Monsignore Austen benennt Erstkommunion als Ankerpunk für den Glauben

"In der Eucharistie schenkt er sich selbst"

Kinder lernen in der Erstkommunionvorbereitung fürs Leben, erklärt Monsignore Georg Austen. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerks erläutert zum Weißen Sonntag, warum die Erstkommunion auch in einer säkularen Gesellschaft wichtig ist.

Erstkommunion der Kölner Domsingschule im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Erstkommunion der Kölner Domsingschule im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Bonifatiuswerk: Braucht es in einer zunehmend säkularen Gesellschaft das Sakrament der Erstkommunion?

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerks): Mehr denn je. In einer Gesellschaft, in der religiöse Bindungen nicht mehr selbstverständlich sind, brauchen Kinder und Familien Orte, an denen sie Glauben erfahren und Gemeinschaft erleben können. Die Erstkommunion ist ein solcher Ankerpunkt. Sie ist eine Einladung an die gesamte Familie, die Inhalte des Glaubens zu erfahren und für sich neu zu entdecken. 

Wir als Bonifatiuswerk wollen helfen, diesen Weg bewusst zu gestalten – nicht als Folklore oder sich alljährlich wiederholendes Event, sondern als Einladung zu einer echten, lebendigen Beziehung zu Christus und zur Kirche.

Monsignore Georg Austen / © Wilfried Hiegemann (Bonifatiuswerk)

Bonifatiuswerk: "Ihr seid meine Freunde" – so lautet das Leitwort der diesjährigen bundesweiten Erstkommunion-Aktion des Bonifatiuswerkes. Warum wurden ausgerechnet diese Worte aus dem Johannesevangelium ausgewählt? Was bedeuten sie gerade für Kinder, die zur Erstkommunion gehen?

Austen: Wenn Jesus sagt "Ihr seid meine Freunde", dann sind diese Worte weit mehr als ein einfacher Ausdruck von Zuneigung. Er spricht Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen Würde und Nähe zu. Freundschaft ist etwas sehr Vertrautes: Sie bedeutet Vertrauen, Verlässlichkeit, gemeinsam auf dem Weg zu sein – und manchmal auch Versöhnung. 

Für Erstkommunionkinder ist das eine wunderbare Zusage: Jesus ist kein ferner Beobachter, sondern ein Begleiter, der immer an eurer Seite ist. In der Eucharistie, in der er selbst in den Gaben von Brot und Wein mitten unter uns ist, schenkt er sich selbst – das ist der tiefste Ausdruck dieser Freundschaft.

Bonifatiuswerk: Das Bonifatiuswerk erstellt jedes Jahr Materialien für die Erstkommunion-Vorbereitung. Es wird bundesweit an etwa 10.000 katholische Kirchengemeinden verschickt. Warum ist Ihnen diese Unterstützung ein so großes Anliegen?

Austen: Die Erstkommunion ist für viele Kinder einer der ersten bewussten Schritte in ein eigenständiges Glaubensleben. Deshalb liegt es uns sehr am Herzen, diesen Weg zu begleiten. Wir wollen die Katechetinnen und Katecheten und auch die Familien darin unterstützen, mit den Kindern einen gemeinsamen Weg zu gehen. 

Gute Vorbereitung stärkt nicht nur Wissen, sondern Beziehung – die Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft der Kirche. Mit dem Material wollen wir Kinder in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen erreichen – in Großstädten ebenso wie in ländlichen Regionen, in lebendigen Pfarreien genauso wie in Gemeinden, in denen Christen eine kleine Minderheit sind. Uns geht es darum, überall eine verlässliche Grundlage für die Katechese zu bieten und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.

Georg Austen

"So wird die Feier der Gemeinschaft mit Gott zur gelebten Gemeinschaft untereinander."

Bonifatiuswerk: Was lernen Kinder bei der Erstkommunion-Vorbereitung fürs Leben?

Austen: Die Kinder erfahren nicht nur, was Eucharistie bedeutet, sie lernen auch, wie man Solidarität lebt. Der Empfang der ersten heiligen Kommunion ist eine Zusage, die Freundschaft Jesu anzunehmen, ihm zu vertrauen, aus seinen Worten Taten folgen zu lassen und in Nächstenliebe und Güte zu leben und zu handeln. 

In der Erstkommunion-Vorbereitung befassen sich Kinder damit, wie sie ganz konkret helfen können. Mit ihren Gaben unterstützen sie Projekte für Kinder und Jugendliche in der Diaspora – etwa für katholische Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Religiöse Kinderwochen oder Glaubenskurse. 

So wird die Feier der Gemeinschaft mit Gott zur gelebten Gemeinschaft untereinander. Der Glaube bleibt nicht privat. Da steckt ganz viel von dem Leitsatz drin, dem sich das Bonifatiuswerk verschrieben hat: Keiner soll alleine glauben.

Bonifatiuswerk: Was können Erwachsene von Erstkommunionkindern lernen?

Austen: Kinder zeigen uns, was es heißt, unvoreingenommen zu sein. Kinder stellen Fragen, die uns manchmal herausfordern – und uns zugleich helfen, den Kern des Glaubens neu zu entdecken. Wenn ein Kind fragt: "Wie kann Jesus in diesem kleinen Stück Brot sein?", dann steckt darin echtes – wenn auch kindliches – theologisches Interesse. Diese Offenheit tut auch uns Erwachsenen gut.

Bonifatiuswerk: Wie kann das Leitwort "Ihr seid meine Freunde" konkret im Alltag von Kindern Gestalt annehmen?

Austen: Indem Kinder erfahren: Ich bin nicht allein. Freundschaft mit Jesus bedeutet, sich ihm anzuvertrauen – im Gebet, im Gottesdienst, in schwierigen Situationen. Und diese Freundschaft drückt sich im Umgang miteinander aus: in Hilfsbereitschaft, im Teilen, im Einstehen füreinander. Gerade die Spendenaktion zur Erstkommunion macht das sichtbar.

Bonifatiuswerk: Was wünschen Sie den Gemeinden und den zahlreichen Helfenden, die die Erstkommunion vorbereiten?

Austen: Vor allem spüre ich erst einmal Dankbarkeit für das Engagement, das Tausende von Menschen zur Vorbereitung der Erstkommunion an den Tag legen. Ich wünsche allen Beteiligten, dass sie dieses Ereignis nicht nur als Termin, sondern vielmehr auch als Chance für sich sehen. 

Unser Leitwort lädt dazu ein, über Freundschaft im Glauben nachzudenken – zwischen Kindern, Familien, Gemeinden und Gott. Wenn diese Verbundenheit spürbar wird, dann wirkt die Aktion weit über den Festtag hinaus und trägt zur lebendigen Gemeinschaft unserer Weltkirche bei.

Georg Austen

"Jesus lädt dich an seinen Tisch ein – nicht als Gast, sondern als Freund."

Bonifatiuswerk: Wenn Sie die Erstkommunion in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde er lauten?

Austen: Jesus lädt dich an seinen Tisch ein – nicht als Gast, sondern als Freund.

Das Interview führte Hartmut Salzmann.

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

Das 1849 gegründete Bonifatiuswerk ist das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität. Es unterstützt katholische Christinnen und Christen dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es jährlich mehr als 1000 Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.

Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken (KNA)
Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken ( KNA )
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