Predigten

Zweifel gehört zum Leben – Predigt von Dompropst Assmann

Dompropst Guido Assmann stellte zu Beginn seiner Predigt fest, dass Zweifel zum Leben gehöre. Es sei notwendig, nicht alles ungeprüft für wahr zu halten. Gerade in einer Zeit mit unterschiedlichen Informationen brauche es einen "gesunden Zweifel". Anhand eines Beispiels erklärte er, dass Vertrauen aus Erfahrung wachse: Ein Kind springe nur dann von einer Mauer, wenn es darauf vertrauen könne, aufgefangen zu werden.

Vor diesem Hintergrund deutete Assmann das Evangelium vom Apostel Thomas. Die Bezeichnung "der ungläubige Thomas" sei dabei nicht ganz treffend. Thomas sei beim ersten Erscheinen Jesu nicht anwesend gewesen. Die anderen Jünger hätten selbst Zeit gebraucht, um zu begreifen, was geschehen war. Auch sie hätten die Begegnung mit dem Auferstandenen erst nach und nach verstanden.

Thomas fordere keine bloße Sichtbarkeit, sondern die Gewissheit, dass der Auferstandene derselbe sei, der gekreuzigt wurde. Er wolle die Wundmale sehen und berühren. Acht Tage später erscheine Christus erneut in der Mitte der Jünger. Thomas begegne ihm und bekenne: "Mein Herr und mein Gott." Sein Zweifel führe zum Glauben, weil er Christus begegne.

Zugang zum Glauben über andere Gläubige

Assmann betonte, dass diese Erfahrung nicht auf die Zeit der Apostel beschränkt sei. Auch heute könnten Menschen Christus begegnen, etwa im Wort Gottes, in der Eucharistie und in den Sakramenten. Zugleich stellte er fest, dass viele Menschen den Zugang zum Glauben zunächst über andere Gläubige finden. Das Zeugnis von Christen, die ihren Glauben leben, sei oft der erste Kontakt mit Kirche und Glauben.

Er verwies darauf, dass die Kirche aus dem Zeugnis der Apostel gewachsen sei. Diese hätten von ihrer Begegnung mit Christus berichtet und so andere zum Glauben geführt. Diese Aufgabe gelte auch heute. Christen seien gerufen, ihren Glauben im Alltag sichtbar zu machen und zu erklären, warum sie sich für andere einsetzen und Verantwortung übernehmen.

Zweifel im Glauben ist kein Ausnahme

Zugleich rief Assmann dazu auf, Menschen mit Zweifeln ernst zu nehmen. Zweifel im Glauben seien keine Ausnahme. Viele Menschen wollten glauben, fänden aber aufgrund ihrer Erfahrungen keinen Zugang. Hier brauche es Begleitung und Gemeinschaft.

Der Dompropst beschrieb die Kirche als Gemeinschaft, in der Menschen einander im Glauben unterstützen. Diese Gemeinschaft zeige sich in Familien, Gruppen und Vereinen ebenso wie in der Versammlung der Gläubigen im Gottesdienst. Entscheidend sei, dass Christen einander tragen und gemeinsam Zeugnis geben.

Zum Abschluss betonte Assmann, dass der Glaube ein Geschenk sei. Niemand solle sich deshalb über andere erheben. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam auf dem Weg zu bleiben, Zweifel zu teilen und Christus zu begegnen. In dieser Begegnung könne sich Zweifel wie bei Thomas in ein Bekenntnis verwandeln.