"Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!" Das gab Papst Leo XIV. am Ostersonntag den Menschen in seiner Ansprache zum traditionellen Segen "Urbi et orbi" mit auf den Weg. Auch in den USA, der Heimat des Papstes, gab einer Botschaften von sich: Donald Trump. In Sozialen Medien baute der US-Präsident Druck auf den Iran auf, gegen den er und Israel seit Ende Februar Krieg führen.
Am Ostersonntag klang das dann so: "Erinnert ihr euch noch daran, als ich dem Iran zehn Tage Zeit gegeben habe, ein Abkommen zu schließen oder die Straße von Hormus zu öffnen? Die Zeit läuft ab - noch 48 Stunden, dann bricht die Hölle über sie herein. Ehre sei Gott!" Trump ist bei weitem nicht der einzige in der US-Regierung, der sich als heiliger Krieger gibt.
Kriegsminister deutet Ostern um
Für Schlagzeilen sorgte an Ostermontag etwa sein Kriegsminister Pete Hegseth, als er die Rettung eines über dem Iran abgeschossenen Piloten mit der Auferstehung Christi in Verbindung brachte. Der Abschuss des US-Kampfjets sei am Karfreitag erfolgt, zitierte die "New York Times" den Minister. Den Samstag über habe sich der Soldat in einer Höhle versteckt und sei schließlich an dem Tag aus dem Iran ausgeflogen worden, "als am Ostersonntag die Sonne aufging", so Hegseth. "Ein wiedergeborener Pilot, wieder zu Hause und wohlbehalten, eine Nation in Jubel", fügte der Politiker hinzu. "Gott ist gut."
Angesichts solcher Einlassungen wird in den USA durchaus verfolgt, was der Papst dieser Tage zu Krieg und Frieden sagt. Ohnehin war das Medieninteresse an den ersten Osterfeierlichkeiten mit Leo XIV. groß. Würde er ähnlich deutliche Worte finden wie sein Vorgänger Franziskus für die Konflikte in der Welt? Seine Ansprache vor dem Segen "Urbi et orbi" fiel eher allgemeiner aus.
Papst hält sich zurück
Zuvor, an Karfreitag beim Kreuzweg am Kolosseum, hatte Leo XIV. schweigend das Kreuz über die 14 Stationen getragen. Die jeweiligen Texte stammten vom Franziskaner Francesco Patton, der lange eine kirchliche Führungsposition im Nahen Osten innehatte. Er prangerte darin vielfältige Verletzungen der Menschenwürde weltweit an - Folter, Missbrauch, Vergewaltigung, Massaker und Völkermorde.
"Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können", betonte Leo XIV. im Vorfeld. Konkreter wurde er nicht. Die Perspektive des Papstes sei größer und richte sich über sein Heimatland hinaus, konnten unterdessen Leser der "Washington Post" erfahren.
Unter Verweis auf Vatikanvertreter wie den Untersekretär der vatikanischen Behörde für Bildung und Kultur, Antonio Spadaro, schrieb die Zeitung: Der Papst richte sich nicht nur an die Trump-Regierung, sondern an alle, die versuchten, Gott für den Krieg zu instrumentalisieren.
Das Weiße Haus reagiert
Dennoch: Stößt Leo XIV. bei den Mächtigen in seiner Heimat auf Gehör? Zumindest hin und wieder, wie eine Episode im Nachgang zum Palmsonntag zeigte. Da hatte der Papst gesagt, Gott höre nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen. Der Konter von Trump-Sprecherin Karoline Leavitt folgte auf den Fuß.
"Ich denke nicht, dass etwas falsch daran ist, wenn unsere militärischen Führungskräfte oder der Präsident das amerikanische Volk dazu aufrufen, für unsere Soldaten und diejenigen zu beten, die im Ausland für unser Land dienen. Tatsächlich halte ich das für eine sehr edle Sache", sagte Leavitt vor Journalisten im Weißen Haus.
Beten für den Frieden
Abseits solcher Scharmützel stellt sich die Frage, welche Macht ein Papst hat, Konflikte zu befrieden? Hier werden Erinnerungen an einen anderen Krieg wach, den die USA 2003 unter George W. Bush gegen den iranischen Nachbarstaat Irak führten.
Über vatikanische Kanäle habe der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein vor Kriegsbeginn "Signale zu einer Verständigung" gesandt. Einzige Bedingung: Man dürfe ihn nicht demütigen, sagte Kardinal Fernando Filoni, der frühere Papst-Botschafter im Irak, vor einigen Jahren. Daraufhin habe Papst Johannes Paul II. den verzweifelten Versuch unternommen, den Krieg noch zu verhindern, indem er die Kardinäle Pio Laghi und Roger Etchegaray nach Washington und Bagdad schickte.
Das hat seinerzeit nicht geklappt. Welche diplomatischen Kanäle der Vatikan aktuell offenhält, ist nicht bekannt. Seine österliche Botschaft will Papst Leo XIV. am kommenden Wochenende noch einmal verstärken. Mit einer Gebetswache für den Frieden am Samstag im Petersdom.