DOMRADIO.DE: Was ist das Besondere an Kevelaer?
Stefan Dördelmann (Pfarrer und Wallfahrtsrektor in Kevelaer): Das besondere an Kevelaer ist etwas ganz Kleines, nämlich das Wallfahrtsbildchen. Das ist eine Kopie eines Andachtsbildes der großen Muttergottes aus Luxemburg und schon seit 375 Jahren hier.
Es begeistert mich jedes Mal, dass dieses scheinbar unbedeutende Bild auf so viele Menschen, die mit ihren Anliegen und Sorgen nach Kevelaer kommen, eine Faszination ausübt. Es berührt mich jedes Mal aufs Neue, dass aus so Kleinem so Großes wird. Wir haben eben nichts Spektakuläres, kein Riesenwunder, keine Heilquellen, sondern "nur" diesen einfachen Bildstock.
DOMRADIO.DE: Der Leitsatz in diesem Jahr lautet "Raum geben". In der Regel stammen diese Leitsätze der Wallfahrtszeiten aus der Bibel. Warum ist das in diesem Jahr denn nicht so?
Dördelmann: Das klingt erst mal ein bisschen merkwürdig, weil "Raum geben" nicht so fromm klingt. Vielleicht ist aber gerade dies attraktiv. Wir wollen Menschen mit ihren Sorgen und Anliegen Raum geben. Wir wollen in unseren großen und den kleinen Kirchen einen Raum geben, in dem man innehalten kann.
Wir wollen auf Maria schauen, die in ganz besonderer Weise Jesus Raum gegeben hat. Im Grunde wollen wir auch auf sie schauen und von ihr lernen, wie spannend ein Leben mit Gott sein kann, wenn man ihm und seinen Plänen Raum gibt.
DOMRADIO.DE: Was sind denn Ihre Pläne für die Eröffnung der Wallfahrtszeit am 1. Mai?
Dördelmann: Wir bereiten momentan ganz viel vor. Zur Eröffnung wird dieses Jahr der Erzbischof von Paderborn zu Gast sein und mit einem Hammer dreimal auf die große Basilika-Pforte schlagen. Danach können dann alle – Priester, Diakone, Vertreter des Kolpingwerks sowie Banner- und Fahnenträger – einziehen. Drinnen schließt sich das große Pontifikalamt an.
DOMRADIO.DE: Was ist Ihr persönliches Highlight aus Ihren gut zwei Jahren als Wallfahrtsrektor?
Dördelmann: Meine persönlichen Highlights sind die ganz großen Gottesdienste. Wenn in der Basilika die Orgel, die bei uns einen ganz besonderen Platz hat, erklingt und alle ganz kräftig singen, dann bekomme ich Gänsehaut. Das kann ich nicht anders sagen.
Aber ich bin genauso fasziniert, wenn man im ganz kleinen Kreis still innehält und ich spüre, dass die Menschen ganz eng mit dem verbunden sind, was ihnen ganz persönlich auf dem Herzen liegt. Das berührt mich genauso stark.
Das Interview führte Marcus Poschlod.