau sein lassen und seine Menschen auch. Aber wenn ich selbst unter Druck bin, gehetzt und frustriert, in Eile und mit Terminen, dann ist alles ringsum zu viel und macht mich kirre und ich renne herum wie viele andere, die schlecht gelaunt und miesepetrig durch den Tag hetzen.
Bei Johann Baptist Metz habe ich vor langer Zeit den bemerkenswerten Satz gelesen "Religion ist Unterbrechung". Diese Aussage, so habe ich in einer Zusammenfassung gelesen, lädt dazu ein, die Rolle der Religion im modernen Leben neu zu betrachten. Sie ermutigt dazu, die alltäglichen Abläufe zu unterbrechen, um Raum für tiefere Überlegungen und spirituelle Erfahrungen zu schaffen. In einer Welt, die oft von Routine und Stress geprägt ist, kann diese Unterbrechung eine wertvolle Gelegenheit zur Selbstreflexion und zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensweise bieten. Das könnte auch für heute eine gute Idee sein und vielleicht sogar notwendig und heilsam für Dich und mich.