Erzbischof Koch betont Bedeutung der Erstkommunion für Familie

"Bei gutem Wetter kann jeder Weißen Sonntag feiern"

Auch bei 'schlechtem Wetter' am Glauben festzuhalten, sei nicht einfach, erklärt der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Nach der Erstkommunion sei es entscheidend, die Freundschaft mit Jesus und die Gemeinschaft mit Gläubigen zu pflegen.

Autor/in:
Hartmut Salzmann
Hochamt mit Erstkommunionfeier am sechsten Sonntag der Osterzeit im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochamt mit Erstkommunionfeier am sechsten Sonntag der Osterzeit im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Bonifatiuswerk: Gab es einen Moment während Ihrer eigenen Erstkommunion, der Sie geprägt hat und von dem Sie bis heute getragen werden – auch in Ihrem Dienst als Bischof?

Erzbischof Heiner Koch / © Julia Steinbrecht (KNA)
Erzbischof Heiner Koch / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Erzbischof Heiner Koch (Erzbistum Berlin): Ich erinnere mich noch genau, als ich morgens am Weißen Sonntag aufwachte. Es regnete in Strömen und dieser Dauerregen hielt fast den ganzen Tag über an. 

Es war schon eine gewisse Enttäuschung da. Aber mein Vater hat mir damals gesagt, bei gutem Wetter kann jeder Weißen Sonntag feiern. Bei gut dem Wetter, kann jeder dem lieben Gott ein Loblied singen, aber bei schlechtem Wetter dennoch zu beten, dennoch zu Feiern, das ist eine Größe. 

Dieses Wort ist mir mein ganzes Leben nachgegangen und trägt mich in schwierigen Situationen, die ich heute noch als Bischof erlebe. Bei gutem Wetter an Gott zu loben und zu danken ist vielleicht einfach, aber In schwierigen Lebenssituationen, wenn es hart wird, gotttreu zu bleiben, ist die Herausforderung.

Bonifatiuswerk: Was ist für Sie das Wertvolle an der Eucharistiefeier?

Koch: In der Eucharistie geht es um die Begegnung mit Christus. Das ist das Wichtigste und Wertvollste. Christus ist da in der Gemeinschaft der Menschen und in Brot und Wein. Er ist wirklich da. Deshalb liebe ich auch einfache Gottesdienste. Wir stehen nun im Altar, so wie wir sind. Jeder hat sich mitgebracht, seine Grenzen, seine Probleme, sein Glauben. Die anderen haben sich auch mitgebracht und Gott ist da.

Heiner Koch

"Mir hat die schöne Kleidung geholfen wahrzunehmen, dass es etwas Besonderes ist, dass dieser Tag ein großes Fest ist."

Bonifatiuswerk: Wie gelingt es, trotz Geschenken, Kleidung und toller Feier, die spirituelle Tiefe des Sakraments ausreichend zu würdigen?

Koch: Mir hat die schöne Kleidung, mein erster Anzug und die Fliege geholfen wahrzunehmen, dass es etwas Besonderes ist, dass dieser Tag ein großes Fest ist. Das Äußere war Ausdruck. Wenn das Äußre nicht mehr Ausdrucks des Inneren ist, sondern sich verselbstständigt, dann führt es von dem Fest und vom Gedanken weg.

Das Wesentliche ist die Gemeinschaft und die Freundschaft mit Christus. Ob die Zeichen, die Geschenke, die Gaben, die Feier, die wir erleben, wirklich zu dieser Begegnung hinführt oder von ihr wegführt, das ist das entscheidende Kriterium.

Hochamt mit Erstkommunionfeier am sechsten Sonntag der Osterzeit im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochamt mit Erstkommunionfeier am sechsten Sonntag der Osterzeit im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Wir haben hier eine Pfarrei, in der hat jedes Kind in der Kirche eine eigene, persönliche, große Kerze, die während der Vorbereitungszeit in dieser Kirche brennt. Die Erstkommunikation fängt immer mit dem Entzünden dieser Kerze an und zeigt damit, dass es wichtig und entscheidend ist, dass du hier ganz nah bei Christus bist und Christus ganz nahe bei dir ist. Darauf kommt es an. Sind die Zeichen hinführend zu Christus oder führen sie weg?

Bonifatiuswerk: Was können Erwachsene von Kindern lernen, um die Eucharistie wieder mit Staunen zu empfangen?

Koch: Begeisterung, Dankbarkeit und Staunen. Kinder sind enorm schnell zu begeistern. Für mich ist die Eucharistie vor allen Dingen eine Feier der Danksagung. Wenn ich mit Kindern zusammenkomme und wir zusammen beten, dann sage ich immer: Sag doch dem lieben Gott einmal, wofür du dankbar bist.

Dann erzählen Kinder sehr schnell und es sprudelt aus ihnen heraus. Es ist erstaunlich, was Kinder dann alles sagen. Dass die Eucharistiefeier eine Danksagen ist, ist vielleicht das Größte, was sie von Kindern lernen können.

Heiner Koch

"Kinder und Eltern müssen erfahren, dass sie nicht bedeutungslose Außenseiter sind."

Bonifatiuswerk: Knapp sechs Prozent der Menschen im Erzbistum Berlin sind Mitglied der katholischen Kirche. Das ist Diaspora pur. Wird die Erstkommunion hier "bewusster" gefeiert?

Koch: Die Durchschnittszahlen für unser Erzbistum Berlin sagen nicht viel, weil wir hier Gebiete mit einem relativ hohen Katholikenteil haben etwa im Berliner Westen, aber natürlich auch Regionen mit einem sehr geringen Anteil. 

Jedem in der Diaspora ist klar, als Katholiken sind wir hier eine Minderheit. Für Kinder ist das konkret erfahrbar, wenn in der Klasse kein anderes Kind zur Erstkommunion mitgeht. Aber ich bin auch gegen eine Verklärung des Minderheitsstatus. Die Gemeinschaft, die wir gerade in der Diaspora leben, ist ganz wichtig. 

Kinder und Eltern müssen erfahren, dass sie nicht bedeutungslose Außenseiter sind. Es ist einfach toll, wenn die Kirche zu Erstkommunikationen voll ist und wir sehen, dass wir viele sind. Ich glaube, dass es diese Gemeinschaft braucht, die einen stärkt. 

Das darf nicht abstrakt sein, sondern das muss erfahrbar sein. Deshalb freue ich mich jedes Jahr darauf, mit den Erstkommunionkinder in der Vorbereitung zusammen zu feiern, bei dem Kinder aus der ganzen Bistum zusammenkommen, die demnächst zur Kommunion gehen.

Heiner Koch

"Ohne die Erfahrung lebendige Gemeinschaft werden Kinder in ihrem Glaubensprozess überfordert."

Bonifatiuswerk: Was antworten Sie einem Kind, das fragt: "Warum gehen eigentlich viele Erwachsene nicht mehr zur Kirche, obwohl sie einmal zur Erstkommunion gegangen sind?"

Koch: Ich glaube nicht, dass Kinder sich damit auseinandersetzen, dass Menschen statistisch nicht mehr wiederkommen. Es ist aber in der konkreten Erfahrung, was Kinder sagen und empfinden, wenn sie sehen, dass ihre Eltern nicht in die Kirche gehen. Glauben Papa oder Mama gar nicht? Das ist eine existenzielle Auseinandersetzung für Kinder. 

Es ist gut, diese Situation mit Kindern zu besprechen. Wichtig ist, dass die Kinder gleichzeitig eine Gemeinde und Gruppen in der Gemeinschaft erleben. 

Ich halte es deshalb für sehr richtig und wichtig, dass die Begleitung der Kinder nach dem Erstkommunionunterricht weitergeht, zum Beispiel in Form von gemeinsamen Fahrten und Ausflügen mit Eltern, Großeltern, Geschwistern, bei dem sie gemeinsam einen Tag erleben. Ohne die Erfahrung lebendige Gemeinschaft werden Kinder in ihrem Glaubensprozess überfordert.

Bonifatiuswerk: Wie kann Kirche Eltern und Kinder so begleiten, dass die Erstkommunion ein Anfang ist und nicht zu einem einmaligen Ereignis wird?

Koch: Der hervorragende Weg, Kinder und ihre Eltern an Kirche zu binden und dort zu beheimaten ist, dass sie Verantwortung übernehmen. Nicht mit den besten Angeboten binden wir sie, sondern indem wir ihnen Verantwortung übergeben. 

Auch Eltern, die beispielsweise das Glaubensbekenntnis nicht kennen, können etwa beim Pfarrfest mithelfen. Aber auch Kinder sollen Verantwortung übernehmen. Beim Ministrantendienst wird das deutlich oder im Kinderchor. 

Dahinter steckt die Tugend der Treue und der Verlässlichkeit. Wir müssen als Gemeinde und als Kirche darauf achten, dass wir genug Einstiegsmöglichkeiten bieten, wenn die Beziehung zur Kirche verloren gegangen ist. Wo gibt es Punkte, bei denen wir wieder auf die Menschen zugehen? Ich habe zum Beispiel in meiner Kaplanzeit gute Erfahrungen damit gemacht, die Kommunionkinder in Weihnachten zur Krippe einzuladen. Da kamen Eltern mit, auch die, die sich vielleicht etwas entfernt hatten.

Heiner Koch

"Eine Freundschaft, die nicht regelmäßig gepflegt wird, geht kaputt."

Bonifatiuswerk: "Ihr seid meine Freunde" lautet das Leitwort der Erstkommunionaktion 2026. Es geht auf die Worte Jesu im Abendmahlsaal zurück. Was sind Ihre Gedanken dazu?

Koch: Freundschaft lebt von Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit. Sie hat Höhen und Tiefen, sie braucht aber auch Zeit und Pflege. Deshalb hat der sonntägliche Gottesdienst eine so große Bedeutung. Eine Freundschaft, die nicht regelmäßig gepflegt wird, geht kaputt. 

Ich finde es wunderschön, sich vorzustellen, dass Jesus mir sagt, ich brauche dich. Die Frage an uns lautet dann, lasse ich Jesus hängen, lass ich Jesus allein? Das ist auch eine gute Frage der Freundschaft für Kinder.

Das Interview führte Hartmut Salzmann.

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

Das 1849 gegründete Bonifatiuswerk ist das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität. Es unterstützt katholische Christinnen und Christen dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es jährlich mehr als 1000 Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.

Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken (KNA)
Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken ( KNA )
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