"Was wir im Weißen Haus gesehen haben, war eine blasphemische Parodie der Karwoche" – mit diesen Worten kommentiert der Theologe Massimo Faggioli im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Osterveranstaltung von US-Präsident Donald Trump.
Die Feier hatte am Mittwoch in Washington stattgefunden und sorgte kurz vor den wichtigsten christlichen Feiertagen im Netz für breite Diskussionen. Das offizielle Video der Veranstaltung wurde zwischenzeitlich gelöscht; Ausschnitte verbreiteten sich am Donnerstag vor allem über die Plattform X.
Trump als Retter von Glaube und Nation
Was als Regierungsempfang zu Ostern angekündigt war, geriet zu einer wahnhaft-religiösen Inszenierung, in der Trump nicht nur als politischer Führer auftrat, sondern in religiösen Kategorien überhöht wurde. Christliche Bezüge sind in der US-Politik zwar üblich, doch in dieser Dichte und Zuspitzung fällt die Verbindung von Glaube und politischer Selbstdeutung besonders auf.
Trump selbst griff zentrale Motive der christlichen Heilsbotschaft auf. Er sprach vom "Wunder der gesamten Geschichte", der Auferstehung Jesu Christi und erklärte zugleich: "Um eine große Nation zu sein, muss man Religion haben." Amerika brauche Glauben – und unter seiner Führung kehre dieser sichtbar zurück. "Wir bringen die Religion nach Amerika zurück", sagte Trump und nannte steigende Bibelverkäufe und Kirchenbesuche als Indikatoren.
Gebete für Trump, Krieg und den "wahren Glauben"
Besonders deutlich wurde dieses Selbstbild in den anschließenden Gebeten. Mehrere Prediger deuteten Trumps politischen Werdegang in einer Weise, die auffällig an zentrale Motive der Bibel erinnert. Eine Predigerin sprach davon, Trump habe einen Preis gezahlt, sei verraten und falsch beschuldigt worden – ein "vertrautes Muster", das sich auch bei Jesus Christus in der Ostergeschichte gezeigt habe. Die Parallele wurde ausdrücklich gezogen: Weil Christus nach christlicher Lehre nach dem Verrat durch Judas und dem Tod am Kreuz an Ostern über den Tod gesiegt habe, sei nun auch Präsident Trump siegreich.
Auch andere Redner griffen dieses Narrativ auf. Trump wurde als von Gott "erhoben" beschrieben, als Führer "für eine Zeit wie diese". Überstandene Attentatsversuche gelten den Geistlichen als Zeichen göttlicher Bewahrung. Der Präsident erscheint damit nicht nur als Gewählter, sondern als Berufener – eine Figur, deren Rolle über das Politische hinausweist.
Iran im Fokus
Diese religiöse Rhetorik verband sich schließlich mit außenpolitischen Aussagen. In Gebeten wurde der Konflikt mit dem Iran aufgegriffen und in biblische Zusammenhänge gestellt. Widerstand gegen das Regime sei Teil eines größeren Kampfes. Im Zentrum: Trump als göttlich legitimierter Akteur.
Der Kontrast zur Position der katholischen Kirche und ihres Oberhaupts, Papst Leo XIV., ist deutlich. Der Papst aus den USA hatte zuletzt am Palmsonntag im Vatikan betont, Gott könne nicht zur Rechtfertigung von Krieg herangezogen werden, und er hatte Jesus als "König des Friedens" beschrieben. In Washington scheint religiöse Sprache hingegen verstärkt genutzt zu werden, um politische Führung und geopolitische Konflikte zu deuten. Die Spannung zwischen Friedensbotschaft und politischer Praxis - verkörpert durch zwei US-Amerikaner an der Weltspitze – ist deutlich erkennbar.
Warnung von Faggioli
Für den Theologen Faggioli ist diese Entwicklung Ausdruck einer grundlegenden Verschiebung. Die religiöse Begleitung von US-Präsidenten sei früher zurückhaltender und gegenüber anderen Religionen inklusiver gewesen. Unter Trump trete eine offen "nationalistisch-christianistische Ideologie" hervor, die Trump als einen politischen Messias sehe.
Dass sich evangelikale Kreise davon angezogen fühlten, sei bekannt und wenig überraschend. Auffälliger sei, dass sich auch katholische Vertreter daran beteiligten, darunter Bischöfe wie Robert Barron. Diese Nähe gehe über eine pragmatische Zusammenarbeit mit der Regierung hinaus.
Faggioli warnt daher vor einer "Nationalisierung" und Ideologisierung des Katholizismus in den USA. Besonders problematisch sei dies vor dem Hintergrund des Konflikts mit dem Iran, wenn politische Akteure offen religiöse und biblische Sprache nutzten, um diesen zu rechtfertigen. Es sei schwer nachvollziehbar, wie ein katholischer Bischof, der in Gemeinschaft mit dem Papst stehe, an einer Veranstaltung teilnehmen könne, in der Trump öffentlich mit Jesus Christus verglichen werde.
Die Osterveranstaltung im Weißen Haus zeigt damit vor allem eines: wie religiöse Sprache und Motive in den USA gezielt zur politischen Deutung eingesetzt werden. Gebete werden zu Botschaften, biblische Motive zu Deutungsrahmen und ein Präsident zur Projektionsfigur religiöser Erwartungen und Hoffnungen. Genau darin sehen einige Christen kurz vor ihrem höchsten Feiertag eine Grenze überschritten. Oder, wie Faggioli es formuliert: eine "blasphemische Parodie" - mitten in der Karwoche.