DOMRADIO.DE: Was passiert denn beim Semmel segnen?
Andreas Neuser (Pfarrer in Attendorn und Dechant des Dekanats Südsauerland): Es ist im Grunde eine Speisesegnung. Osterbrote, also speziell geformte Brote, werden hochgehalten.
DOMRADIO.DE: Sind das dann Brötchen?
Neuser: Es handelt sich um spezielle Brote mit einer bestimmten Form. Da spekulieren Historiker noch, warum sie so aussehen. Die Semmeln haben nämlich so genannte Schwanzflossen. Sie sind an beiden Längsseiten eingekerbt. Das ist die traditionelle Form. Und von diesem Brot verkaufen die Bäcker hier in dieser Zeit viele.
DOMRADIO.DE: Und diese Tradition gibt es schon seit mindestens 1658?
Neuser: Auf jeden Fall gab es vor 350 Jahren das erste schriftliche Zeugnis über den Semmelsegen in Attendorn.
DOMRADIO.DE: Was kommt denn auf das Brot drauf?
Neuser: Im Grunde geht es um das Fastenbrechen. Deshalb auch der Kümmel in der Semmel, weil man das besser verträgt. Und viele Leute machen da am Ostersonntag schönen Knochenschinken und gute Butter drauf.
DOMRADIO.DE: Sie geben den Semmelsegen schon zum 15. Mal. Ist das für Sie ein ganz besonderer Tag?
Neuser: Auf jeden Fall. Ich freue mich mit den Leuten und bin dann immer sehr erstaunt, wie viele Tausend Menschen vor mir stehen. Kurz vorher, um halb zwei, ist noch wenig los. Um 2 Uhr bricht der Platz dann auseinander.
DOMRADIO.DE: Ganz Attendorn ist auf den Beinen. Ich habe sogar gehört, dass Menschen, die schon lange weggezogen sind, für die Semmelsegnung zurück ins Sauerland kommen. Stimmt das?
Neuser: Wir haben ja hier ein reichhaltiges Osterbrauchtum. Die Semmelsegnung ist ein Teil davon, wir haben auch ein besonderes Osterfeuer und eine besondere Ostprozession. Das sind alles Dinge, die es woanders nicht gibt.
Das Interview führte Carsten Döpp.