Papst Leo XIV. kritisiert frühere Missionspraxis der Kirche

"Aus einem Missbrauch von Macht kann nichts Gutes entstehen"

An Gründonnerstag ist der Papst vielen Kirchenmännern begegnet. Vor ihnen kritisierte er frühere Missionstätigkeiten und warnte vor Machtmissbrauch auf allen Ebenen. Zudem forderte er eine andere Haltung für die Glaubensverkündigung.

Chrisammesse mit Papst Leo XIV. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Chrisammesse mit Papst Leo XIV. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Leo XIV. hat sich kritisch über frühere Missionstätigkeiten der katholischen Kirche geäußert. "Wir wissen, dass die Mission im Laufe der Geschichte nicht selten durch die Logik der Herrschaft entstellt wurde, die dem Weg Jesu Christi völlig fremd ist", sagte er bei der traditionellen Chrisammesse an Gründonnerstag im Petersdom. 

Vor Hunderten Priestern betonte der Papst, dass Irrtümer und Schuld aus der Vergangenheit alle trügen – "auch wenn wir keine persönliche Verantwortung dafür haben".

Leo XIV. sagte weiter: "Daher ist nun besonders wichtig, daran zu erinnern, dass aus einem Missbrauch von Macht weder im pastoralen noch im gesellschaftlichen und politischen Bereich Gutes entstehen kann." Die Verkündigung des christlichen Glaubens soll nach Auffassung des Papstes geprägt sein durch sehr behutsame Annäherung, ein gemeinsam geteiltes Leben, selbstlosen Dienst, Dialog und Respekt sowie den Verzicht auf jede berechnende Strategie.

Papst Leo XIV. haucht in ein Chrisamgefäß bei der Chrisammesse an Gründonnerstag, 2. April 2026, im Petersdom im Vatikan. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA (KNA)
Papst Leo XIV. haucht in ein Chrisamgefäß bei der Chrisammesse an Gründonnerstag, 2. April 2026, im Petersdom im Vatikan. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA ( KNA )

Die gesandten Kirchenleute sollten sich an ihren Einsatzorten als Gäste betrachten und sich auf die jeweiligen Gemeinschaften einlassen. "Auch jene Orte, an denen die Säkularisierung am weitesten fortgeschritten zu sein scheint, sind kein Land der Eroberung oder Rückeroberung", so der Papst, der von der Betrachtungsweise einer Mission als "heldenhaftes Abenteuer von Einzelnen" abriet. Zugleich rief er aber auch dazu auf, Risiken einzugehen und sich von Ablehnung nicht einschüchtern zu lassen.

Wichtigste Tage im Kirchenjahr

Die Chrisammesse läutete die wichtigsten Tage im Kirchenjahr ein. Zahlreiche Priester, Bischöfe und Kardinäle nahmen an dem Gottesdienst teil, bei dem Leo XIV. die heiligen Öle weihte. In der katholischen Kirche werden diese beim Spenden von Sakramenten genutzt, beispielsweise bei der Taufe oder der Krankensalbung. Zudem erneuerten die Geistlichen vor dem Papst ihre Weiheversprechen.

Am Abend wird Leo XIV. in einem weiteren Gottesdienst an das letzte Abendmahl Jesu erinnern. In seiner römischen Bischofskirche im Lateran wird er das Ritual der Fußwaschung an zwölf Priestern vollziehen. An Karfreitag wird es der Papst selbst sein, der das Kreuz beim traditionellen Kreuzweg am Kolosseum trägt. Die Osternacht feiert Leo XIV. am Samstagabend im Petersdom, am Sonntagmorgen folgen dann die Ostermesse und der wichtige Segen "Urbi et orbi" auf dem mit Blumen geschmückten Petersplatz.

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag, dem Donnerstag vor Ostern, erinnert die Kirche an das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Der Volksbrauch will, dass "grüne Speisen" wie Spinat oder Brunnenkresse auf dem Tisch stehen. Allerdings verdankt der Tag seinen Namen offenbar nicht der Farbe, sondern dem althochdeutschen Wort "grunen" oder "greinen" für "weinen": Gründonnerstag als Tag der "Greinenden", der Weinenden, der Büßer.

Papst Franziskus feiert Messe zum Gründonnerstag im Vatikan / © Andrew Medichini (dpa)
Papst Franziskus feiert Messe zum Gründonnerstag im Vatikan / © Andrew Medichini ( dpa )
Quelle:
KNA