US-Präsident Donald Trump hat den Papst über die Plattform Truth Social attackiert. Leo XIV. solle sich zusammenreißen, der radikalen Linken nicht nach dem Munde reden und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein und kein Politiker, schrieb Trump am Sonntag im Netzwerk. Das schade dem aus den USA stammenden Kirchenoberhaupt sehr. Und was noch wichtiger sei. "Es schadet der katholischen Kirche", schrieb Trump weiter.
Trump behauptete, ohne ihn wäre Robert Prevost im vergangenen Mai nicht zum Papst gewählt worden. "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan", schrieb der US-Präsident. Seiner Argumentation zufolge wurde Prevost gewählt, weil die katholische Kirche geglaubt habe, sie stelle sich gut mit ihm als Präsident der USA, wenn sie einen Landsmann zum Kirchenoberhaupt wählt. Trump schrieb weiter, der Papst sollte daher "dankbar" sein.
Trump schrieb, er wolle keinen Papst, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisiert, weil er genau das tue, wozu er mit einem Erdrutschsieg gewählt worden sei: Tiefststände bei der Kriminalität zu erreichen und den "besten Aktienmarkt der Geschichte" zu schaffen. Weiter schrieb er, er wolle keinen Papst, der es in Ordnung finde, dass der Iran eine Atomwaffe besitze und er wolle keinen Papst, der denke, dass es schrecklich sei, dass die USA Venezuela angegriffen hätten.
Erste Vatikan-Reaktion auf Papst-Kritik: Trump zeigt "Ohnmacht"
Als "Deklaration der Ohnmacht" hat unterdessen ein Vatikan-Offizieller die Verbalattacke von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. eingeordnet. Der Jesuit Antonio Spadaro, Untersekretär in der Kulturbehörde des Vatikans, schrieb am Montagmorgen in Sozialen Medien: "Wenn politische Macht eine moralische Stimme attackiert, dann liegt es oft daran, dass sie diese Stimme nicht in ihre Schranken weisen kann."
Spadaro fährt fort: "Trump argumentiert nicht mit Leo, er fleht ihn an, eine Sprache zu benutzen, die er kontrollieren kann. Aber der Papst spricht eine andere Sprache. Eine, die nicht auf die Grammatik von Gewalt, Sicherheit und nationalem Interesse reduziert werden kann."
Weiter schreibt Spadaro: "In diesem Sinn ist die Attacke eine Deklaration der Ohnmacht. Weil sie nicht in der Lage ist, diese Stimme ungehört zu machen, versucht die Macht, sie zu delegitimieren. Aber indem sie das tut, erkennt sie indirekt ihr Gewicht an."
Der italienische Jesuit Spadaro (59) ist seit 2023 dritter Mann im vatikanischen Dikasterium für Kultur und Bildung. Zuvor war er Chefredakteur der einflussreichen Jesuitenzeitschrift "La Civiltà Cattolica".
Trump reagiert auf Predigt des Papstes
Trumps heftige Kritik folgt auf eine Predigt des Papstes am Samstag, in der dieser ein Ende von Kriegen gefordert hatte. "Schluss mit dem Krieg!", hatte das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken bei einem großen Friedensgebet im Petersdom in Rom gesagt.
An die Regierenden richtete der Papst in seiner Predigt einen direkten Appell: "Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!" Der Pontifex sprach von "Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden".
Zuvor schon hatte Papst Leo XIV. Trump in den vergangenen Tagen mehrfach für dessen Kriegskurs gegen den Iran kritisiert. Trumps Drohen mit dem Auslöschen einer ganzen Zivilisation, die dieser kurz vor einer Einigung auf eine Waffenruhe mit dem Iran ausgesprochen hatte, nannte er "inakzeptabel".
Am 28. Februar hatten die USA und Israel den Iran angegriffen, der seinerseits mit Gegenangriffen reagierte. Derzeit gilt eine Waffenruhe.
Eine Einschätzung der neuen politischen Rolle des Papstes lesen Sie hier.