In seiner Predigt betonte Domkapitular Meiering, dass in der Osterzeit Bewegung in die frühe christliche Gemeinde gekommen sei. Die Gläubigen seien trotz Verfolgung ausgezogen, um das Wort Gottes weiter zu verkünden. So sei auch Philippus auf einen einsamen Weg geschickt worden, wo er einem suchenden und fragenden Menschen begegnet sei - dem berühmten Kämmerer aus Äthiopien. Dieser habe zwar in der Heiligen Schrift gelesen, sie aber nicht verstanden. Philippus habe ihm dann Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, erklärt, woraufhin sich dem Kämmerer das Herz geöffnet und er um die Taufe gebeten habe.
Meiering sieht darin eine ernsthafte Frage an die heutige Zeit gestellt: "Wie finden Menschen in Deutschland, in Europa noch zu Christus?" Während die Taufzahlen im Kindesalter sinken, gebe es doch auch eine gegenläufige Bewegung, in der immer mehr Erwachsene die Taufe empfingen. "Offensichtlich geht es vielen Menschen heute auch so wie dem Kämmerer damals. Sie suchen nach Sinn, nach Orientierung, nach Gemeinschaft, eine lebendige Beziehung zu Gott." Daraus erwachse eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance. "Es kommt jetzt nur darauf an, dass diese Welt Menschen hat wie Philippus", so Meiering. "Wer erzählt heute von Christus wie Philipp, wer erklärt die Schrift wie Philipp, wer geht mit den Suchenden ein Stück des Weges wie Philipp?"
Domkapitular Meiering ist überzeugt, dass "der auferstandene Herr Menschen auch heute begegnet" und "mit seinen Fragen, mit seinem Anruf ihr Herz" berührt. "Und wenn es gut geht, dann sendet er uns wie Philippus auf die Lebenswege dieser Menschen." Daher bittet Meiering die Gläubigen, den Herrn um die Gnade zu bitten, "dass er uns zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe macht. Damit die Menschen vielleicht auch durch uns dich finden, O Herr, und Mut haben, dich zu bekennen und um die Gemeinschaft mit dir in der Taufe zu bitten."