Katholiken in den USA wehren sich gegen Trumps Kriegsdrohungen

"Moralisch nicht zu rechtfertigen"

Von vorsichtiger Distanz zu offenem Widerspruch. Die katholische Kirche in den USA übt scharfe Kritik an Donald Trumps Iran-Krieg. Papst Leo XIV. schaltet sich direkt ein. Niemand dürfe Gott benutzen, um Krieg zu rechtfertigen.

Autor/in:
Bernd Tenhage
US-Präsident Donald Trump hält die Rede zur Lage der Nation / © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP (dpa)
US-Präsident Donald Trump hält die Rede zur Lage der Nation / © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP ( dpa )

Seinen Namen nannte er nicht. Doch der dringende Appell des Papstes, an die vielen unschuldigen Kinder und alten Menschen zu denken, die ebenfalls Opfer dieser Eskalation würden, richtete sich direkt an einen: Donald Trump. 

Der US-Präsident hatte dem Iran am Ostersonntag mit der "Hölle" und zwei Tage später mit der Zerstörung "einer ganzen Zivilisation" gedroht.

Papst Leo XIV. gab darauf vor Reportern in Castel Gandolfo seine Zurückhaltung auf. Die Drohung gegen das gesamte iranische Volk sei "nicht akzeptabel", sagte der Papst kurz vor Ablauf des Ultimatums am Dienstagabend. Er rief die Amerikaner auf, nicht nur zu beten, sondern aktiv zu werden. Sie sollten ihre Kongressabgeordneten kontaktieren und klarmachen, dass sie keinen Krieg wollten, sondern Frieden.

Appell des Papstes zeigt Wirkung

Der Appell des aus den USA stammenden Papstes zeigt Wirkung. Nicht nur in Form von E-Mails an die Kongressabgeordneten. Vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Paul Coakley, über den Militärbischof Timothy Broglio und den konservativen Princeton-Rechtswissenschaftler Robert George bis hin zu rechtskatholischen Podcastern reicht der Chor der Kritiker des Angriffskriegs gegen Iran.

Erzbischof Paul Coakley (Erzbistum Oklahoma City)

Erzbischof Coakley nannte Trumps Drohungen "moralisch nicht zu rechtfertigen". Militärbischof Broglio stellte die Legitimität des Kriegs unter Berufung auf die katholische Lehre vom gerechten Krieg grundsätzlich infrage. Rechtswissenschaftler Robert George erklärte, sollte Trump einen entsprechenden Befehl erteilen, sei es die Pflicht militärischer Führer, den Gehorsam zu verweigern. Und die rechte Influencerin Candace Owens forderte Trumps Absetzung. Er sei ein "völkermörderischer Irrer".

Das Gewissen des JD Vance

Selbst der konvertierte Katholik JD Vance entdeckte sein Gewissen, als der Vizepräsident Trump nach einem Besuch Benjamin Netanjahus in Washington von einem Angriff abriet. Laut einem exklusiven Bericht der "New York Times" soll der israelische Ministerpräsident Trump am 11. Februar im Situation Room des Weißen Hauses überredet haben, den Iran anzugreifen.

Netanjahu habe Trump einen leichten Sieg versprochen, schreibt die Zeitung. Das Raketenprogramm sei in wenigen Wochen zerstört, die Straße von Hormus nicht gefährdet. Und es werde nicht mehr als minimalen Widerstand gegen amerikanische Interessen geben. Der Iran sei reif für einen Regimewechsel.

Trump-Wähler gegen neue Kriege

CIA-Direktor John Ratcliffe soll die von Netanjahu beschriebenen Szenarien als "grotesk" bewertet haben. Vance warnte vor regionalem Chaos, unzähligen Opfern und dem Bruch mit Wählern, die Trump gewählt hatten, weil er versprochen hatte, keine neuen Kriege zu führen. Der Präsident hörte zu und ignorierte alles.

Papst Leo XIV. begrüßt US-Vizepräsident J.D. Vance am 19. Mai 2025 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. begrüßt US-Vizepräsident J.D. Vance am 19. Mai 2025 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Als einzige prominente katholische Stimme in den USA, die bisher nicht klar auf Distanz zu Trump gegangen ist, machte Bischof Robert Barron Schlagzeilen mit seiner Teilnahme an einem Treffen von sonst überwiegend evangelikalen Führern vor Ostern im Weißen Haus. Er saß regungslos dabei, während Trumps geistliche Beraterin Paula White-Cain die Leiden des Präsidenten mit denen Jesu Christi verglich.

Gott lehnt Krieg ab

Screenshot aus einem Instagram-Video von Pete Hegseth mit Jerusalemkreuz
 / © instagram.com / petehegseth
Screenshot aus einem Instagram-Video von Pete Hegseth mit Jerusalemkreuz / © instagram.com / petehegseth

Ganz anders Papst Leo XIV., der sich direkt gegen die Vermengung von Militarismus und Religion wandte, wie sie von christlichen Nationalisten in den USA betrieben wird. Prominent sichtbar bei den Auftritten von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der ein Kreuzritter-Symbol auf der Brust tätowiert hat. Hegseth hatte die Amerikaner im März aufgerufen, im Namen Jesu Christi auf ihren Knien für den Sieg im Kampf zu beten.

Leo XIV. antwortete am Palmsonntag mit einer Predigt. Jesus sei der König des Friedens, so der Papst. Gott lehne den Krieg ab, niemand dürfe Gott benutzen, um Krieg zu rechtfertigen, kritisierte er. Gott erhöre nicht das Gebet derer, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut.

Trump bringt linke und rechte Katholiken zusammen

Trump hat mit seinem Angriffskrieg und seinen apokalyptischen Drohungen geschafft, was dem Katholiken Joe Biden in vier Jahren nicht gelang: die tief gespaltenen Katholiken in den USA näher zusammenzubringen. Linke und rechte Kirchenmitglieder, Traditionalisten und Progressive finden sich plötzlich auf derselben Seite wieder.

Die Theologin Holly Taylor Coolman vom Providence College fasste zusammen, was viele empfinden. Es sei "unmöglich, sich als Lebensschützer zu bezeichnen und gleichzeitig diese Freude am Tod auszudrücken".

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
KNA