Sr. Magdalena stammt aus Polen, arbeitet aber schon seit einigen Jahren mit Menschen in Flüchtlingslagern im Norden Ugandas. Sr. Redempta ist gebürtige Uganderin und kümmert sich heute um von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder in Kenia. Beide sind "Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika", auch "Weiße Schwestern" genannt. Sie sagen: Auch wenn der Papst jetzt nicht in die afrikanischen Länder kommt, in denen wir gerade leben und arbeiten, ist sein Besuch doch ein wichtiges Hoffnungszeichen für ganz Afrika.
Ihre Arbeit mit den Geflüchteten in Uganda hat Sr. Magdalena gelehrt, was für die Menschen dort das Wichtigste ist: Nämlich schlicht die Tatsache, dass sie vor Ort lebt, das Elend teilt und zuhört. "Das ist noch wichtiger als materielle Hilfe". In diesem Sinne sieht sie allein die Präsenz des Papstes in Afrika als wichtige Geste.
In der Stadt Adujmani in der Diözese Arua nahe der Grenze zum Südsudan kümmert sich Sr. Magdalena gemeinsam mit drei Mitschwestern und anderen Missionaren um die Menschen, die hier Zuflucht vor dem blutigen Bürgerkrieg in ihrer Heimat gesucht haben. Sie sind zuständig für bis zu 50.000 Geflüchtete, vor allem Frauen und Kinder, die in vier Lagern mehr schlecht als recht überleben; im ganzen Bistum gibt es aktuell 600.000 Flüchtlinge. Wobei die Flüchtlingslager im Norden Ugandas beispielhaft stehen für ganz Afrika.
Fast 90 Prozent Binnenflüchtlinge
40 Millionen Geflüchtete – darunter ca. 35 Millionen Binnenvertriebene – auf dem afrikanischen Kontinent machen heute etwa ein Drittel der weltweiten Flüchtlinge aus. Die große Mehrheit von ihnen leidet unter denselben oder ähnlichen Problemen, wie sie Sr. Magdalena und ihre Mitstreiterinnen vor Ort zu lindern versuchen: Hunger, kein Geld für Schulbildung, aus dem Herkunftsland importierte Konflikte zwischen unterschiedlichen Stämmen. "Auf die Frage, was sie am dringendsten brauchen, antworten viele einfach: Essen, Essen und noch mal Essen", erzählt die 38-Jährige.
Viele können selbst die geringen Beträge für die Grundschulbildung ihrer Kinder nicht aufbringen. Erschwerend hinzu kommen die einschneidenden Kürzungen internationaler Hilfen, beklagt Sr. Magdalena. Längst nicht nur das Ende der amerikanischen Entwicklungshilfe USAID mache den Menschen und ihren Helfern in Norduganda zu schaffen, auch viele andere Projekte seien inzwischen eingestellt, unterstützende Gelder aus dem Ausland flössen nicht mehr. "Wer krank wird, muss inzwischen 40 Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus laufen", erzählt die Ordensfrau.
Die Weißen Schwestern leben den Frieden vor
Unter diesen schwierigen Umständen setzen die Weißen Schwestern vor Ort auf pastorale Begleitung in den kleinen Kapellen, die sich die Menschen errichtet haben, um in ihren jeweiligen Sprachen zu beten und Gottesdienste zu feiern. Sie unterhalten Trainingsprogramme für Frauen, damit die künftig als Bäckerinnen, Frisörinnen oder Schneiderinnen etwas verdienen können. Sie organisieren Stipendien für Schulkinder. Und sie leben als internationale Ordensleute vor, dass Harmonie auch über Nationalitäts- und Sprachgrenzen hinweg möglich ist. "Als sich dann Mitglieder eigentlich verfeindeter Stämme gegenseitig eingeladen haben, war das für uns ein großes Hoffnungszeichen." Als solches sieht sie jetzt auch die aktuelle Papstreise – und zwar für alle Afrikanerinnen und Afrikaner. "Und auch für uns, die wir mit den Ärmsten der Armen arbeiten. Mit ihnen zusammen hungern wir nach Hoffnung."
Hilfen für missbrauchte Kinder
Hoffnung und Frieden sind auch in Sr. Redemptas Augen die großen Themen des päpstlichen Besuchs auf ihrem Heimatkontinent. "Für mich ist er ein Symbol des Friedens, gerade jetzt in der Osterzeit", sagt die 48-Jährige, die selbst aus Uganda kommt und in Kenia im Einsatz ist. Zusammen mit zwei Weißen Schwestern aus Ruanda und einer weiteren aus dem Kongo unterhält sie ein Rettungszentrum für Kinder, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind.
Seit über zehn Jahren gibt es dieses Zentrum in der kleinen Küstenstadt Malindi in der Diözese Malindi nun und die Schwestern arbeiten hier eng mit der Regierung zusammen, die ihnen betroffene Mädchen und Jungen schickt. Sie haben am Anfang viel Aufklärungsarbeit geleistet und sind mittlerweile zur etablierten Anlaufstelle geworden. Sie kooperieren mit der Polizei und den Gerichten, unterstützen die Kinder dabei, in Prozessen gegen die Missbrauchstäter auszusagen. Die sind wie überall auf der Welt in diesen Fällen oft enge Verwandte, aber in dem für seine malerischen Strände beliebten Ort immer wieder auch internationale Touristen, vor allem auch aus Europa. Jedes Kind bekommt therapeutische Hilfe und Rechtsbeistand.
"Unser Motto ist: Lieben um zu heilen"
Im Zentrum finden Mädchen von 2 bis 18 Jahren Zuflucht und Jungen bis zu 12 Jahren, denn in diesem Alter sind sie jeweils am gefährdetsten, erzählt Sr. Redempta. Insgesamt werden auch in Malindi deutlich mehr Mädchen missbraucht als Jungen; viele werden von ihren Familien minderjährig verheiratet, andere zur Prostitution gezwungen, wieder andere Opfer von Genitalverstümmelung. Im gemischt religiösen Malindi mit seiner muslimischen Mehrheit nehmen die katholischen Schwestern Kinder verschiedenster Religion und Konfession auf. "Unser Motto ist: Lieben um zu heilen", erklärt die Ordensfrau.
Das Zentrum werde vielen dieser Kinder und Jugendlichen zum Schutzraum, in dem sie einfach sein dürften, wie sie sind. In der Arbeit mit den Therapeutinnen und den Schwestern gelänge es so auch tatsächlich vielen, ihren Schmerz zu teilen und die schweren Verletzungen am Ende so weit zu überwinden, dass sie wieder zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen könnten. Weil die Kinder nur eine begrenzte Zeit im Heim bleiben können – von normalerweise drei Monaten bis zu einem Jahr – kümmern sich die Schwestern auch darum, wie es danach weitergeht und suchen zum Beispiel Pflegefamilien.
Papst bringt die Friedensbotschaft
Wie die Situation der vielen Flüchtlinge ist auch die sexualisierte Gewalt gegen Kinder ein über den ganzen Kontinent weit verbreitetes Phänomen, oft sind beide Problematiken eng miteinander verknüpft. Dass das daraus entstehende Leid himmelschreiend ist, wissen sowohl Sr. Redempta als auch Sr. Magda aus ihrer täglichen Arbeit. "An so vielen Orten in Afrika kämpfen wir gegen extreme Armut, gegen Ausbeutung, gegen Verzweiflung", sagt Sr. Redempta. "Und all denen, die so viel leiden müssen, bringt der Papst jetzt die Botschaft des auferstandenen Jesus mit: Der Friede sei mit euch!"